http://www.faz.net/-gpf-7mugc
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 27.02.2014, 07:51 Uhr

Chronik Die Affäre Wulff

Vom Privatkredit für den Hauskauf über den Rücktritt als Bundespräsident bis zur Anklage wegen Bestechlichkeit. Kaum ein Fall hat die Öffentlichkeit in den letzten Jahren so beschäftigt wie der Fall Christian Wulff. Eine Chronik der Ereignisse.

© dpa Christian Wulff und der Mitangeklagte David Groenewold am 20. Februar im Landgericht in Hannover

Mit einem günstigen Privatkredit für sein inzwischen verkauftes Haus in Burgwedel begann die Affäre, die 2012 zum Rücktritt von Christian Wulff vom Amt des Bundespräsidenten führte. Jetzt scheint von den Vorwürfen kaum noch etwas übrig zu bleiben. Eine Chronik der Ereignisse:

25. Oktober 2008: Christian Wulff, damals niedersächsischer
Ministerpräsident, erhält von der Frau eines Unternehmers einen
Privatkredit über 500.000 Euro zum Kauf eines Hauses.

18. Februar 2010: Wulff antwortet auf eine Anfrage im niedersächsischen Landtag, er pflege keine geschäftlichen Beziehungen zu dem Unternehmer. Den Kredit verschweigt er.

13. Dezember 2011: Die „Bild“-Zeitung berichtet erstmals über Wulffs Hauskauf-Finanzierung. Zuvor hatte Wulff, inzwischen Bundespräsident, auf der Mailbox von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann mit Konsequenzen gedroht, falls die Geschichte erscheint.

15. Dezember 2011: Wulff bedauert in einer schriftlichen
Mitteilung, den Hauskredit im Landtag nicht erwähnt zu haben.

22. Dezember 2011: Wulff entschuldigt sich öffentlich für die Irritationen und entlässt seinen Sprecher Olaf Glaeseker.

16. Februar 2012: Die Staatsanwaltschaft Hannover beantragt die Aufhebung der Immunität Wulffs, um Ermittlungen führen zu können.

Wulff-Prozess © dpa Vergrößern Will einen Freispruch erster Klasse: der frühere Bundespräsident Christian Wulff

17. Februar 2012: Wulff erklärt seinen Rücktritt. Die
Staatsanwaltschaft beginnt wegen möglicher Vorteilsannahme zu
ermitteln. Es geht um zwei Urlaube auf Sylt und einen
Oktoberfest-Besuch mit Hotelübernachtung 2008, die der Filmproduzent
David Groenewold zunächst für Wulff bezahlt haben soll.

2. März 2012: Kriminalbeamte und ein Staatsanwalt durchsuchen
Wulffs Wohnhaus in Großburgwedel bei Hannover.

22. Juli 2012: Neue Vorwürfe werden bekannt. Wulff soll sich als Ministerpräsident dafür eingesetzt haben, der Versicherungswirtschaft Vorteile zu verschaffen. 2008 verbrachten die Wulffs ihre Flitterwochen im Haus eines Versicherungsmanagers in Italien.

9. Oktober 2012: Die Flitterwochen in Italien rechtfertigen keine
Ermittlungen wegen Vorteilsannahme, teilt die Staatsanwaltschaft mit.

7. Januar 2013: Die Wulffs haben sich getrennt, wie der Anwalt der
Eheleute bestätigt.

13. März 2013: Die Staatsanwaltschaft bietet Wulff an, das Verfahren gegen 20.000 Euro Geldauflage einzustellen. Sie ermittelt
inzwischen nicht mehr wegen Vorteilsannahme, sondern Bestechlichkeit. Groenewold wird eine Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung von 30.000 Euro angeboten.

Mehr zum Thema

9. April 2013: Wulffs Anwälte lehnen das Angebot ab. Sie fordern,
das Verfahren ohne Auflagen einzustellen.

12. April 2013: Die Staatsanwaltschaft klagt Wulff wegen Bestechlichkeit und Groenewold wegen Bestechung an. Zugleich wird das Verfahren wegen der Sylt-Urlaube mangels Tatverdachts eingestellt.

27. August 2013: Das Landgericht Hannover eröffnet das
Hauptverfahren gegen Wulff und reduziert den Vorwurf wieder auf
Vorteilsannahme.

6. September 2013: Das Gericht eröffnet gegen Wulffs früheren
Sprecher Glaeseker ein Hauptverfahren wegen Bestechlichkeit.

14. November 2013: Der Prozess gegen Wulff beginnt.

9. Dezember 2013: Glaeseker geht zu Beginn seines eigenen
Prozesses auf Distanz zu Wulff und versichert, er habe nichts ohne
Wissen seines früheren Dienstherrn getan.

19. Dezember 2013: Der Vorsitzende Richter Frank Rosenow schlägt die Einstellung des Prozesses gegen Wulff vor, weil es aus seiner Sicht keine Beweise für eine Vorteilsannahme Wulffs gibt. Staatsanwaltschaft und Verteidigung lehnen das ab.

22. Januar 2014: Groenewolds Ex-Assistentin sagt aus, sie habe
einen Bittbrief an Wulff schreiben müssen. Die Verteidigung hatte
erklärt, Groenewolds Brief sei nie abgeschickt worden. Glaeseker
bestätigt die Freundschaft der beiden Männer.

6. Februar 2014: Die Staatsanwaltschaft beantragt neue
Zeugenvernehmungen - ohne Erfolg.

20. Februar 2014: Plädoyers - der Staatsanwalt fordert eine
Fortsetzung der Beweisaufnahme, die Verteidigung Freispruch.

27. Februar 2014: Tag der Urteilsverkündung.

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Hartes Vorgehen gegen Presse Blockupy-Fotos beschlagnahmt

Die Polizei hat die Wohnungen zweier Journalisten durchsucht und Bilder von Blockupy-Protesten beschlagnahmt. Ein Fotograf will sich wehren. Denn die Polizei ging ungewöhnlich hart vor. Mehr Von Denise Peikert, Frankfurt

20.05.2016, 06:28 Uhr | Rhein-Main
Frankreich Brutaler Angriff auf Polizisten in Paris

Am Mittwoch kam es in Paris bei einer Demonstration gegen die umstrittene Arbeitsmarktreform zu Ausschreitungen mit der Polizei. Gewalttätige Demonstranten haben dabei einen Polizeiwagen angegriffen und in Brand gesetzt. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Mehr

19.05.2016, 14:16 Uhr | Gesellschaft
Was Sie heute erwartet Oberverwaltungsgericht verhandelt über Töten männlicher Küken

Das umstrittene Töten von Millionen männlicher Küken beschäftigt heute abermals die Justiz: Das Oberverwaltungsgericht Münster will klären, ob das nordrhein-westfälische... Mehr

20.05.2016, 07:16 Uhr | Wirtschaft
Österreich ÖVP will große Koalition nach Faymann-Rücktritt fortsetzen

Nach dem Rücktritt von SPÖ-Kanzler Werner Faymann will ÖVP-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner die große Koalition zunächst fortsetzen. Wer Österreich künftig führt, wollen die Sozialdemokraten bis Pfingsten entscheiden. Mehr

11.05.2016, 11:13 Uhr | Politik
Affäre im Fußball-Weltverband Was Fifa-Chef Infantino hinter verschlossenen Türen wirklich sagte

Nach den F.A.Z.-Enthüllungen um ein Komplott beim Fußballweltverband spricht die Fifa weiter von gegenstandslosen Unterstellungen. Die Äußerungen der beteiligten Funktionäre sind jedoch eindeutig. FAZ.NET dokumentiert sie in englischer Originalsprache. Mehr Von Michael Ashelm

30.05.2016, 17:27 Uhr | Sport

Nur Worte

Von Jasper von Altenbockum

Die CSU unterscheidet sich von den anderen Parteien der großen Koalition und von den Grünen nur in der Flüchtlingspolitik. Ansonsten möchte man fragen: Worüber wollen die Unionsparteien eigentlich streiten? Mehr 4