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Chronik Der Fall Christian Wulff

Rund 17 Monate liegen zwischen den ersten öffentlichen Vorwürfen gegen Christian Wulff und der Strafanklage gegen den früheren Bundespräsidenten. Die Chronik des Falles Wulff in der Übersicht.

17. Februar 2012: Christian Wulff erklärt seinen Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten Artikel.Text Video starten $fazgets_pct
© AFP, reuters Vergrößern Früherer Bundespräsident Wulff angeklagt

Fast auf den Tag genau 17 Monate lang hat der Fall Christian Wulff die Gemüter bewegt zwischen den ersten veröffentlichten Vorwürfen gegen ihn und der ersten Strafanklage gegen ein früheres Staatsoberhaupt in der Geschichte der Bundesrepublik. Fast täglich gab es neue Enthüllungen mit Handfestem oder auch Bizarrem. In diesen 17 Monaten verlor Christian Wulff Amt, Ansehen und Ehefrau. Zumindest sein Ansehen möchte er wiedergewinnen und seinen Namen „klären“ bei dem anstehenden Strafprozess, den er hätte vermeiden können. Dabei begannen die Mutmaßungen über unklare Linien zwischen der Politik und „wohlhabenden Freunden“ schon früher mit einer Anfrage der Grünen im Niedersächsischen Landtag. In der Antwort der Landesregierung am 18. Februar 2010, er pflege zum Unternehmer und Förderer seit Jugendjahren Egon Geerkens keine geschäftlichen Beziehungen, verschwieg er, dass dessen Frau ihm am 25. Oktober 2008 einen Privatkredit über 500.000 Euro gewährt hatte für den Kauf eines Hauses.

  • 1. Juli 2010: Der niedersächsische Ministerpräsident Wulff wird von der Bundesversammlung zum Bundespräsidenten gewählt.
  • 13. Dezember 2011: Die „Bild“-Zeitung berichtet über die Finanzierung des Hauskaufes in Burgwedel. Zuvor hatte Wulff dem „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann „Konsequenzen“ angedroht, falls der Bericht erscheine. Seitdem gibt es kaum einen Tag ohne neue „Enthüllungen“.
  • 15. Dezember 2011: Wulff bedauert schriftlich, den Hauskredit im Landtag nicht erwähnt zu haben, und entschuldigt sich eine Woche später öffentlich für „Irritationen“.
  • 22. Dezember 2011: Wulffs engster Berater seit 13 Jahren, Olaf Glaeseker - Sprecher zunächst der Staatskanzlei und dann des Bundespräsidialamtes -, wird ohne Angabe von Gründen entlassen. Wulff distanziert sich in einer Vernehmung von Glaeseker, den er zuvor als „siamesischen Zwilling“ bezeichnete. Am 6. März 2013 klagt die Staatsanwaltschaft Hannover Glaeseker wegen Bestechlichkeit an. Dabei ging es um drei „Nord-Süd-Kongresse“, bei denen Wulff Gastgeber war.
  • 16. Februar 2012: Die Staatsanwaltschaft Hannover beantragt, die Immunität Wulffs aufheben zu lassen, um zu ermitteln. Dabei geht es um zahlreiche weitere Vorwürfe in Medien - im Wesentlichen um Urlaubsreisen und Einladungen durch Unternehmer.
  • 17. Februar 2012: Wulff tritt von seinem Amt zurück mit der Begründung, er genieße nicht mehr das erforderliche Vertrauen einer Mehrheit der Bevölkerung. Vier Staatsanwälte unter Leitung von Clemens Eimterbäumer und 24 Mitarbeiter des Landeskriminalamtes beginnen sofort mit Ermittlungen. Dabei geht es um insgesamt 21 „Tatkomplexe“, darunter Urlaubseinladungen nach Sylt und Italien.
  • 2. März 2012: Ermittler durchsuchen Wulffs Wohnhaus in Großburgwedel.
  • 8. März 2012: Zahlreiche Politiker bleiben dem Großen Zapfenstreich fern, mit dem Wulff im Schloss Bellevue in Berlin verabschiedet wird.
  • 7. Januar 2013: Der Anwalt von Christian und Bettina Wulff bestätigt, dass sich das Ehepaar „räumlich getrennt“ habe.
  • 16. März 2013: Von den Vorwürfen bleibt strafrechtlich nur noch einer übrig, bei dem die Staatsanwaltschaft einen hinreichenden Tatverdacht sieht - die Übernahme von Hotelkosten durch den Filmproduzenten David Groenewold und eine nach Ansicht der Ermittler damit verbundene Bitte um Hilfe an Wulff als Ministerpräsident im September 2008. Kurz zuvor hatte sie die Vorwürfe gegen Wulff verschärft, statt von Vorteilsannahme gehen die Staatsanwälte von Bestechlichkeit aus, für die im Falle einer Verurteilung eine deutlich höhere Strafe droht. Die Ermittler bieten den Anwälten Wulffs und Groenewolds an, die Ermittlungen einzustellen, falls diese insgesamt 50.000 Euro zahlen - dann gelten sie als unschuldig, ein Restverdacht bliebe aber. Die Anwälte lehnen das Angebot im Namen Wulffs und Groenewolds am 9. April ab.
  • 12. April 2013: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Christian Wulff wegen Bestechlichkeit und gegen David Groenewold wegen Bestechung und Abgabe einer falschen Versicherung an Eides statt.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 12.04.2013, 20:29 Uhr