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Christian Lindner : Avatar

Er weiß, wovon er spricht - Christian LIndner Bild: dapd

Bevor Christian Lindner politisch aufstieg, versuchte er sich als Unternehmer in der New Economy. Am Ende waren zwei Millionen Euro verbrannt.

          Nur mit Seriosität kann es gelingen, eine zweite Chance zu bekommen.“ Ein paar Tage ist es her, dass Christian Lindner diesen Satz gesagt hat. Er meinte seine Partei, die bei der Wahl in Nordrhein-Westfalen darum kämpft, wieder in den Landtag einzuziehen. Der Satz passt aber auch auf den FDP-Spitzenkandidaten selbst. Für Lindner ist die politische Karriere eine zweite Chance, nachdem die erste als Unternehmer und Unternehmensteilhaber mit einer Bruchlandung endete.

          Thomas Gutschker

          Redakteur im Ressort Politik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Lange ist das her, elf Jahre. Lindner hatte gerade den Einzug in den Landtag geschafft als jüngster Abgeordneter in dessen Geschichte. Später, als er in der Partei aufstieg, wurden kritische Fragen laut. Und ein gefährlicher Vorwurf: Er habe bei Moomax öffentliches Geld in Millionenhöhe verschleudert. Der Vorwurf will bis heute nicht verstummen, Dutzende Interneteinträge erklären ihn unkritisch zu einer Tatsache.

          „Qualifizierte Arbeitsplätze“

          Lindner wehrt sich dagegen. Von seiner Homepage hat er einen Link gelegt auf die Seite abgeordnetenwatch.de. Dort erläutert er: Die Förderung stammte zwar von der KfW-Bank, ging aber weder an ihn noch an das Unternehmen, sondern an einen Risikokapitalfonds, der von Anfang an als Partner eingestiegen war. „Es hat keinerlei Beanstandungen gegeben“, schreibt Lindner. „Die Mittel des privaten Investors wurden sehr überwiegend genutzt, um qualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen.“

          So weit, so gut. Allerdings erinnern sich die Beteiligten von damals sehr unterschiedlich an die gemeinsame Zeit. Das betrifft zum einen die Zahl der „qualifizierten Arbeitsplätze“. Wolfgang Lubert, der letzte Geschäftsführer, sagt, es seien „deutlich unter zehn“ Festangestellte gewesen. Hinzu kamen mehrere Freiberufler, die auf Zeitvertragsbasis tätig waren. Lindner nennt im Gespräch eine Zahlenspanne, die auf viel mehr Angestellte schließen lässt. Als er die Angabe autorisieren soll, teilt seine Sprecherin mit, er könne Zahlen „ausdrücklich nicht bestätigen, da wir keinen Zugriff auf Akten haben, er selbst nicht im kaufmännischen Bereich der moomax GmbH tätig war und der Vorgang über zehn Jahre zurückliegt“.

          „So viel Wissen und so viel Potentia“

          Eine Zahl deutlich unter zehn wird dieser Zeitung auch aus einer weiteren Quelle genannt. Es können also nicht so viele „qualifizierte Arbeitsplätze“ gewesen sein. Einen nicht unbeträchtlichen Teil der Unternehmensfinanzierung haben die drei Geschäftsführer selbst verzehrt.

          Der zweite Punkt, in dem Erinnerungen und Schilderungen auseinanderklaffen, betrifft den Zustand von Moomax, als Lindner das Unternehmen im April 2001 verließ. War damals schon absehbar, dass es ein halbes Jahr später Insolvenz anmelden musste? Trägt Lindner Mitverantwortung für das Scheitern?

          Es war ein ungleiches Trio, das sich im Frühjahr 2000 anschickte, in die New Economy einzusteigen. Christian Lindner und Christopher Patrick Peterka, Jahrgang 1979 und 1978, hatten schon zu Schulzeiten eine Werbeagentur gegründet, die Peterka nach einem Jahr wieder verließ. Lindner arbeitete neben Zivildienst und Studium weiter und zog größere Aufträge an Land. Sein Umsatz überstieg eine Million Mark, zur Uni fuhr er mit dem Porsche. Im Sommer 1999 lernte er auf einem Seminar der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung Hartmut Knüppel kennen. Der war 26 Jahre älter, hatte mal das Büro Hans-Dietrich Genschers geleitet und führte nun die Geschäfte des Bundesverbandes deutscher Banken. Knüppel war begeistert von Lindner: „Ich habe selten jemanden getroffen, der schon so jung so viel Wissen und so viel Potential hatte“, sagt Knüppel heute. „Trotz unseres großen Altersunterschiedes war uns sofort klar: Wir beide können miteinander etwas aufbauen.“ Ende 1999 gründeten sie eine Unternehmensberatung, die unter dem Namen „Die Königsmacher“ ins Handelsregister eingetragen wurde. Im Frühjahr 2000, der Neue Markt boomte, fassten sie den Plan, mit Peterka ein Internetunternehmen zu gründen.

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