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Veröffentlicht: 10.08.2017, 12:43 Uhr

Frank Richter verlässt die CDU „Kein Zeichen von Wut“

Er hat in der Wendezeit zwischen Polizei und Demonstranten vermittelt und den Dialog mit der Pegida-Bewegung gesucht. Jetzt ist der Bürgerrechtler Frank Richter aus der sächsischen CDU ausgetreten – weil ihm dort etwas Entscheidendes fehlte.

© dpa Frank Richter tritt nach 25 Jahren aus der CDU aus.

Der bekannte Dresdner Bürgerrechtler und Theologe Frank Richter ist nach fast 25 Jahren aus der sächsischen CDU ausgetreten. Sein Austritt sei eine „persönliche Gewissensentscheidung“, die er längere Zeit vor sich hergeschoben habe, sagte Richter der in Dresden erscheinenden „Sächsischen Zeitung“ vom Donnerstag. Sein Austritt sei „ein Zeichen der Herstellung von Klarheit, nicht von Wut“.

Richter begründete seine Entscheidung vor allem mit der fehlenden Streit- und Diskussionskultur in der sächsischen Union. „Die Demokratie erschöpft sich nicht im Gang an die Wahlurnen“, sagte er der Zeitung. „Sie unterscheidet sich von der Monarchie unter anderem dadurch, dass die Bürgerinnen und Bürger die Republik als ihre eigene Angelegenheit – und nicht die Angelegenheit des Königs – betrachten und deren Wohl und Wehe öffentlich und kontrovers diskutieren.“

Seit Februar ist Richter einer der Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche Dresden. Zuvor war der 57 Jahre alte Theologe viele Jahre Direktor der Landeszentrale für politische Bildung in Dresden. In den vergangenen Jahren wurde Richter zum Mediator und Moderator in vielen kritischen Situationen im Freistaat. Weit über Sachsen hinaus bekannt wurde er durch seine Vermittlungs- und Dialog-Bemühungen angesichts der aufkommenden „Pegida“-Bewegung in Dresden.

Schämt sich die CDU für das „C“?

Richter, der ehemalige katholische Priester, hadert auch mit seiner früheren Partei, weil sie das „C“, das Christliche, in ihrem Namen zu verstecken versuche. „Ist es ihr peinlich?“, frage er sich manchmal, wenn er sehe, wie die Partei als „Sächsische Union“ überall plakatiere. Er stelle sich zudem die Frage, ob die Partei mit der Betonung auf „sächsisch“ den „unzulässigen Eindruck erwecke, eine einzige Partei könne und dürfe mit einem ganzen Land identifiziert werden“, sagte Richter.

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Harsche Kritik äußerte der Bürgerrechtler auch an der sächsischen Schulpolitik. „Wenn der Staat aus dem Recht auf Bildung in unmittelbarer Argumentation die allgemeine Schulpflicht ableitet, muss er die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen“, betonte er. Doch der sächsischen CDU gelinge das immer weniger. Sie vernachlässige die Allgemeinbildung, vor allem die politische, kulturelle und ethische Bildung im Freistaat.

Frank Richter war Anfang der Neunziger Jahre in die sächsische CDU eingetreten. Im Herbst 1989 versuchte er – damals noch als katholischer Kaplan an der Dresdner Hofkirche – während der Proteste auf der Straße zwischen Polizei und Demonstranten zu vermitteln. Später half er als Mitglied der Bürgerrechtler-Gruppe der „20“, den ersten freigewählten Oberbürgermeister von Dresden, Herbert Wagner, ins Amt zu bringen.

Quelle: wahlrecht.de
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