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CDU Pofallas Trostversuche

17.09.2006 ·  „Rot-Rot ist kein Regierungsmodell für den Bund“, stellte der CDU-Generalsekretär fest. Ausführlich widmete sich Pofalla den Verlusten der SPD in Schwerin und den Verlusten der Linkspartei in Berlin, um von ausgebliebenen Erfolgen der eigenen Partei erstmal nicht reden zu müssen.

Von Johannes Leithäuser, Berlin
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In der CDU-Bundeszentrale warten auf die Gäste schon vor 18 Uhr Büfett-Tische mit Buletten und Rollmöpsen. Das war als kulinarische Anspielung auf die beiden Landtagswahl-Länder gemeint gewesen, erwies sich um eins nach sechs aber auch als Ergebnis-Vorhersage: Der Abend hatte noch kaum angefangen, da war er schon ein Katerfrühstück. Die Anhänger der lokalen Jungen Union, die im Foyer des Adenauer-Hauses standen, übten sich alsbald in ironischen Deutungswendungen: „in schwierigen Umfeld.., Wahlsieger der Herzen...“, kicherten und meinten Pflüger damit.

Unter Mitarbeitern der Bundeszentrale und anderen bundespolitisch Tätigen CDU-Mitgliedern herrschte Neigung, die Niederlage in Berlin dem einheimischen, dem West-Berliner Partei-Establishment zuzuschreiben, namentlich dem CDU-Landesvorsitzenden Schmitt. Der Pflüger habe doch noch das schlimmste verhindert, hieß es dort.

„Für uns ist das ein Neuanfang“

Die Repräsentanten der älteren Berliner Parteibasis, drei Damen mittleren Alters aus Neukölln beispielsweise, hatten ihren ungläubigen Spaß wiederum mit dem auswärtigen Spitzenkandidaten Pflüger, als der um halbsieben auf den Fernsehschirmen bei der Bundes-CDU zu sehen war. Nach fünf Jahren sei die Berliner CDU „jetzt wieder da“, rief Pflüger, und die Grauhaarigste der drei wollte gleich wissen: „Na wo denn?“ Ihre Freundin tadelte sie mild: „Der glaubt ebent an uns“; aber die dritte im Bunde bleibt skeptisch: „Da isser der einzje“.

Pflüger fuhr auf dem Bildschirm unbeirrt fort: „Für uns ist das ein Neuanfang, ein Signal des Aufbruchs...“, die drei Damen schoben sich unterdessen dem Ausgang zu. „Kopf hoch“, riefen Bekannte hinterher, und „nach der Wahl iss vor der Wahl“. CDU-Generalsekretär Pofalla, der ein paar Minuten später den Saal betrat, um die offizielle Kommentierung des Wahlergebnisses vorzunehmen, blieb frei von Ironie und Galgenhumor, widmete sich ausführlich den Verlusten der SPD in Schwerin und den Verlusten der Linkspartei in Berlin, um von den ausgebliebenen Erfolgen der eigenen Truppen erstmal nicht reden zu müssen.

Lautes Abschiedsfeuer

Daß der Wählerwille in Schwerin eine große Koalition nahelege, also die CDU zurück an die Regierung bringen werde, war den anwesenden Anhängern allerdings eine zu fade Perspektive, um allgemeine Freude hervorzurufen. Zu enttäuschend wirkten die Berliner Zahlen, die nach der Rekord-Niederlage von vor fünf Jahren nun einen weiteren Tiefststand erwarten ließen. Pofallas Trostversuche zielten in die gleiche Richtung wie die des Berliner Spitzenkandidaten - der Berliner Landesverband sei immerhin geschlossen gewesen in den vergangenen neun Monaten und habe gut gekämpft - und sie zielten überdies auch auf Pflüger selber. Der habe seine bundespolitische Verankerung - er hatte die Position eines Parlamentarischen Staatssekretärs im Verteidigungsministerium - aufgegeben, um nun in Berlin „als Fraktionsführer zur Verfügung zu stehen“: Das klang wie ein letzter Flankenschutz, lautes Abschiedsfeuer für ein kleines Kommando, das fortan auf sich allein gestellt ist.

Und die bundespolitische Bedeutung? „Rot-Rot ist kein Regierungsmodell für den Bund“, stellte Pofalla da eilig fest. Auch wenn es am Abend so aussah, als solle diese Farbenkombination in den Ländern, in denen sie bestand, als Möglichkeit weiterexistieren.

Auswirkungen auf die große Koalition in Berlin, auf die Bundesregierung? „Keine“, sagte der Generalsekretär knapp. Und zeigte Eile, die Sache hinter sich zu lassen, so wie es das Bedienungspersonal auf der Wahlfete der CDU-Zentrale übrigens den Abend über auch tat: Wer kurz seinen Teller an einem Stehtisch im Stich ließ, um Besteck oder Getränke zu suchen, fand den Platz oft nach der Rückkehr abgeräumt und leer.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent in London.

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