Home
http://www.faz.net/-gpg-74tmf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

CDU-Parteitag Reibungslos der Sonne entgegen

Die Umfragen zaubern ein entspanntes Lächeln in die Gesichter der Delegierten, das Wahlergebnis der CDU-Vorsitzenden erreicht kubanisch anmutende Höhen. Angela Merkel beherrscht die CDU - für Diskussionen und Debatten besteht wenig Bedarf auf dem Parteitag.

© dapd Vergrößern Einsam an der Spitze: Angela Merkel regiert die CDU

Einen Scherz hat Angela Merkel in ihre Rede eingebaut, in eine Parteitagsansprache, die sich offenbar zum Ziel gesetzt hatte, die anstehenden Wahlkämpfe in Niedersachsen, auch Bayern und auf jeden Fall im Bund mit den Grundsätzen der Partei zu untermauern. Es war ein Scherz zur Auflockerung, wie das Prediger tun, um ihre Gemeinde bei Laune zu halten. Es war ein Scherz, der - zu Lasten Dritter - bei den Delegierten des CDU-Parteitages gut ankam, des 25. ordentlichen CDU-Parteitages nach der Vereinigung Deutschlands und seiner beiden CDU-Parteien, wie das immer wieder hervorgehoben worden war. Eine Satire-Sendung habe sie im Fernsehen gesehen, rief die Parteivorsitzende.

Günter Bannas Folgen:    

Und sie lebe ja auch nicht auf einem anderen Stern, was wohl bedeuten sollte, sie kenne die Stimmung in der Partei. Und sie habe gedacht, schilderte sie, ja, der Scherzbold des Fernsehens könne womöglich nicht ganz unrecht gehabt haben, der sich offenkundig in die Gedankenwelt eines CDU-Mitgliedes versetzt hatte. „Gott hat die FDP vielleicht nur geschaffen, um uns zu prüfen.“ Da lachten die CDU-Delegierten im Saal ziemlich laut auf und sie klatschten - wahrscheinlich, weil sie sich freuten und das auch so sahen. Die Rednerin mag geahnt haben, dass da noch eine weitere Bemerkung nötig sei, dass die Freunde von der FDP nicht böse würden. „Vielleicht“, so rief sie also, sehe das mancher in der FDP genau andersherum so.

Der CDU-Parteitag in Hannover wählt Bundeskanzlerin Angela Merkel mit fast 98 Prozent wieder zur Vorsitzenden. Artikel.Text Video starten $fazgets_pct
© reuters, Reuters Vergrößern Angela Merkel auf dem Gipfel ihrer Macht

Beinahe acht Minuten sollten die Delegierten am Ende ihrer Rede klatschen, immer wieder, so hieße es in der Theaterwelt, gab es Vorhänge. Kaum hatte die Rednerin gesessen, da hatte sie wieder aufzustehen. Dabei hatten parteiinterne Kritiker vermerkt, im klassischen Sinne sei es keine „gute Rede“ gewesen. Doch die Delegierten und die anderen Fans hatten sich vorgenommen, darüber hinwegzugehen. Sie wollten Beifall spenden, der Wahlkämpfe wegen und des Kampfeswillens wegen: Kampf der SPD, Kampf den Grünen - was hernach daraus werden wird, so sagen die Führungsleute dann auch, entscheide sowieso der Wähler. Also: Ausgeschlossen wurde nichts, was wiederum in den Scherz der Rednerin eingeflossen sein mag. Von einem Denkmalstein in ihrem Wahlkreis auf der Insel Rügen in Mecklenburg-Vorpommern hatte sie gesprochen. Ein Sinnspruch: „Gottes sind Wogen und Wind - aber Segel und Steuer sind Euer.“ Vieles scheint er zu ermöglichen, wenn Anlässe und Umstände stimmen.

FDP-freundlicher Kontext

Im Rahmen des Möglichen versicherte die Bundeskanzlerin, die Koalition mit der FDP fortsetzen zu wollen. CDU, CSU und FDP hätten die „meisten Gemeinsamkeiten“ - was heißen sollte: mehr Gemeinsamkeiten als mit SPD und Grünen. „Die gute Entwicklung ist nicht vom Himmel gefallen“, rief Frau Merkel, nachdem sie vielseitig begründet hatte, weshalb „diese Bundesregierung die erfolgreichste“ seit der Vereinigung Deutschlands, seit 1990 also sei. Sie hatte die Wortwahl schon unlängst im Bundestag, als es um die Lesung ihres Haushaltes gegangen war, benutzt, abermals begründete sie es mit Hinweisen auf Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit und Beschäftigung, auf Ausgaben für Forschung und nun sogar auf die Bundeswehrreform. Keine andere als die christlich-liberale Koalition könne eine solche Arbeit leisten. Ihren Scherz also hatte sie in einen solchen FDP-freundlichen Kontext gesetzt. Was von ihm übrig bleiben wird, wird zu sehen sein.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Generaldebatte im Bundestag Dann muss es auch gut sein

Bei der Aussprache im Bundestag findet Unions-Fraktionschef Kauder klare Worte. Die Kanzlerin preist den Haushalt, und Oppositionsführer Gysi erlaubt sich ein Späßchen. Nur Bildungsministerin Wanka mag nicht lachen. Mehr

10.09.2014, 17:15 Uhr | Politik
Merkel mischt mit

Am 25. Mai wählt Europa das neue Parlament der Europäischen Union. In Bremerhaven unterstützte nun Bundeskanzlerin Angela Merkel den CDU-Spitzenkandidaten David McAllister. Mehr

29.04.2014, 21:16 Uhr | Politik
Asylpolitik Die Flüchtlinge und die Rückkehr der Ideologie

Lange sah es so aus, als habe Angela Merkel die Politik restlos entideologisiert. Bis der Streit über die Asylpolitik losbrach. Davon profitieren vor allem die Grünen. Nun wird der Bundesrat zur Kampfarena. Mehr

19.09.2014, 08:51 Uhr | Politik
Im Schatten der Kanzlerin

David McAllister führt die CDU als nationaler Spitzenkandidat in die Europawahl. Doch der frühere niedersächsische Ministerpräsident ist trotzdem nur die Nummer zwei. An der eigentlichen Spitze des Wahlkampfes steht wie immer Angela Merkel. Mehr

19.05.2014, 12:35 Uhr | Politik
Junge Union Mißfelders Erben

Die Junge Union ist ein Trainingslager. Wie schmiede ich Bündnisse, wie schalte ich Gegner aus? Benedict, der Haudegen, und Kapuzenpullipaul kämpfen um das Amt des Vorsitzenden. Mehr

17.09.2014, 12:12 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.12.2012, 17:33 Uhr