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CDU-Politiker Kurt Biedenkopf : „Ich sorge mich um mein Lebenswerk“

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Sachsens Ministerpräsident a.D. Kurt Biedenkopf bei der Verleihung des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen im August Bild: dpa

Kurt Biedenkopf hat die sächsische CDU nach dem Wahl-Debakel heftig kritisiert. Der ehemalige sächsische Ministerpräsident hält den Landesvorsitzenden Tillich für gescheitert – und spricht über seinen Wunschnachfolger.

          Der CDU-Politiker und frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf hat seiner Partei und ihrem sächsischen Landesvorsitzenden Stanislaw Tillich schlechte Noten ausgestellt. „Die CDU war halt schlecht. Und die AfD zerlegt sich gerade schon wieder. Die CDU hat keine gute Politik gemacht“, sagte der 87 Jahre alte Politiker im Interview mit dem Radiosender Bayern 2. In der Wochenzeitung „Die Zeit“ nannte er Bundesinnenminister Thomas de Maizière als seinen Wunschkandidaten für eine Tillich-Nachfolge.

          Biedenkopf ging in der „Zeit“ hart mit Tillich ins Gericht: „Ich sorge mich um mein Lebenswerk.“ Dem Nachfolger fehle für sein Amt die „Vorbildung“. Tillich sei ursprünglich nicht für den Posten vorgesehen gewesen. „Er hat das nie gelernt.“ Ein Ministerpräsident dürfe nicht scheu sein, wenn es um Entscheidungen gehe, stellte Biedenkopf fest. „Er lebt ein bisschen in einer anderen Welt, ist primär interessiert an Kompromissen.“ Ein Ministerpräsident sei aber etwas anderes als ein Präsident.

          Schwierig, die Leute zurückzugewinnen

          Biedenkopf sieht die Sachsen „mit ihrer Regierung unzufrieden“. „Sie können es nicht vertragen, wenn sie das Gefühl haben, nicht gut regiert zu werden.“ Wenn die Polizeiausstattung fehle, die Sicherheit an den Grenzen nicht funktioniere und Lehrer nicht ausreichten, fühlten sich die Menschen unsicher.

          Es werde schwierig, die Leute zurückzugewinnen, meinte der frühere Regierungschef. „Jetzt an die Bevölkerung zu appellieren, wieder CDU zu wählen, wäre wohl wirkungslos. Da macht man sich lächerlich.“ Tillichs Versuch, nach dem schlechten Bundestagswahlergebnis für die CDU und dem guten Abschneiden der AfD einen Rechtsruck anzustreben, hält Biedenkopf für vergebens. Im Landtag säßen bereits AfD-Abgeordnete. „Wie willst du rechts von denen ankommen? Jetzt ist es zu spät.“

          Als Tillich-Nachfolger wünscht sich Biedenkopf Thomas de Maizière wünschen, der früher in Sachsen mehrere Ministerämter innehatte: „Ich würde mich natürlich freuen, ihn noch einmal in Sachsen zu sehen“. Aber de Maizière habe „eine Bombenstellung“ in Berlin, und „wenn er nicht sich selbst sagt, dass er jetzt über 60 ist und noch mal eine Altersbeschäftigung in Sachsen sucht – dann kommt er auch nicht nach Dresden“. Biedenkopf war von 1990 bis 2002 Regierungschef in Sachsen und holte hier für seine Partei bei Landtagswahlen drei Mal die absolute Mehrheit.

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