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CDU in Nordrhein-Westfalen : Gewagt und gewonnen

Versucht, die Gräben zuzuschütten: Norbert Röttgen Bild: dpa

Wer darf bleiben, wer muss gehen? Der Sieg von Norbert Röttgen wird die CDU in Nordrhein-Westfalen verändern. Was aus Armin Laschet wird, steht in den Sternen. Unterdessen kann sich Oliver Wittke Hoffnungen auf das Amt des Generalsekretärs machen.

          „Wasserstraße“ wird die Zentrale der nordrhein-westfälischen CDU wegen ihrer Adresse in Düsseldorf kurz genannt. Vor einigen Monaten, als die Partei mitten im Landtagswahlkampf weniger mit dem politischen Gegner als mit Intrigen, Durchstechereien und einer Sponsoring-Affäre zu kämpfen hatte, bekam die CDU-Zentrale bei ironiebegabten Parteimitgliedern den Namen „Unterwasserstraße“.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Seit Sonntagabend hat die „Wasserstraße“ nun auch noch einen Wasserstandsmelder: Schon gegen 18 Uhr, die Kreisverbände der Partei haben gerade erst mit der Auszählung der Mitgliederbefragung über den neuen Landesvorsitzenden begonnen, taucht im Foyer der Parteizentrale ein überaus gutgelaunter Oliver Wittke auf. Wittke hat derzeit kein wichtiges Amt, dafür aber zwei Handys. Beinahe jeder Anruf oder jede SMS versetzt ihn am Sonntag in Verzückung. Er ruft dann Dinge wie: „Das ist wirklich scharf.“ Und damit auch der Begriffsstutzigste versteht, was die Stunde geschlagen hat, zählt Wittke noch auf, wo Bundesumweltminister Norbert Röttgen überall vorne liegt. Jeder Kreisverband eine Trophäe.

          Als Verkehrsminister geblitzt worden

          Oliver Wittke galt lange als eines der großen Talente der nordrhein-westfälischen CDU. Einst gelang ihm das Kunststück, im roten Gelsenkirchen Oberbürgermeister zu werden. Allerdings verlor er das Amt nach nur einer Wahlperiode wieder. 2005 machte ihn Jürgen Rüttgers (CDU) zum Verkehrsminister. Doch 2008 musste Wittke zurücktreten, weil er innerorts mit 109 km/h geblitzt worden war.

          Zum zweiten Mal nur „zweiter Sieger”: Armin Laschet

          In diesem Mai gelang es ihm dann nicht mehr, wieder in den Landtag gewählt zu werden. Alle seine Hoffnungen, noch einmal ins landespolitische Geschäft zurückzukehren, ruhen nun auf Röttgen. Anders als die allermeisten der Funktionärsschicht der nordrhein-westfälischen CDU sprach sich der Vorsitzende des Bezirks Ruhr im Ringen um die Rüttgers-Nachfolge früh und klar gegen Armin Laschet und für Röttgen aus. Der umtriebige Schalke-04-Fan Wittke zog im Hintergrund Strippen und fungierte als eine Art Schatten-Generalsekretär für Röttgen.

          Ein Zeichen an die Parteifreunde

          Und tatsächlich kann sich Wittke Hoffnungen machen, das Amt des Generalsekretärs von Röttgen nicht nur aus Dankbarkeit für treue Dienste, sondern auch wegen des Regionalproporzes angetragen zu bekommen. Das Ruhrgebiet ist für die CDU wichtig, dort hat die Partei noch immer den größten Bezirksverband. Seit dem für die Union verheerenden Ausgang der Landtagswahl am 9. Mai aber sitzen nur noch zwei CDU-Abgeordnete aus dem Ruhrgebiet im Landtag. Mit Wittke würde Röttgen also ein Zeichen an die Parteifreunde an der Ruhr senden.

          Über die Personalie Wittke will der Sieger der Mitgliederbefragung freilich am Sonntagabend nicht reden. Wozu auch? Erst auf dem Landesparteitag am Samstag in Bonn, auf dem Röttgen auch satzungsgemäß zum Landesvorsitzenden gewählt werden muss, wird auf Vorschlag des Vorsitzenden bestimmt werden, wer Generalsekretär wird.

          Röttgen hat also noch einige Tage Zeit für Besprechungen. Zumal der „rasende Ollie“ in der CDU durchaus umstritten ist - ihm trauen selbst Parteifreunde so ziemlich alles zu. Einerseits qualifiziert ihn das für den Wadenbeißerposten. Andererseits könnte Wittke Röttgens Anspruch erheblich gefährden, nach der Ära des sogenannten Systems Rüttgers für einen echten Neuanfang zu stehen.

          Ergebnis lässt sich als Misstrauensvotum deuten

          Am Sonntagabend genießt Röttgen erst einmal seinen ganz persönlichen Erfolg. In der „Wasserstraße“ erscheint er an der Hand seiner Frau Ebba Herfs-Röttgen. Schon am Eingang lässt der Bundesumweltminister bereitwillig ein erstes mittelschweres Blitzlichtgewitter über sich ergehen. Mit 54,8 Prozent hat er Laschet in der Mitgliederbefragung klar und deutlich besiegt.

          Erstaunlich ist das Ergebnis schon deshalb, weil sich im Sommer so gut wie alle Kreis- und sechs von acht Bezirksverbänden gegen ihn als neuen Landesvorsitzenden ausgesprochen hatten. Zudem hatte es der frühere Integrationsminister Laschet vermocht, einen Pakt „drei gegen einen“ zu schmieden: Sowohl Generalsekretär Andreas Krautscheid als auch der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Landtag, Karl-Josef Laumann, hatten sich öffentlich für ihn ausgesprochen. Dieses Triumvirat ist nun beschädigt; das Ergebnis lässt sich als Misstrauensvotum deuten.

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