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CDU hat mehr Mitglieder als die SPD Pofalla: „Ein historischer Tag“

28.07.2008 ·  Ende Juni hatte die CDU exakt 801 mehr Mitglieder als die SPD. Für CDU-Generalsekretär Pofalla ist das ein Grund zu frohlocken. Einst hatte die CDU den Ruf einer „Honorationen-Partei“, nun gilt sie als „Mitgliederpartei“. Gleichwohl verzeichnen auch die Christlichen Demokraten rückläufige Zahlen.

Von Günter Bannas, Berlin
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CDU-Generalsekretär Pofalla hat den Montag als einen „historischen Tag“ bezeichnet, weil nun erstmals festgestellt worden sei, die CDU habe mehr Mitglieder als die SPD. Er legte die Mitgliederzahlen vor. Danach hatte die CDU (Stand: 30.Juni 2008) 530.755 Mitglieder; zum gleichen Zeitpunkt hatte die SPD 529.994 Mitglieder.

Seit längerer Zeit hatte sich das schon angekündigt. Zwar verlieren beide Parteien im Saldo an Mitgliedern. Doch der Rückgang bei der SPD ist deutlich größer als der bei der CDU. Seit 1995 haben CDU und CSU mehr Mitglieder als die SPD; seit 2003 hat die CDU mehr Mitglieder als die SPD ohne deren bayerischen Landesverband. Nun ist sie mitgliederstärkste Partei.

„Faible für Quereinsteiger“

Bei der Präsentation der Ergebnisse wurden im Adenauer-Haus Plakate aufgestellt. Eines enthielt den Text „Wir haben einfach Faible für Quereinsteiger“ und zeigte ein Bild Angela Merkels, die 1990 in die CDU eintrat. Das andere zeigte Pofalla (langhaarig, wahrscheinlich eine Zigarette drehend), der 1975 im Alter von 16 Jahren in die CDU eingetreten sei. „Unsere Motive sind vielfältig. Unsere Überzeugung ist einzig“ stand dabei.

Beide Volksparteien verlieren seit Beginn der neunziger Jahre an Mitgliedern. Die CDU hatte damals etwa 750.000, die SPD etwa 920.000 eingetragene Parteimitglieder. In der SPD war seit Jahren registriert worden, dass sie per saldo knapp 2000 Mitglieder im Monat verliere. Während der Auseinandersetzungen über die „Agenda-2010-Gesetze“ waren es noch mehr gewesen; 2003 und 2004 verlor die SPD zusammen etwa 100.000 Mitglieder. 2007 betrug der Rückgang etwa 20.000 Mitglieder; bei der CDU betrug der Verlust etwa 15.000.

Pofalla wies darauf hin, die CDU habe von Juni 2007 bis Juni 2008 etwa 13.600 und in den ersten sechs Monate dieses Jahres etwa 6000 Mitglieder weniger gehabt. Der Saldo sei also kleiner geworden. Er würdigte, es sei im März und April gelungen, dass mehr Mitglieder in die CDU eintraten als austraten; wegen der Sterbefälle sei der Saldo gleichwohl negativ geblieben.

In den anderen vier Monaten des ersten Halbjahres 2008 aber hätten mehr Mitglieder die Partei verlassen als neu eingetreten seien. Politische Gründe hätten eine Rolle gespielt; anderen ehemaligen Mitgliedern sei der Mitgliedsbeitrag zu hoch gewesen. Ohnehin lasse Bindungsfähigkeit großer Organisationen - neben den Parteien nannte Pofalla die Kirchen und die Gewerkschaften - nach. Nach den Daten der Parteien ist die Union in elf der 16 Bundesländer die mitgliederstärkste Partei; nur in Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen und dem Saarland liegt die SPD vorn.

„Trendumkehr im nächsten Jahr“

Beide Parteien können den Austritt von Mitgliedern kaum durch neue Mitglieder wettmachen. Pofalla nannte eine Trendumkehr als Ziel für das nächste Jahr. Die Zahl der Sterbefälle aber kann nach Hinweisen aus beiden Volksparteien nicht noch zusätzlich ausgeglichen werden. Das liegt auch an der Struktur des Altersaufbaus der Parteien. Bei der CDU lag im vergangenen Jahr der Anteil der über 60 Jahre alten Mitgliedern bei 48 Prozent (1990: 29 Prozent); in der SPD war der Anteil dieser Altersgruppe von 26 Prozent (1990) auf 47 Prozent (2007) gestiegen.

Im ersten Halbjahr 2008 traten 9636 Menschen in die CDU ein. Pofalla nannte es positiv, dass mit 46 Prozent fast die Hälfte der neuen Mitglieder unter 40 Jahre alt sei. Von den neuen Mitgliedern sind 15,6 Prozent jünger als 25 Jahre alt, 30 Prozent zwischen 25 und 39 Jahre alt. 38,3 Prozent gehören der Altersgruppe zwischen 40 und 59 an. 16,2 Prozent der neuen Mitglieder sind älter als 60 Jahre alt.

Politisches Engagement erst nach Schule und Studium

Pofalla sagte, die Situation heute könne nicht mit den siebziger Jahren verglichen werden, als zehntausende Jugendliche (Studenten) in die beiden Parteien eingetreten waren. Heute hingegen wollten die Menschen zuerst die Schule und das Studium hinter sich gebracht, den Berufseinstieg geschafft und eine Familie gegründet haben; in diesen Lebensphasen sei die Bereitschaft der Menschen zum politischen Engagement reduziert, sagte Pofalla. Er sei auch froh, dass fast ein Drittel der neuen Mitglieder Frauen seien; derzeit betrage deren Anteil in der Mitgliedschaft etwa ein Viertel.

Kleine Parteien stabil

Die Mitgliederzahlen der kleinen Parteien hingegen sind stabil. Die CSU hat derzeit etwa 167.000 Mitglieder; so viele waren es auch zu Beginn 2007.

Die Linkspartei hatte Ende Juni 74.206 Mitglieder; Ende 2006 hatten die beiden Vorgängerparteien PDS und WASG zusammen noch rund 69 000 Mitglieder. Die FDP hat 65.098 Mitglieder; es gebe in diesem Jahr einen Nettozuwachs von 1020, hieß es. Den Grünen gehörten Ende Juni 44.700 Mitglieder an - 40 mehr als Ende April und 380 mehr als Ende 2007.

Von der „Honorationen-“ zur „Mitglieder-Partei“

Die von Pofalla dargestellte Entwicklung ist auch deswegen bemerkenswert, weil - jedenfalls war das früher so - die SPD mehr als die CDU als „Mitgliederpartei“ galt. Bis in die siebziger Jahre hinein hatte die CDU den Ruf einer „Honorationen-Partei“.

Erst die von Helmut Kohl (zusammen mit den Generalsekretären Biedenkopf und Geißler) eingeleiteten Reformen haben das verändert. Die Reaktion auf die Studentenbewegung hatte auch eine Rolle gespielt. In der SPD wird vor allem der Strukturwandel des Ruhrgebietes als Ursache für die Mitgliederverluste dort genannt. Früher war es selbstverständlich, dass die Arbeiter in Zechen und Stahlwerken der SPD angehörten. Hinzu kommt, dass mit Grünen und Linkspartei zwei Parteien existieren, die früher nicht als Konkurrenten existierten. Überdies hatte die Alterskohorte der zwischen 1935 und 1950 Geborenen jahrelang die Parteiarbeit dominiert.

„Unfähig, sich für junge Menschen attraktiv zu machen“

Beide großen Parteien versuchen seit Jahren mit neuen Modellen der Parteiarbeit, den Trend zu brechen. Dazu gehören Möglichkeiten, Untergliederungen der Partei anzugehören, ohne zugleich der CDU oder der SPD beitreten zu müssen. Doch haben diese Maßnahmen die Entwicklung nicht umgekehrt. Der wachsende „Individualismus“ wird als Begründung aufgeführt. Auch werden andere Ursachen genannt.

Das SPD-Vorstandsmitglied Böhning hatte geäußert, seine Partei leide an Überalterung. Der Politikwissenschaftler Langguth, der früher für die CDU im Bundestag gewesen war, sagte, die Parteien seien „unfähig, sich insbesondere für junge Menschen attraktiv zu machen.“ Die große Koalition führe zudem zu Enttäuschungen in den Parteilagern.

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Jahrgang 1952, Leiter der politischen Redaktion in Berlin.

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