Home
http://www.faz.net/-gpf-78ll9
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

CDU-Generalsekretär Gröhe im Interview „Wer die D-Mark will, ist auf dem Holzweg“

CDU-Generalsekretär Gröhe ist zuversichtlich, die neu entstandene Partei „Alternative für Deutschland“ entzaubern zu können. Im Interview mit der F.A.Z. sagt er, der AfD gehe es „vor allem um Protest, nicht um sachgerechte Lösungen.“

© REUTERS Vergrößern Auf dem Parteitag der „Alternative für Deutschland“ im April in Berlin

Herr Gröhe, ist die Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) für Sie eine reine Anti-Euro-Partei?

Bisher ist die Ablehnung des Euro für die AfD das einzige Thema, das diesen Zusammenschluss trägt und prägt. Ansonsten gibt es programmatische Leerstellen.

Ist die AfD eine rechte oder auch eine konservative Partei?

In vielen europäischen Nachbarstaaten haben wir erlebt, dass sich euroskeptische und europaskeptische Parteien zu rechtspopulistischen Organisationen entwickelt haben. Ich habe zur Kenntnis genommen, dass sich die AfD-Führung um Abgrenzung gegenüber Unterwanderungsversuchen der NPD bemüht. Entscheidend ist für mich aber die inhaltliche Auseinandersetzung. Wer ein Zurück zur D-Mark will, ist auf dem Holzweg. Wir werden die Diskussion hart in der Sache führen, nicht mit Etiketten.

Die maßgeblichen Leute der AfD waren bisher zum Teil jahrzehntelang Mitglieder der CDU. Was bedeutet das für Sie als CDU-Generalsekretär?

Ich bedaure es natürlich, wenn ein Mitglied unsere Partei verlässt. Wir haben aber in allen Fragen der Europapolitik unsere Entscheidungen nach intensiven Debatten mit großer Mehrheit gefällt. Die CDU ist seit ihrer Gründung eine pro-europäische Partei. Wir sind unserer Linie treu geblieben. Das wird so bleiben.

Spielen Ihrer Analyse nach auch andere Themen für die AfD und deren Zustandekommen eine Rolle, zum Beispiel die Politikfelder, in denen die CDU ihren Kurs geändert hat? Ich nenne als Beispiele den Ausstieg aus der Nutzung der Kernkraft oder die Abschaffung der Wehrpflicht?

Bislang kann ich bei der AfD kein richtiges Programm erkennen. Es gibt weder eine Programmdebatte, ja nicht einmal eine innerparteiliche Demokratie in der AfD. Die AfD-Führung fordert bei anderen Parteien Transparenz und offene Debatten. Bei sich selbst beherzigt sie das aber nicht. Hier mischt sich Euroskepsis mit einem allgemeinen Protestverhalten, das manches Ärgernis, wie beispielsweise steigende Strompreise, aufgreift. Mit ihrem Vier-Seiten-Wahlprogramm geht es der AfD vor allem um Protest, nicht um sachgerechte Lösungen.

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe © dpa Vergrößern „Wir werden die Diskussion hart in der Sache führen“: Hermann Gröhe

Wird der konservative Flügel durch die Parteiaustritte hin zur AfD geschwächt?

Nein. Konservatives Denken prägt Tausende unserer CDU-Mitglieder und spielt in unserer Programmatik eine wichtige Rolle. Eine Schwächung durch den Weggang Einzelner ist daher nicht zu erwarten. Wir stehen jetzt vor der Aufgabe, unsere erfolgreiche Europolitik nicht nur gegen die linken Parteien, die eine Vergemeinschaftung von Schulden fordern, sondern auch gegen Gegner des Euros insgesamt zu verteidigen.

Dass die CDU bei der Bundestagswahl durch das Aufkommen der AfD geschwächt werden könnte, erwarten Sie auch nicht?

Erste Studien gehen davon aus, dass die AfD Wähler aus allen politischen Richtungen gewinnen könnte - nicht zuletzt von der politischen Linken und aus dem Bereich der Nichtwähler. Grundsätzlich gehe ich, bei aller Zuversicht, von einem recht knappen Rennen bei der Bundestagswahl aus. Da nehme ich alles ernst, was außer uns auf dem Stimmzettel steht. Hauptgegner aber sind die nach links gerückten Sozialdemokraten und Grünen.

Werden Sie die AfD auf andere Weise bekämpfen müssen als die Piratenpartei?

Der Anfangserfolg der Piratenpartei speiste sich aus dem Ruf nach mehr Transparenz. Das galt es ernst zu nehmen - in der Schlichtheit der Antworten aber auch zu entzaubern. Das wird auch bei der AfD gelingen.

Mehr zum Thema

Das Gespräch führte Günter Bannas.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Pädophilie-Vorwürfe Die Grünen müssen den Tätern ein Gesicht geben

Die Berliner Grünen haben bis Mitte der neunziger Jahre pädophile Mitglieder in ihren Reihen geduldet. Frauke Homann, einstige Sozialarbeiterin in Berlin-Kreuzberg, spricht über das Netzwerk der Pädophilen, über Vertuschung und die Fehler der Grünen. Mehr Von Christian Füller

20.05.2015, 18:20 Uhr | Politik
Flüssiggas Eine Alternative zu Pipelines

Flüssiggas wäre eine Möglichkeit, um die die Abhängigkeit Deutschlands vom Erdgas zu mindern. In großen Seeschiffen könnte es aus Amerika oder Saudi-Arabien kommen. Aber sind unsere Seehäfen für die Annahme des Gases ausgelegt. Mehr

04.03.2015, 13:51 Uhr | Wirtschaft
Alternative für Deutschland Rückschlag für Petry im Führungsstreit

Die AfD-Ko-Vorsitzende Frauke Petry wollte Mitglieder, die sich dem Weckruf von Bernd Lucke angeschlossen haben, aus der Partei ausschließen. Damit ist sie nun gescheitert. Mehr

26.05.2015, 12:55 Uhr | Politik
Großbritannien Cameron gibt Gas im Wahlkampf-Endspurt

Bei den Parlamentswahlen am 7. Mai in Großbritannien zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden großen Parteien, den konservativen Tories und der Labour-Party, ab. Zum Ende des Wahlkampfes, so scheint es, läuft Premierminister David Cameron zu Hochtouren auf. Mehr

05.05.2015, 11:13 Uhr | Politik
Parteiensysteme in Europa Überwiegend unruhig

Es gibt viel Bewegung in Europas Parteiensystemen: Linksruck in Spanien, Rechtsruck in Frankreich. Vor allem populistische Parteien profitieren von der Unruhe. Die Stabilität der deutschen Wähler sticht heraus. Mehr Von Klaus-Dieter Frankenberger

31.05.2015, 11:14 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 23.04.2013, 10:01 Uhr

Energiepolitik für Reiche

Von Andreas Mihm

Bei der deutschen Energiewende türmen sich die Probleme. Das wissen auch Merkels Gäste beim G-7-Gipfel. Niemand folgt unserem Weg des Doppelausstiegs aus Atomenergie und Kohle. Warum also ist Deutschland mit so großem Engagement dabei? Mehr 38 17