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Castor-Transport Das große Rollen

Durch Nordrhein-Westfalen könnten bald Castoren von Jülich nach Ahaus transportiert werden. Doch die rot-grüne Landesregierung will, dass die 300.000 Brennelementekugeln bleiben, wo sie sind.

© dpa Vergrößern Rundes im Runden: in Jülich

Als Ende November ein Zug mit hochradioaktivem Müll nach Gorleben rollte, hieß es, dies sei der vorerst letzte Castor-Transport in Deutschland. Schon bald aber könnte es quer durch Nordrhein-Westfalen zu weiteren Transporten kommen - mit allen bekannten Nebenwirkungen. Möglicherweise müssen nämlich rund 300.000 hochradioaktive Brennelementekugeln aus dem Forschungszentrum Jülich bei Aachen in das Zwischenlager Ahaus im Münsterland transportiert werden. Atomkraftgegner drohen für diesen Fall mit „wendländischen Verhältnissen“ in Nordrhein-Westfalen.

Die rot-grüne Landesregierung ist derweil bemüht, die Verantwortung für den Transport auf den Bund abzuwälzen und politisches Kapital aus der Angelegenheit zu schlagen. Die Bundesregierung und Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) trügen die Verantwortung „für riskante und umstrittene Castor-Transporte durch unser Land“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme der drei Landesminister für Umwelt, Wirtschaft und Wissenschaft. Für den noch um Profil bemühten jungen Landesvorsitzenden der Grünen, Sven Lehmann, ist Röttgen sogar schon „das Gesicht dieser Transporte“.

Auslaufende Genehmigung

Ganz so einfach ist die Geschichte von den Atomkugeln aus Jülich allerdings nicht. Weil es in der Bundesrepublik noch immer kein Endlager für hochradioaktive Abfälle gibt, verwahrt das Jülicher Forschungszentrum die Brennelementekugeln des 1988 stillgelegten Hochtemperaturreaktors auf seinem Gelände. Die Genehmigung für dieses Zwischenlager läuft Ende Juli 2013 aus. Schon im November 2008 beschloss der Aufsichtsrat deshalb, die Brennelemente in das Zwischenlager Ahaus bringen zu lassen. In seiner jüngsten Sitzung am 30. November befasste sich das von der Bundesregierung dominierte Gremium mit einem Antrag der nordrhein-westfälischen Landesregierung, die Atomkugeln so lange in Jülich zu belassen, bis ein geeignetes Endlager gefunden ist.

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Dafür müsste das Jülicher Zwischenlager aber entweder modernisiert oder sogar neu gebaut werden. Bis zum Ablauf der Frist im Juli 2013 dürfte dies kaum gelingen, weshalb Bundesumweltminister Röttgen vor einem „genehmigungsfreien Zustand“ warnt und zur Retourkutsche gegen die rot-grüne Landesregierung ausholt: „Das Land Nordrhein-Westfalen ist in der Pflicht. Die Landesregierung muss Farbe bekennen, ob sie wirklich ein zusätzliches atomares Zwischenlager in Nordrhein-Westfalen akzeptieren will.“ Gegen einen Neubau in Jülich spricht, dass in Ahaus noch ausreichend Stellplätze für die 152 Castoren aus Jülich vorhanden sind und das Personal sich mit ebendiesem Behältertyp gut auskennt. In Ahaus lagern ebenfalls Brennelemente aus dem stillgelegten Hochtemperaturreaktor in Hamm-Uentrop, die in den neunziger Jahren dorthin transportiert worden waren.

„Kein Konzept“

Auch die FDP, auf deren Antrag sich der nordrhein-westfälische Landtag am vergangenen Donnerstag in einer Aktuellen Stunde mit dem Thema befasste, greift Rot-Grün scharf an. Der Minderheitsregierung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sei seit langem bekannt, dass die Zwischenlagergenehmigung für Jülich bis Mitte 2013 befristet sei. „Dennoch haben SPD und Grüne kein Konzept für den Verbleib der Brennelemente vorgelegt“, sagt der energiepolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Dietmar Brockes. Stattdessen helfe eine Partei der Regierungskoalition sogar, die Proteste gegen den Transport zu organisieren.

Tatsächlich widmen sich die Grünen ihrem Identifikationsthema Nummer eins mit bellizistischer Rhetorik: „Grüne sagen überflüssigen Atommülltransporten Kampf an“, lautet die Überschrift des Protestaufrufs auf der Internetseite der Partei. Gleich daneben kann man eine Bustour zu einer Anti-Atom-Demonstration am 18. Dezember in Ahaus buchen. „Wie bereits bei der sogenannten Atomkugelaffäre schüren die Grünen Ängste und Empörung, statt sich als verantwortungsvolle Regierungspartei für die größtmögliche Sicherheit der in Jülich eingelagerten Brennelemente einzusetzen“, sagt FDP-Fraktionssprecher Brockes.

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