Die besten Reiseschnäppchen und die günstigsten Flüge ans Urlaubsziel und zurück haben für Eltern schulpflichtiger Kinder einen entscheidenden Fehler: Sie fallen nicht in die Schulferienzeit des jeweiligen Heimatlandes. Und weil das viele ärgert, setzen sie sich darüber hinweg und verlängern die Ferien ihrer Kinder eigenmächtig. In den vergangenen Wochen häufen sich wieder die Berichte von Kindern, die zwei oder drei Tage vor Ferienbeginn kurz vor dem Abflug in die Ferien oder bei ihrer verspäteten Rückkehr von Polizeibeamten aufgegriffen werden - so die Töchter eines italienischen Gebrauchtwagenhändlers, die am letzten Schultag in der Abflughalle des Stuttgarter Flughafens von der Polizei verhört wurden.
Der Italiener wollte ehrlich sein und hatte zwei Tage vor Schuljahresende eine Entschuldigung geschrieben, dass die jüngere Tochter mit der älteren fliege und die Mutter das Zeugnis hole. Der Schulleiter der Grundschule, der den verführten Aufbruch in die Ferien untersagt hatte, benachrichtigte die Polizei, als das Mädchen am letzten Schultag nicht erschien.
Rechtlich ist die Sache eindeutig: Wer als Erziehungsberechtigter die Ferien seiner Kinder nach eigenem Geschmack verändert, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Werden die Eltern erwischt, müssen sie mit einem Bußgeld rechnen, das in Bremen bei 35 Euro pro Fehltag liegt, in Düsseldorf bei 80 Euro. 87 Ferienverlängerungen gab es in Hamburg im vergangenen Jahr, über zwanzig in Bremen im vergangenen Schuljahr.
Mehr Krankmeldungen vor Klausuren
Manche Schulleiter erreichen sogar ominöse Faxe ohne Absenderausgabe, die im Ferienort mit Faxnummerunterdrückung abgeschickt, eine Erkrankung der Kinder mitteilen. Wenn Kinder dann wenige Tage später tief gebräunt und rundum erholt in der Schule auftauchen, fliegt der Schwindel ohnehin auf. Aufmerksamen Lehrern und Schulleitern, aber auch genau beobachtenden Schulsekretärinnen entgehen derlei theatralische Einlagen in der Regel nicht.
Allein in Hessen werden pro Jahr etwa 300 bis 400 Verfahren gegen Eltern oder volljährige Schüler wegen unentschuldigten Fehlens, Schulschwänzens oder anderer Versäumnisse eingeleitet. Viele Eltern stellen keine Anträge mehr auf Sonderbeurlaubung, sondern melden ihre Kinder einfach krank. Es gibt schon jetzt Schulen, die in Rundschreiben rechtzeitig vor den Ferien darauf hinweisen, dass eine Erkrankung am ersten oder letzten Schultag mit einem ärztlichen Attest entschuldigt werden muss und diese Hinweise auch von den Eltern unterschreiben lassen.
Die Krankmeldungen, so berichten Lehrer und Schulleiter, häufen sich inzwischen auch vor Klausuren in der Oberstufe. Steht Mittwochs eine schwierige Mathematikklausur bevor, steigt die Anzahl der Krankmeldungen am Dienstag, um sich Freiraum zum Lernen zu verschaffen. Eltern sind in der Regel großzügig mit solchen Krankschreibungen und es liegt in der Hand der Schule, wie strikt sie damit umgeht. Es gibt durchaus Gymnasien, die Listen mit Krankmeldungen führen und sie mit dem Klausurplan vergleichen.
Attest oder Untersuchung beim Amtsarzt
Wer zweimal hintereinander unmittelbar vor einer Klausur krankgemeldet ist, wird vom Schulleiter aufgefordert, ein Attest einzureichen. Bestehen weiterhin Zweifel an der Erkrankung, kann auch eine Untersuchung beim Amtsarzt erzwungen werden. Spätestens dann wird es für Eltern auf dem flachen Land unangenehm. Sie müssen nämlich dafür in die nächste Kreisstadt fahren. Unter den Mitschülern sind solche Strategien, sich zusätzliche Lernzeit zu erschummeln, keineswegs beliebt. Wer seiner Schulpflicht nachkommt und seine Lernzeit anders organisiert, fühlt sich dann nicht selten als der Dumme.
Ob den Kindern ein Urlaub außerhalb der Schulferien genehmigt werden soll, wenn der berufstätige Vater nur zu dieser Zeit in Ferien fahren kann, beurteilen Schulleiter unterschiedlich. Die einen genehmigen solche Sonderwünsche, wenn eine Bescheinigung des Arbeitgebers vorliegt, andere wehren sich dagegen.
Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus, rechnet vor, dass ein Schuljahr aus etwa 14 Ferienwochen und 38 Schulwochen bestehe. Es sei nicht hinzunehmen, dass die Klassen an etwa 24 Tagen vor oder nach den Ferien nicht komplett seien, weil einzelne Schüler sich zusätzliche Ferientage erschummelten. Von sogenannten Jokertagen, wie sie in anderen Ländern üblich sind (in Schweden bis zu zehn pro Schuljahr, in Graubünden drei) hält Kraus überhaupt nichts. Angesichts der Schulzeitverkürzung müsse das Unterrichtsvolumen gesichert werden, das sei vorrangig, die Schulzeit dürfe nicht immer weiter ausfransen, so Kraus.
Kein richtiger Unterricht vor Zeugnisausgabe
Dafür sorgen manche Schulen allerdings selbst: wenn die Schüler den Eindruck gewinnen, dass in den letzten zehn Tagen vor Schuljahresende nur noch Filme gezeigt werden und die Unterrichtszeit mit allerlei gruppendynamischen Mätzchen mühsam herumgebracht wird, stärkt das die Bereitschaft, die Ferienzeit eigenmächtig zu verlängern. Es gibt Lehrer, die in den letzten Schultagen während der Unterrichtszeit mit ihrer Klasse Eis essen gehen oder Würstchen spendieren. Das bringt die Schüler in Ferienstimmung und schafft böses Blut unter den Kollegen. Denn die Schüler halten solche Verköstigungen schnell für selbstverständlich und fordern sie von Kollegen auch ein.
Hinzu kommt, dass manche Schulen den sogenannten Notenschluss (Eintrag der Zeugnisnoten in Listen) so früh vor Schuljahresende festsetzen, dass bis zu drei Wochen vor der Zeugnisausgabe kein ernstzunehmender Unterricht mehr stattfindet. Für die Zeugnis- und Lehrerkonferenzen, für die Entscheidungen über Klassenwiederholungen und das Zeugnisschreiben braucht eine Schule etwa zehn Tage. Nichts spräche also dagegen, erst dann die endgültigen Noten in die Listen einzutragen und den Zeitpunkt des Notenschlusses nicht öffentlich zu machen.
Es soll Eltern gegeben haben, die gegen eine mündliche Leistungserhebung nach Notenschluss protestiert haben. Doch die ist immer möglich, prinzipiell bis zum letzten Schultag. So sehr die Schulen die Verantwortung für laxe Vorurlaubsstimmung tragen, gilt das auch für den Schuljahresbeginn. Verläuft er schleppend und mit Verzögerungen, werden Schüler dazu verleitet, den Unterricht gar nicht erst ernstzunehmen. Ob der eigenmächtigen Verlängerung von Schulferien Einhalt geboten werden kann, liegt nicht nur bei den Eltern, sondern auch bei den Schulen selbst.
Meine Kleine Kindergartenfee kann schon lesen, rechnen,
Ernst Roberts (LetsLoveLongLife)
- 21.08.2012, 00:44 Uhr
Herr Krause
Michael Scheffler (Striesner)
- 20.08.2012, 15:16 Uhr
Diktatur???
Angelo Krause (freeleo)
- 20.08.2012, 15:08 Uhr
Auf dem Weg in die Diktatur
Michael Scheffler (Striesner)
- 20.08.2012, 14:24 Uhr
Mich würden ein paar Statistiken zu diesem Thema interessieren.
Roland Wagner (Eurofighter77)
- 20.08.2012, 13:59 Uhr