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Bushido Der Johnny Fontane von Berlin

 ·  Bushido ist der bekannteste Rapper Deutschlands. Er erhielt Auszeichnungen, hospitierte im Bundestag. Doch wie er zu diesem Land wirklich steht, ist unklar. Fragen zu seiner Beziehung mit der palästinensisch-libanesischen Abou-Chaker-Familie.

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Es ist an der Zeit, Bushido zu gratulieren. Er gilt als der bekannteste Rapper Deutschlands. Er hat seine Autobiographie veröffentlicht und in einem Film über sein Leben die Hauptrolle gespielt. Bernd Eichinger hat den Film produziert, Moritz Bleibtreu mitgespielt. Bedeutende Männer im deutschen Filmgeschäft. Dann hat Bushido auch noch den Bambi-Integrationspreis bekommen. Und nicht zuletzt war er Praktikant im Bundestag bei dem bis dahin eher unbekannten CDU-Abgeordneten Christian von Stetten. Horst Seehofer hat mit Bushido in die Fotokameras gelächelt. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hat ihm die Hand auf die Schulter gelegt. Eine freundschaftliche Geste. Das ist die eine Seite von Bushido. Es gibt noch eine andere - und die hat ihn erst so richtig berühmt gemacht und all das andere ermöglicht.

Denn ein einfacher Rapper ist noch lange kein Superstar. Dafür braucht es mehr. Bushido schreibt in seiner Biographie: „Ich denke oft darüber nach, warum ich derjenige bin, der angehimmelt wird, und nicht mein dämlicher Nachbar . . . Ich habe aber keine Erklärung gefunden. Es ist ein Phänomen.“ Wie soll man dieses Phänomen nennen? Der „Stern“ bezeichnete Bushido vor einigen Wochen als einen „Frank Sinatra in Jogginghosen“. In der Story ging es um Bushido und seine Verbindungen zu der palästinensisch-libanesischen Abou-Chaker-Familie. Das Magazin schrieb, dass Bushido dem Familienoberhaupt Arafat eine Generalvollmacht gegeben habe. Boshaft könnte man sagen: Damit ist Bushido zum Spielzeug der Abou-Chaker-Familie geworden. Ein Schoßhund.

Alles wie in Hollywood, nur kleiner

Aber zugleich ist diese Verbindung der Erfolgsgarant von Bushido. Der, so scheint es, hat einfach nachgemacht, was schon mal geklappt hat. In Mario Puzos Buch „Der Pate“, der berühmten Geschichte um Don Corleone, kümmert sich die italienische Mafia um die Angelegenheiten von Schnulzensänger Johnny Fontane. Der Pferdekopf im Bett eines Filmproduzenten - wer kennt die Szene nicht? Bushido ist sozusagen der Johnny Fontane unserer Zeit - nur dass alles ein paar Nummern kleiner ist. Um es in der Filmsprache auszudrücken: Johnny Fontane war Hollywood, Bushido ist Berlin.

Bushido hat auch jemanden, der seine Angelegenheiten regelt. Zwar nicht die italienische Mafia, aber immerhin die Abou-Chaker-Familie. Darauf ist er stolz. Er beschreibt ganz ungeniert in seiner Biographie, wie „La Famiglia“ für ihn da war. Bushido nennt Arafat Abou-Chaker einen „der mächtigsten und berüchtigsten Männer Berlins“. Und Bushido schreibt: „Endlich hatte ich meine richtige Familie gefunden . . . Natürlich reden wir hier vom Mafia-Prinzip, klar, La Famiglia, aber warum sollte ich woanders hingehen, wenn ich weiß, dass es mir dort gutgeht?“

Gewalt, Sex, Macht - das funktioniert

Und es geht ihm gut. Denn so funktioniert das Geschäft. Dicke Autos, dicke Knarren, dicke Geldbündel, hübsche Frauen. Davon träumen pubertierende Jungs, vor allem solche, die in unserer Wissensgesellschaft keine Chance haben. Bushido hat ihnen vermeintlich einen Weg gezeigt. Ihnen gesagt: Ich war ein Versager und habe es geschafft. Du kannst das auch schaffen. Du kannst alles und jede haben. Auch bei manchen Intellektuellen und Bürgerlichen funktionieren solche Versprechen und vor allem die Kombination aus Gewalt, Sex und Macht - wie ein Ausklappbild in einem Schmuddelheft.

Das Buch, in dem Bushido so offen und selbstverliebt über das Mafia-Prinzip daherredet, ist übrigens von 2008. Zwei Jahre später erschien ein Buch der Jugendrichterin Kirsten Heisig. Sie schrieb darin unter anderen: „Es gibt zudem in Deutschland zugewanderte Menschen, die nie vorhatten, sich einzufügen, sondern schon immer in einer parallelen, in einigen Fällen rein kriminell ausgerichteten Struktur gelebt haben.“ Dann folgt ein Kapitel über „libanesische“ Großfamilien. Es ist ein aufschlussreiches Kapitel, das beschreibt, wie diese Familien organisiert sind. „Eine Großfamilie bringt es ohne Probleme auf Hunderte polizeiliche Ermittlungsverfahren“, steht dort. Und: „Was gegenwärtig geschieht, ist, wie in so vielen Bereichen, blankes Wegsehen und Herumlavieren.“

Den Integrations-Bambi erhielt Bushido erst 2011, und die Fotos mit Innenminister Friedrich entstanden noch mal ein Jahr später. Und auch Bushidos Bundestagspraktikum war erst im vergangenen Jahr. Also alles nach Bushidos Buch und auch nach Heisigs Buch. Ist das blankes Wegsehen oder kalkulierte Aufregung? Auch so funktioniert Showbusiness - und mitunter Politik: Man braucht Schlagzeilen. Am 11. September soll ein neues Buch von Bushido erscheinen, unter seinem bürgerlichen Namen Anis Mohamed Youssef Ferchichi. Der Titel lautet: „Auch wir sind Deutschland: Ohne uns geht nicht. Ohne euch auch nicht.“ Im Film sagt der junge Bushido übrigens: „Ich scheiß auf eure Gesellschaft.“

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