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Ost und West : Bundeszentralenchef beklagt „kulturellen Kolonialismus“ durch Westdeutsche

  • Aktualisiert am

Kuppel des Reichstags in Berlin: „Der Anteil der Ostdeutschen und ihre Identität werden häufig überlagert“, kritisiert Bundeszentralen-Chef Krüger Bild: dpa

„Dominanz der Westdeutschen“: 27 Jahre nach der Wiedervereinigung seien Ost und West mitnichten auf Augenhöhe, kritisiert der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger.

          Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, hat eine Westdominanz in den sogenannten Eliten kritisiert. „Auch wenn es auf den ersten Blick mit Angela Merkel als Kanzlerin und dem ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck anders aussieht: In der Fläche wird die Dominanz der Westdeutschen in den Eliten immer noch als kultureller Kolonialismus erlebt“, sagte Krüger der „Berliner Zeitung“ (Mittwochausgabe). Dies sei „ein Problem“. Denn „der Anteil der Ostdeutschen und ihre Identität werden dabei häufig überlagert“, fügte Krüger hinzu.

          Der ehemalige Bürgerrechtler gestand ein, dass bei Ost- und Westdeutschen „unterschiedliche Erfahrungen und kulturelle Praktiken“ aufeinander prallen. Deshalb müsse man viel reden, forderte er.

          Studien zufolge sind Ostdeutsche sowohl in den gesamtdeutschen wie in den ostdeutschen Funktionseliten unterrepräsentiert. So stellen sie etwa in den neuen Ländern nur rund 13 Prozent der Richter. Der Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche in Dresden und langjährige Präsident der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, sprach sich in der Zeitung für eine „gewisse Quotierung“ von Menschen mit ostdeutscher Herkunft etwa im öffentlichen Dienst ähnlich wie bei der Frauenquote aus. Für Eliten sei nicht nur Fachkenntnis, sondern auch Kontextwissen über die jeweilige Region wichtig. „Das kann im Osten nur von Ostdeutschen geliefert werden.“

          Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte der Zeitung, bei gleicher Qualifikation sollte darauf geachtet werden, dass Ostdeutsche eine faire Chance erhielten. Zugleich setzt der SPD-Politiker „weiter darauf, dass vor allem in den großen ostdeutschen Städten langsam eine neue Mischung entsteht, sodass die Frage, woher einer kommt, an Bedeutung verliert“.

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