28.08.2010 · In der Diskussion um die Aussetzung der Wehrpflicht geht es inzwischen auch sehr stark um den Zivildienst. Während Familienministerin Schröder ihre Pläne für einen freiwilligen Zivildienst bekräftigt, präsentieren andere Vorschläge für den Ausbau des Freiwilligen Sozialen Jahrs.
Von Christiane Hoffmann, Cornelia von Wrangel und Eckart Lohse, Berlin/FrankfurtDie Diskussion über eine Beendigung oder Aussetzung der Wehrpflicht sorgt weiter für Streit in der Union, führt aber vor allem zu einer intensiven Debatte über die Einführung anderer Dienstpflichten. Der CSU-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär im Finanzministerium Hartmut Koschyk sprach sich für eine allgemeine Dienstpflicht aus. Koschyk sagte dieser Zeitung, man dürfe nicht nur über die Wehrpflicht diskutieren: „Für eine allgemeine Dienstpflicht gibt es in der CSU eine breite Sympathie.“
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) ist der Ansicht, dass die Größe der Bundeswehr und die angemessene Wehrform zwar nur verteidigungspolitisch begründet werden könnten. Doch habe die Entscheidung „natürlich erhebliche Auswirkungen auf den Zivildienst“, sagte die Ministerin dieser Zeitung. Sie regte die Einrichtung eines freiwilligen Zivildienstes an, den auch ältere Männer und Frauen, etwa nach dem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben, leisten könnten. Für den Fall, dass die Wehrpflicht bloß ausgesetzt würde (und mithin wieder aktiviert werden könnte), so müsse dieses auch für den Zivildienst gelten, sagte Frau Schröder.
Das Freiwillige Soziale Jahr nicht „verschulen“
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) verteidigte seine Reformpläne, die eine Aussetzung der Wehrpflicht vorsehen. „Wenn heute schon jeder sagen kann: Wenn ich nicht zum Bund will, gehe ich da auch nicht hin, dann haben wir de facto schon jetzt eine Freiwilligen-Armee“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) wandte sich gegen ein Ende der Wehrpflicht. Sie sei auch unter sich verändernden Vorzeichen prinzipiell richtig, sagte Carstensen bei einer Rekrutenvereidigung in Plön.
Der Deutsche Philologenverband hat unterdessen vorgeschlagen, Zivildienstleistende oder Teilnehmer an einem freiwilligen sozialen Jahr in Schulen als „Bildungsmentoren“ einzusetzen. Dabei stellt sich die Lehrerorganisation vor, dass sich die jungen Leute über sechs Jahre hinweg ein paar Stunden in der Woche um ein bis drei Schüler kümmern. Der Bundesvorsitzende Heinz-Peter Meidinger erhofft sich so einen Beitrag dazu, die Schere zwischen sozialer Herkunft und einem guten Schulabschluss zu schließen. Kindern aus bildungsfernen Schichten und ihren Eltern fehle oft Unterstützung, sagte er dieser Zeitung. Diese Defizite könne die Schule allein nicht ausgleichen. Meidinger kann sich vorstellen, dass die Tätigkeit bei der Aufnahme in entsprechende Studiengänge und bei der Einstellung als Lehrer oder Erzieher berücksichtigt werde.
In diese Richtung denkt die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) auch beim Medizinstudium. Nach ihrer Ansicht eignet sich die Teilnahme an einem sozialen Jahr neben dem Numerus Clausus auch als Kriterium für die Zulassung zum Medizinstudium. Die Erfahrungen aus einem solchen Dienst in die Beurteilung von angehenden Medizinstudenten einfließen zu lassen, sei sinnvoll und für beide Seiten interessant, sagte HRK-Präsidentin Margret Wintermantel dieser Zeitung. Studienanwärter mit einem nicht so guten Abiturdurchschnitt erhielten dadurch auch eine Chance und die Universitäten zusätzliche Hinweise auf die Eignung des Studienbewerbers. Manche Universitäten handhabten dies auch schon so, fügte die Präsidentin hinzu.
Eine solche Anerkennung beurteilt auch der Bundesarbeitskreis Freiwilliges Soziales Jahr positiv. Schon jetzt wird auf Wunsch des Teilnehmers ein qualifiziertes Zeugnis ausgestellt. Allerdings dürfe das freiwillige soziale Jahre nicht „verschult“ werden, sagte ein Sprecher.
Christiane Hoffmann Jahrgang 1967, politische Korrespondentin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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Cornelia von Wrangel Jahrgang 1951, redaktionelle Koordination der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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Eckart Lohse Jahrgang 1963, Leiter des Büros der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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