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Bundeswehr : Unerwartet viele Freiwillige

Die Erwartungen des Verteidigungsministers wurden weit übertroffen: Mehr als 10.000 freiwillige Wehrdienstleistende sind seit einem halben Jahr in der Bundeswehr. Bild: dpa

Nach holprigem Start geht es voran mit der Rekrutierung von Soldaten für die Bundeswehr. Die befürchtete Not nach dem Wegfall von Wehr- und Zivildienst ist nicht eingetreten.

          In dieser Woche haben rund 2850 junge Menschen ihren Wehrdienst in der Bundeswehr angetreten. Sie dienen freiwillig - daher sind auch 170 Frauen dabei - für bis zu 23 Monate in der neuen Dienstform, die vor einem halben Jahr die Wehrpflicht abgelöst hat. Insgesamt sind nun mehr als 10.000 freiwillige Wehrdienstleistende seit einem halben Jahr in der Bundeswehr. Mindestens 5000 hatte sich Verteidigungsminister de Maizière (CDU) vorgenommen, als er das neue Konzept verkündet hat. Er hat sich die Latte damit aus guten Gründen niedrig gelegt; aber immerhin, die Bundeswehr hat sie deutlich übersprungen. Bis zu 15.000 dürften es nach den Vorgaben des Ministers werden, doch in dieser Größenordnung rechnet er offenbar selbst nicht damit. Im Haushalt sind Mittel für 12.500 Stellen eingeplant.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Auch der Zivildienst, der als Ersatzdienst gemeinsam mit der Wehrpflicht sein Ende gefunden hatte, hat einen Nachfolger. Der Bundesfreiwilligendienst hat eine weitaus bessere Anfangsbilanz, als viele ihm prophezeit hatten. Zum 1. Januar 2012 gebe es schon jetzt 1400 neue Anträge, sagt der Leiter des Arbeitsstabes Freiwilligendienste im Familienministerium, Kreuter. Nach den bisherigen Erfahrungen dürften das noch mehr werden. In den letzten Monaten sei immer „eine ganze Anzahl“ von Verträgen rückwirkend eingegangen; offensichtlich entschieden sich viele sehr kurzfristig für den Dienst, sagt Kreuter. „Insgesamt haben wir mehr als 30.000 Verträge gesehen.“ Ministerin Schröder (CDU) hat hier die Zielmarke von 35.000 gesetzt, und alles spricht dafür, dass das Ziel im Laufe dieses Jahres auch erreicht wird.

          Keine „Rohrkrepierer“

          Auch wenn es für eine seriöse Leistungsbilanz zu früh ist, lässt sich mithin nach einem halben Jahr sagen, dass die beiden Freiwilligenformate angenommen werden. Sie sind nicht die „Rohrkrepierer“, die im Juli 2011 von Kommentatoren und der politischen Opposition diagnostiziert worden sind. Freilich war der Start holprig. Die ersten Wehrdienstleistenden konnten quasi vom Minister per Handschlag begrüßt werden, und beim zivilen Freiwilligendienst hakte es noch mehr.

          Der Grund liegt auf der Hand. Erst im letzten Moment war auch nur eine Rechtsgrundlage für sie geschaffen worden, damit nach dem Ausscheiden der letzten Wehrpflichtigen ohne Lücke eine Anschlussmöglichkeit vorhanden war. Es gab keine Überlappung, von einer längeren Vorbereitungszeit, wie sie für eine solche Reform nötig wäre, ganz zu schweigen.

          Beim zivilen Bundesfreiwilligendienst kam zweierlei erschwerend hinzu. Zum einen gibt es für junge Leute, die sich hier engagieren wollen, weiterhin die von den Bundesländern verantworteten und verwalteten Jugenddienste „Freiwilliges Soziales Jahr“ (FSJ) und „Freiwilliges Ökologisches Jahr“ (FÖJ). Solange die Rahmenbedingungen für den Bundesdienst unklar waren, strebte die Mehrzahl der Bewerber daher dorthin. Zumal es zunächst vorgesehen war, dass die Vergütung beim Bundesdienst mit dem Kindergeld verrechnet würde. Auch die Träger wollten Plätze vor allem über die bewährten Jugenddienste anbieten.

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