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Bundeswehr Soldaten fühlen sich im Stich gelassen

26.04.2007 ·  Der Bundeswehrverband hat Ergebnisse einer Umfrage präsentiert, die eine „verheerend“ geringe Motivation in der Truppe offenbaren: Jeder zweite Berufssoldat würde sich nicht wieder für seinen Beruf entscheiden.

Von Stephan Löwenstein
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Während Verteidigungsminister Jung (CDU) am Donnerstag im nordrhein-westfälischen Augustdorf bei einem feierlichen Gelöbnis an den Einzug der ersten Wehrpflichtigen in die Bundeswehr vor 50 Jahren gedachte, hat der Bundeswehrverband Ergebnisse einer Umfrage präsentiert, die eine „verheerend“ geringe Motivation in der Truppe offenbaren.

Jeder zweite Berufssoldat würde sich demnach nicht wieder für seinen Beruf entscheiden. Drei von vier würden ihren Kindern davon abraten, Soldaten zu werden. Mehr als 98 Prozent der Berufssoldaten fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Eine Mehrzahl bemängelt die Ausrüstung bei Auslandseinsätzen.

Grundwehrdienst als „positive Erfahrung“

Eine bemerkenswerte Diskrepanz offenbart die Umfrage zwischen Grundwehrdienstleistenden und Berufssoldaten. Während letztere sich wie beschrieben beklagten, gaben von den Wehrpflichtigen und Freiwillig Längerdienenden (FWDL) 68,4 Prozent an, sie hielten den Grundwehrdienst „für eine positive Erfahrung“.

Nur 7,8 Prozent sagten, sie hätten „keine positive Erfahrung“ gemacht, 23,5 Prozent sagten „teils, teils“. Allerdings hatten sich relativ wenige Soldaten aus diesem Segment an der Umfrage beteiligt.

Nach Angaben des Bundeswehrverbandes hatten sich insgesamt 45.000 Personen, etwa ein Viertel seiner 210.000 Mitglieder, an der Umfrage beteiligt. Davon waren etwa 30 Prozent Berufssoldaten, ebenso viele Ehemalige, 20 Prozent Zeitsoldaten, zehn Prozent Reservisten; der Anteil der Wehrpflichtigen und Freiwillig Längerdienenden lag bei 1,5 und 0,9 Prozent.

„Berufssoldaten sind negative Multiplikatoren“

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, Gertz, kommentierte die „markantesten“ Ergebnisse der Studie, die von dem Passauer Politikwissenschaftler Strohmeier erstellt wurde: Dass sich nur 3,9 Prozent der Teilnehmer und sogar nur 1,8 Prozent der Berufssoldaten von der Politik unterstützt fühlten, sei zwar nur ein subjektives Bild, „aber ein ziemlich verheerendes“, sagte Gertz.

Nur 9,7 Prozent der Berufssoldaten glaubten, dass es der Bundeswehr künftig gelingen wird, den qualifizierten Nachwuchs im notwendigen Umfang zu gewinnen. 73,7 Prozent der befragten Berufssoldaten würden ihnen nahestehenden Personen, zum Beispiel ihren Kindern, den Dienst in den Streitkräften nicht empfehlen. „Drei Viertel aller Berufssoldaten sind negative Multiplikatoren. Bei anderen Unternehmen würde man das nie so weit kommen lassen“, sagte Gertz.

Gemeinschaftsverpflegung schneidet gut ab

Andere Antworten ergeben ein differenziertes Bild. So beurteilen etwa 40 Prozent der Berufssoldaten die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten als „sehr gut“ oder „gut“, ebenso viele als „mittelmäßig“ und etwa 19 Prozent als „sehr schlecht“ oder „schlecht“. Insgesamt ist die Zufriedenheit mit dem Dienst bei 38 Prozent sehr groß oder groß, bei 16 Prozent sehr gering oder gering; bei 45 Prozent mittelmäßig.

Bei Zeitsoldaten ergibt sich ein ähnliches Bild. In der Gesamtumfrage - also einschließlich der Ehemaligen - ist die Zufriedenheit noch höher (48 Prozent „sehr groß“ oder „groß“, 11 Prozent „sehr gering“ oder „gering“). Bemerkenswert gut schneidet die Gemeinschaftsverpflegung ab, die jedem Zweiten gut und nur jedem zehnten schlecht schmeckt. Die Integration von Frauen wird - von beiden Geschlechtern in ähnlichem Maße - überwiegend als zufriedenstellend bewertet.

„Schönrederei und Verharmlosung“

Gertz führte die Klagen auf die „massive Unterfinanzierung bei Personal, Betrieb und Investitionen“ zurück. Im „Verteilungskampf“ mit Baustellen wie Sozialpolitik müsse die „Großbaustelle Bundeswehr“ angemessen berücksichtigt werden. Der Verteidigungsminister sicherte dem Verband zu, sich „das im Einzelnen“ anzuschauen. Er forderte aber auch Unterstützung „im politischen Bereich“: „Wir können nicht immer mehr Aufgaben erfüllen.“

Die Opposition sprach von einem „miserablen Zeugnis für die politische Führung“ (Nachtwei, Grüne) und „überkommenen Strukturen (Homburger, FDP). „Schönrederei und Verharmlosung verbieten sich“, sagte Frau Homburger. Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Siebert, gab hingegen kund: „Ich bin optimistisch, dass wir mit den eingeleiteten Maßnahmen die Probleme der Bundeswehr konsequent angehen.“

Jung sprach in Augustdorf im Lipperland, wo anlässlich der ersten Einberufung Wehrdienstleistender in die Bundeswehr vor 50 Jahren tausend Rekruten ihr feierliches Gelöbnis ablegten. „Sie halten den Grundbetrieb der Bundeswehr im Inland am Laufen“, lobte Jung die Grundwehrdienstleistenden. Gerade eine „Armee im Einsatz“ sei darauf angewiesen.

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Jahrgang 1968, politischer Korrespondent in Berlin.

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