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Bundeswehr Die Rückkehr des Eisernen Kreuzes?

06.03.2008 ·  Bundeswehrsoldaten, die sich - zum Beispiel in Afghanistan - durch „außergewöhnlich tapfere Taten“ hervorgetan haben, sollen künftig besondere Ehrenzeichen erhalten. Das hat Bundespräsident Köhler grundsätzlich gebilligt. Es sei aber nicht geplant, die Tradition des Eisernen Kreuzes wiederaufleben zu lassen, lässt Verteidigungsminister Jung verlauten.

Von Stephan Löwenstein
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Vor 195 Jahren, datiert auf den 10. März 1813, hat König Friedrich Wilhelm III. eine unerhört neue Kriegsauszeichnung gestiftet. Das Eiserne Kreuz war das erste Ehrenzeichen, das in Deutschland unabhängig von Rang und Stand verliehen wurde. Es war damit eng verbunden mit den (vorerst nicht erfüllten) demokratischen und nationalen Hoffnungen der Befreiungskriege gegen Napoleon. In den folgenden Kriegen Deutschlands wurde es von den jeweiligen Herrschern neu gestiftet, 1870 vom späteren Kaiser Wilhelm I., 1914 von Wilhelm II; schließlich 1939 von Adolf Hitler, allerdings missbraucht, mit einem Hakenkreuz in der Mitte. Weil diese Variante zum Kostümbestand jedes Films gehört, der in der Hitlerzeit spielt, ist das der sinnentstellende Zusammenhang, in den das Eiserne Kreuz meist gestellt wird.

Dass das nicht sein muss, daran hat jetzt der Präsident des Reservistenverbandes, Ernst-Reinhard Beck, erinnert. Da die Bundeswehr in gefährlichen Einsätzen stehe, solle man doch erwägen, eine Auszeichnung für besondere Tapferkeit zu verleihen, schlug der CDU-Bundestagsabgeordnete auf einer Veranstaltung seines Verbandes am Dienstagabend vor. Man solle das „unverkrampft“ sehen: Warum nicht die Form des Eisernen Kreuzes aufgreifen? Zwar seien damit auch entsetzliche Unrechttaten der Wehrmacht verbunden, doch reiche die Tradition weit darüber hinaus. Sie sei „eher Schwarz-Rot-Gold als Schwarz-Weiß-Rot“.

„Ein Zeichen der Hoffnung“

Und schließlich trügen alle Schiffe, Fahr- und Flugzeuge der Bundeswehr wegen dieser ehrwürdigen Tradition das Symbol des Eisernen Kreuzes als Hoheitszeichen. „Das Eiserne Kreuz ist in den Krisenregionen der Welt zu einem Zeichen der Hoffnung, der Hilfe und der Solidarität geworden, für das wir uns keinesfalls schämen müssen.“ Übrigens hat sich kürzlich ganz ähnlich Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan auf einer Veranstaltung mit dem Zentralrat der Juden geäußert, vor einem sensiblen Publikum also, ohne Widerspruch zu erfahren.

Verteidigungsminister Jung (CDU) griff Becks Anregung auf und versprach, dem Bundespräsidenten, dem die Verleihung von Orden und Ehrenzeichen obliegt, eine Medaille für besondere Tapferkeit vorzuschlagen. Bundespräsident Horst Köhler hat dieses Vorhaben nun grundsätzlich gebilligt. Bisher gebe es drei Stufen dieser Auszeichnung. Auch von diesen solle es Sonderausführungen für besonders herausragende Einzelleistungen geben. Jung muss nun auch formell den Antrag für das Änderungsverfahren für die neuen Auszeichnungen stellen.

Vom Eisernen Kreuz sprach Jung bisher nicht - wohl auch, weil Deutschland sich nicht im Kriegszustand befindet. Ein Sprecher seines Ministeriums sagte am Donnerstag, es gehe um eine Neuauszeichnung. Zu keinem Zeitpunkt sei daran gedacht worden, das Eiserne Kreuz wieder aufleben zu lassen. Wie der Orden aussehen könne, sei weiter offen. Es gehe auch nicht um eine Auszeichnung für Tapferkeit im Krieg, weil die Bundeswehr nicht im Krieg sei.

Angesichts der Einsatzwirklichkeit wird im Bendlerblock aber schon seit einiger Zeit darüber nachgedacht, eine Tapferkeitsauszeichnung einzuführen. Der Petitionsausschuss des Bundestages hat eine ähnlichlautende Eingabe, die immerhin von mehr als 5000 Unterzeichnern unterstützt wird, mit wohlwollender Prüfungsempfehlung weitergegeben.

Eine weitere Stufe des Ehrenkreuzes

Die Auszeichnungen der Bundeswehr sind bisher eng mit der Dienstdauer verknüpft, werden also auch für dauerhaft tüchtigen Papierkrieg am Schreibtisch verliehen: Die Ehrenmedaille (ab 7 Monaten Dienstzeit), das Ehrenkreuz in Bronze (ab 5 Dienstjahren), in Silber (ab 10 Dienstjahren) und in Gold (ab 20 Dienstjahren). Außerdem erhält jeder Soldat nach mindestens 30 Tagen Auslandseinsatz eine Einsatzmedaille.

Um die erwartbaren Reflexe zu vermeiden, könnte eine Lösung lauten, nicht das Eiserne Kreuz zu stiften, sondern eine weitere Stufe des in der Bundeswehr bewährten Ehrenkreuzes. Zum Beispiel in Eisen.

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Jahrgang 1968, politischer Korrespondent in Berlin.

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