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Bundestagwahlkampf : Die Parteien gehen dahin, wo es wehtut

Wo geht’s hier zum Wähler? Angela Merkel informiert sich auf der Cebit über Cloud-Computing. Bild: AFP

Die Parteien bereiten sich auf einen harten Wahlkampf vor. Geführt wird er dort, wo die Wähler sind: im Netz. Inklusive Social Bots und Falschmeldungen. Doch nicht jede Werbung zahlt sich aus.

          Es war nur zehn Tage vor der Bundestagswahl, als der Kanzler etwas tat, was er noch nie getan hatte. Am 17. September 1998 chattete Helmut Kohl im Konrad-Adenauer-Haus in Bonn mit Nutzern im Internet. Die CDU hatte dafür eigens einen Server am Knotenpunkt der Telekom in Frankfurt am Main gemietet. Für Kohl tippten zwei Sekretärinnen die Antworten in den Computer. Die Surfer, wie die Internet-Nutzer damals hießen, hatten die Fragen zuvor auf die Homepage der CDU gestellt.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Einige Teilnehmer nutzten damals die Anonymität der Datenautobahn, um sich hinter Pseudonymen wie „Ismir Übel“, „Gabi Stimmvieh“ oder „N.Örgel“ zu verstecken. Und ein anonymer Kritiker des Kanzlers stellte gar keine Frage, sondern machte seinem Unmut über Kohls Versprechen nach der Wiedervereinigung mit den Worten Luft: „Blühende Landschaften? Hahhhaaa Hahhaaaa.“

          Parteien müssen auf Veränderungen reagieren

          Ganz neu ist der digitale Wahlkampf also nicht – wenn auch die ersten Versuche heute putzig anmuten. War Kohls Chat ein symbolischer Akt, um die Modernität der damals schon 16 Jahre regierenden CDU unter Beweis zu stellen, so ist heute Wahlkampf ohne die sozialen Medien nicht mehr vorstellbar. Soziale Netzwerke spielten zwar schon bei der vorletzten Wahl vor acht Jahren eine Rolle. Damals hießen sie StudiVZ oder MeinVZ oder „Wer kennt wen?“. Diese Internet-Seiten haben ihre Bedeutung längst verloren.

          Heute wandelt sich das Netz noch schneller – und die Wahlkämpfer schauen mehr denn je darauf. „Wir beobachten genau, welche neuen Trends es auf den Plattformen gibt. Facebook hat sich beispielsweise erst 2009 in Deutschland durchgesetzt. Darauf müssen Parteien im Wahlkampf dann immer reagieren“, sagt Stephan Hennewig, der im Konrad-Adenauer-Haus als Bereichsleiter Kampagne und Marketing den Wahlkampf der CDU steuert. Im letzten Wahlkampf 2013 sei die Werbung in den sozialen Medien schon breiter gestreut gewesen, doch stritten vor allem Profis miteinander.

          Wahlkampf wird „härter, schneller und schmutziger“

          Das hat sich grundlegend geändert. Die sozialen Medien werden heute von Millionen Deutschen zur politischen Information und Meinungsäußerung genutzt. Die Auseinandersetzung ist damit dichter, schneller und oft wilder geworden. Auch das kalkulieren die Wahlkampfstrategen in den Parteizentralen ein. „Dieser Wahlkampf wird härter, schneller und schmutziger als die Wahlkämpfe zuvor. Die Erregungskurven werden noch einmal steigen, und dabei spielt das Netz eine wichtige Rolle“, sagt Robert Heinrich, der Wahlkampfmanager der Grünen.

          Die SPD sieht das genauso. Es werde im Netz einen harten, polarisierten Wahlkampf geben, befeuert nicht zuletzt von der AfD. „Ein scharfer Wind wird uns von ganz rechts auch über die sozialen Medien entgegenwehen“, sagt Tobias Nehren, Leiter der Digitalkampagne beim SPD-Parteivorstand. Die Partei müsse ihre Positionen und Haltung deshalb „um so klarer formulieren und zugespitzt kommunizieren“.

          Parteien müssen auf allen Kanälen präsent sein

          Die CDU will das nicht ganz so dramatisch sehen. In Zeiten der Unsicherheit hielten sich die Bürger auch gern an das Bewährte, sprich an Angela Merkel. Aber dass es rauher zugehen wird als 2013, darauf stellt sich die Partei der Kanzlerin auch für die Auseinandersetzung im Netz ein. Die Linkspartei sieht, ähnlich wie die AfD, den Vorteil des Netzes nicht zuletzt darin, dass sie ihre Anhänger ansprechen kann, ohne auf die etablierten Medien angewiesen zu sein. „Die sozialen Medien sind für uns wichtig, weil wir über sie ohne den Filter der anderen Medien kommunizieren können“, sagt Thomas Lohmeier, der im Karl-Liebknecht-Haus für Medien und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

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