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Studie nach der Wahl : Etablierten Parteien laufen die bürgerlichen Wähler weg

  • Aktualisiert am

Abgeräumt: Wahlplakate in Berlin Bild: dpa

Die etablierten Parteien haben bei der Bundestagswahl laut einer Studie nicht nur am rechten Rand Wähler verloren, sondern auch massiv in der bürgerlichen Mitte. Die Wählerschaft ist demnach gespalten in Befürworter und Skeptiker der Modernisierung – und dort punktet die AfD.

          Die etablierten Parteien erreichen laut einer Untersuchung in sozial schwächeren Milieus immer weniger Wähler, verlieren aber auch in der bürgerlichen Mitte an Rückhalt. Die rechtspopulistische AfD konnte dagegen bei der Bundestagswahl stark in diesen Wählerschichten punkten, wie eine am Freitag von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichte Studie ergab. Viele AfD-Wähler stehen demnach der Modernisierung skeptisch gegenüber.

          Im sozial prekären Milieu kam die AfD laut der Untersuchung auf 28 Prozent aller Wählerstimmen. Zudem lag demnach die geschätzte Wahlbeteiligung in diesem Bereich nur bei etwa 58 Prozent und damit fast 20 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der gesamten Wahlbeteiligung. Fast zwei Drittel (63 Prozent) aller Wahlberechtigten in diesem Milieu hätten also entweder gar nicht, die AfD oder eine sonstige Partei gewählt.

          „In keinem anderen Milieu ist der Erosionsprozess der etablierten Parteien und die Dominanz der Nicht- und Protestwähler soweit fortgeschritten wie im prekären Milieu“, erklärte Studienautorin Klaudia Wegschaider. In der bürgerlichen Mitte macht die AfD der Bertelsmann-Stiftung zufolge vor allem der Union Konkurrenz. In diesem Milieu erreichte die Partei demnach 20 Prozent aller Stimmen, womit sie im Vergleich zur vorherigen Bundestagswahl vor vier Jahren um rund 15 Prozentpunkte zulegte. Die Union sackte dagegen um 15 Prozentpunkte auf 37 Prozent ab. „Die etablierten Parteien verlieren in der bürgerlichen Mitte deutlich an Terrain", erklärte Stiftungsexperte Robert Vehrkamp.

          Die Bundestagswahl zeigte laut der Studie auch, dass die Wählerschaft in Skeptiker und Befürworter der Modernisierung gespalten ist und sich dies auch im Wahlverhalten niederschlägt. Rund zwei Drittel (65 Prozent) aller AfD-Wähler kommen demnach aus Milieus, die eher modernisierungsskeptisch sind. Die AfD sei also ganz überwiegend von Menschen gewählt worden, „die der sozialen und kulturellen Modernisierung zumindest skeptisch gegenüberstehen“, erklärte Studienautor Vehrkamp. Die AfD hat damit nach Einschätzung der Stiftung im Parteienspektrum ein „Alleinstellungsmerkmal". Denn die Wähler aller anderen im neuen Bundestag vertretenen Parteien gehörten mehrheitlich einem Milieu der Modernisierungsbefürworter an. Dies gilt demnach für 52 Prozent der Unionswähler und für 56 Prozent der SPD-Wähler. Bei der FDP liegt der Anteil bei 59 Prozent, bei der Linken bei 62 Prozent und bei den Grünen sogar bei 72 Prozent.

          Bei der Bundestagswahl am 24. September war die AfD mit 12,6 Prozent der Stimmen erstmals in den Bundestag eingezogen. Die bisherigen Koalitionspartner CDU/CSU und SPD verloren dagegen dramatisch an Zustimmung. Die Sozialdemokraten kündigten deshalb an, in die Opposition zu gehen. Praktisch ist damit nur noch eine Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen möglich.

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