http://www.faz.net/-gpf-7bvcm

Bundestagspräsident lässt prüfen : Plagiatsvorwurf gegen Lammert

  • Aktualisiert am

Bundestagspräsident Norbert Lammert ist von der Qualität seiner Arbeit überzeugt Bild: dpa

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die Uni Bochum gebeten, den Plagiatsvorwurf im Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit zu prüfen. Ein anonymer Blogger hatte verdächtige Passagen dokumentiert.

          Bundestagspräsident Norbert Lammert lässt seine Doktorarbeit wegen Plagiatsvorwürfen untersuchen. Er habe die Universität Bochum gebeten, die Vorwürfe zu prüfen, sagte der CDU-Politiker der Zeitung „Die Welt“ (Dienstagausgabe) laut einer Vorabmeldung.

          Unter dem Pseudonym des Plagiatsjägers der zurückgetretenen Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) wird ihm im Internet vorgeworfen, auf 42 Seiten seien Textpassagen aus 21 Quellen mit Unregelmäßigkeiten zu finden.

          Lammert sagte dazu der „Welt“: „Ich habe meine Doktorarbeit nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt.“ Der Deutschen Presse-Agentur ließ er auf Anfrage zu seiner Dissertation außerdem mitteilen, er sei „von ihrer wissenschaftlichen Qualität überzeugt“.

          Unter dem Pseudonym „Robert Schmidt“ heißt es auf der Internetseite lammertplag.wordpress.com: „Einen erheblichen Teil der als verwendet angegebenen Literatur hat er ganz offenbar nicht gelesen; dies wird insbesondere anhand der Übernahme zahlreicher charakteristischer Fehler aus der Sekundärliteratur deutlich.“ Der Netzaktivist bejahte die Frage der „Welt“, ob er damit ausdrücklich den schweren Vorwurf verbinde, Lammert habe plagiiert.

          Lammert hatte die Dissertation mit dem Titel „Lokale Organisationsstrukturen innerparteilicher Willensbildung - Fallstudie am Beispiel eines CDU-Kreisverbandes im Ruhrgebiet“ im Jahr 1974 an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Ruhruniversität Bochum eingereicht, 1976 wurde sie veröffentlicht. Lammert wurde 1975 zum Dr. rer. soc. promoviert.

          Der unbekannte Autor schreibt, die Untersuchung sei nach dem Erreichen von gut einem Drittel der Seiten des Hauptteils abgebrochen worden. Eine vollständige Dokumentation sei wegen des hohen Zeitaufwands nicht möglich. Zweck der Internet-Veröffentlichung sei es, sowohl die Universität Bochum als auch die Öffentlichkeit zu informieren.

          Plagiatsvorwürfe haben bereits eine ganze Reihe von Politikern zu Fall gebracht. Zu den bekanntesten zählen der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Silvana Koch-Mehrin (FDP), und Schavan. Allen wurde der Doktortitel entzogen. Während Koch-Mehrins Klage dagegen erfolglos blieb, ist Schavans Verfahren noch nicht endgültig entschieden.

          Weitere Themen

          Alice im Wunderland

          AfD-Spendenaffäre : Alice im Wunderland

          Am Bodensee liegt der Kreisverband der AfD-Politikerin Weidel. Auf dessen Konto gingen auf einmal beachtliche Spenden ein: erst 130.000 Euro, dann nochmal 150.000. Erstaunlich war auch, wie die Partei damit umging.

          Trump besucht Waldbrandgebiete in Kalifornien Video-Seite öffnen

          71 Tote, Tausende Vermisste : Trump besucht Waldbrandgebiete in Kalifornien

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hat in Kalifornien die von verheerenden Waldbränden betroffenen Gebiete besucht. Dort kamen mindestens 71 Menschen ums Leben, mehr als tausend weitere werden vermisst. Seine Meinung zum Klimawandel ändere sich dadurch aber nicht, so Trump auf eine Nachfrage eines Reporters.

          Topmeldungen

          Bundeswehr : Zehn Millionen Deutsche sind nun Veteranen

          Verteidigungsministerium und militärische Verbände legen einen jahrelangen Streit bei. Die Grünen sprechen von Herummogelei – und die Linken von einem Verklärungsversuch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.