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Veröffentlicht: 24.11.2014, 17:07 Uhr

Bundestag Der Büroleiter, das unbekannte Wesen

Im Politikbetrieb der Hauptstadt agieren sie im Hintergrund. Eine Studie hat nun erstmals das Rollenverständnis und die Arbeitsweise der Büroleiter der 631 Bundestagsabgeordneten untersucht. Ein Ergebnis: Sie sind fast wichtiger als ihre Chefs.

von
© Gyarmaty, Jens Arbeitsplatz Bundestag

Sie stehen im Schatten des Berliner Politikbetriebs, ihre Arbeitsplatzbeschreibung klingt wenig spannend nach Terminkalender, Organisation und Papierkram. Doch die meisten Büroleiter der Bundestagsabgeordneten sehen ihre Rolle in der zweiten Reihe des Parlaments offenbar anders.

Thomas Holl Folgen:

Eine Studie gibt nun erstmals Einblick in das Rollenverständnis und die Arbeitsweise jener Politikzuarbeiter, die sich als rechte Hand und linke Gehirnhälfte ihrer Abgeordneten verstehen.

In Zusammenarbeit mit der privaten Quadriga Hochschule Berlin, die Führungskräfte für das Management in Wirtschaft und Politik ausbildet, hat das „center of political economy and society berlin (copes)“ 177 Büroleiter von Bundestagsabgeordneten anonym befragt.

40 Prozent dieser 131 Büroleiter arbeiten für einen CDU-Abgeordneten, vier Prozent für einen Parlamentarier der CSU. 31 Prozent gaben an, das Büro eines SPD-Abgeordneten zu leiten. Für einen Grünen-Abgeordneten arbeiten sechs, für einen Parlamentarier der Linkspartei fünf Prozent. 46 der 177 befragten Büroleiter wollten keine Angaben zu der Parteizugehörigkeit ihrer Vorgesetzten machen.

Dabei schreiben sich die meisten Befragten selbst einen großen Einfluss im Politikbetrieb der Hauptstadt zu. 59 Prozent geben an, dass ein Gesetzentwurf ihres Bundestagsabgeordneten immer auch ihre eigene Handschrift trage. 53 Prozent der befragten Büroleiter, von denen 131 alle Fragen vollständig beantworteten, sagten, dass sie „viel“ oder „sehr viel“ Einfluss auf die inhaltliche Arbeit ihres Abgeordneten nähmen.

Für 57 Prozent zählt die „inhaltliche Arbeit“, also das Setzen und Erkennen der für ihren Abgeordneten relevanten politischen Themen zum zweitwichtigsten Aspekt der eigenen Tätigkeit. 40 Prozent gaben an, dass sie ihre maßgebliche Rolle im Entwickeln politischer Strategien sehen. In der Alltagsarbeit wird von 71 Prozent „Koordination und Überblick“ als wichtigste Aufgabe genannt.

Qualitätsmedien als wichtigste Informationsquellen

Die besten fachlichen Informationen für ihre inhaltliche Arbeit beziehen 67 Prozent der Befragten nach eigenen Angaben aus den „allgemeinen Medien“, 94 Prozent nutzen Websites von Zeitungen und Magazinen. Weitaus weniger zur Informationsbeschaffung nutzen die engsten Mitarbeiter der Bundestagsabgeordneten soziale Netzwerke wie Facebook (53 Prozent), Blogs (33 Prozent) und den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter (22 Prozent).

Veröffentlichungen und Pressemitteilungen von Unternehmen sind laut Studie jedoch fast irrelevant für die inhaltliche Arbeit der Büroleiter. Sie werden nur von zwei Prozent als wichtige Informationen genutzt.

Bei der Vertrauenswürdigkeit der genutzten Quellen liegen Qualitätsmedien wie F.A.Z, Süddeutsche Zeitung, ARD, ZDF, Zeit, Spiegel oder Handelsblatt weit vorne. Ihnen vertrauen 65 Prozent der befragten Büroleiter. Auch Informationen von Wissenschaftseinrichtungen wird großes Vertrauen geschenkt.

Als Informationsquellen deutlich weniger vertraut wird Unternehmen, Verbänden, Nichtregierungs-Organisationen und Gewerkschaften. Das Vertrauen in die Absender hängt allerdings auch von der Parteizugehörigkeit ab. Während 46 Prozent der SPD-Büroleiter Gewerkschaften als vertrauenswürdig einstufen, tun dies nur vier Prozent der Unions-Büroleiter.

Quelle: wahlrecht.de
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