http://www.faz.net/-gpf-8jns6

F.A.S.-exklusiv : Bundesregierung erwog Einsatz der Bundeswehr in München

  • Aktualisiert am

Mitglieder eines Sondereinsatzkommandos sichern am Samstag den Tatort rund um das Münchner Einkaufszentrum ab. Bild: AP

Gegenüber der F.A.S. erklärt Verteidigungsministerin von der Leyen, dass sich nach dem Amoklauf in München eine Feldjäger-Einheit der Bundeswehr in Bereitschaft befunden habe. Kanzlerin und Innenminister loben derweil das Vorgehen der Sicherheitskräfte.

          Während des Amoklaufs in München ist nach Angaben von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ein Einsatz der Bundeswehr im Inland erwogen worden. „Solange das Ausmaß des Anschlages am Freitag nicht klar war, war eine Feldjäger-Einheit der Bundeswehr in München in Bereitschaft versetzt“, sagte von der Leyen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

          Über einen möglichen Einsatz hätten die zuständigen Polizeibehörden zu entscheiden, fügte von der Leyen hinzu. „Sie beobachten die Entwicklung einer Terrorlage und wissen genau, wann die eigenen Kräfte an ihre Grenzen kommen oder spezielle Fähigkeiten gefragt sind, über die nur die Bundeswehr verfügt.“

          In der Münchner Fußgängerzone schiebt am Samstagmorgen ein Mann sein Fahrrad an einem Polizeiwagen vorbei. Weniger Menschen als sonst sind am Tag nach der Schreckensnacht mit zehn Toten in der Stadt unterwegs. Bilderstrecke

          Bei dem Amoklauf in München am Freitag hatte ein 18 Jahre alter Mann neun Menschen erschossen, bevor er sich selbst tötete. Zunächst war nicht klar gewesen, ob es sich bei der Tat um einen Terroranschlag handelte. Ein möglicher Einsatz der Bundeswehr im Innern ist umstritten.

          In ihren Äußerungen am Samstagnachmittag loben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Innenminister Thomas de Maizière (CDU) die Polizei für ihr gut koordiniertes Vorgehen. „Sie waren und sind im besten Sinne Helfer und Beschützer der Bürgerinnen und Bürger“, sagte Merkel. Der Innenminister berichtete, für die Sicherheitsbehörden soll der Täter ein unbeschriebenes Blatt gewesen sein. Deswegen habe es auch keine staatsschutzrelevanten Informationen gegeben. „Und es gibt auch keine Erkenntnisse der Nachrichtendienste über diese Person.“ De Maizière bestätigte, dass der Deutsch-Iraner nach bisherigen Informationen „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ als Einzeltäter gehandelt habe.

          Die Zusammenarbeit der Behörden Bayerns und des Bundes habe „eng und nahtlos“ funktioniert, sagte die Kanzlerin am Samstagnachmittag. Nun gehe es darum, die Morde vollständig aufzuklären. Deutschland trauere „mit schwerem Herzen um die, die nie mehr zu ihren Familien zurückkehren werden“, sagte Merkel. Sie sagte an die Adresse der Angehörigen: „Wir denken an Sie, wir teilen Ihren Schmerz, wir leiden mit Ihnen.“

          Die Tat sei umso schwerer zu verkraften, als sie in eine Zeit der Schreckensnachrichten falle – vor gut einer Woche der Terrorangriff von Nizza, wenig später „der unfassbar grausame Axtangriff in einem Zug bei Würzburg“.

          Merkel erinnerte aber auch an viele Gesten der Hilfe in München. „Sie haben damit gezeigt, wie wir in einer freien und mitmenschlichen Gesellschaft zusammenleben.“ In dieser Freiheit und Mitmenschlichkeit „liegt unsere Stärke“, betonte die Kanzlerin. Es sei angesichts vieler Beileidsbekundungen aus anderen Ländern „gut zu wissen, dass es auch unter Völkern diese Solidarität gibt“.

          Weitere Themen

          Der Zeitdruck wächst Video-Seite öffnen

          Brexit-Gespräche : Der Zeitdruck wächst

          Die 27 EU-Regierungen und Großbritannien gingen am Mittwoch in Brüssel ohne Einigung auseinander. EU-Chefunterhändler Barnier sagte: "Wir brauchen viel mehr Zeit."

          Topmeldungen

          Grüne als zweitstärkste Kraft : Al-Wazir als Bouffiers Nachfolger?

          Die Umfragewerte kurz vor der Wahl in Hessen kündigen eine politische Sensation an. Denn wo CDU in den Prognosen an Stimmen verliert, könnten die Grünen am Ende triumphieren.

          Gesperrte ICE-Strecke : Grübeln über das Lebensmodell

          Die ICE-Schnellstrecke Köln-Frankfurt ist nach dem Brand eines Zuges gesperrt. Das stellt auch das Arbeitsmodell vieler Berufspendler infrage. Was sie erleben, was ihnen durch den Kopf geht. Vier Betroffene erzählen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.