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Bundespräsident Gauck zum 20. Juli : „Von diesem moralischen Erbe zehrt unser Land“

Verneigung vor den Attentätern: Bundespräsident Gauck am Denkmal für die Männer des 20. Juli im Bendler-Block Bild: AP

Zum Gedenken an den 70. Jahrestag des Attentats auf Hitler hat Bundespräsident Joachim Gauck im Bendler-Block gesprochen. Er wertet den Widerstand als Quelle der Legitimation für die Bundesrepublik.

          „In der Zeit, als unser Land Europa mit Krieg und Leid überzog, schien ein Licht der Hoffnung und des Anstands auf“, hat Bundespräsident Joachim Gauck am Sonntag zum Gedenken an den 70. Jahrestag des Attentats auf Hitler gesagt. Gauck sprach im Bendler-Block, dem heutigen Verteidigungsministerium.

          Günter Bannas

          Leiter der politischen Redaktion in Berlin.

          Obwohl Hitler den Anschlag überlebte, widersprach Gauck der These vom gescheiterten Attentat. „Denn der 20. Juli und all die anderen Versuche des Widerstands gegen Hitler und das NS-Regime haben nicht nur eine faktische Bedeutung, sondern sehr klar eine moralische und bei genauer Betrachtung natürlich auch eine politische.“ Aus diesem Erbe auch des militärischen Widerstands gegen Hitler habe die Bundesrepublik „Legitimation“ schöpfen können. Gauck sagte: „Und es ist dieses Erbe, das mich heute auch befähigt zu sagen: ,Ich bin stolz auf eine Bundeswehr, die sich nicht auf obrigkeitstaatliche Traditionen beruft, sondern auf Widerstand gegen das Unrecht.‘ Von diesem moralischen Erbe zehrt unser Land bis heute.“ Allerdings habe es einige Zeit gedauert, bis dieses Erbe „in der Mitte der Gesellschaft“ angenommen worden sei. Lange Zeit seien die Männer um Claus Graf Schenk von Stauffenberg als „Verräter“ diffamiert worden. Und lange Zeit seien die Familien der Verschwörer „ausgegrenzt und auch materiell benachteiligt“ worden.

          Gauck zitierte aus dem Entwurf einer Regierungserklärung, der im Umfeld Stauffenbergs ausgearbeitet worden war. „Erste Aufgabe ist die Wiederherstellung der vollkommenen Majestät des Rechts“. Als den „leuchtendsten Ausdruck der Überzeugungen“ der Attentäter bezeichnete Gauck einen anderen Satz aus dem Entwurf: „Die zerbrochene Freiheit des Geistes, des Gewissens, des Glaubens und der Meinung wird wieder hergestellt.“ Gauck stellte den 70. Jahrestag des Attentats auf Hitler in ein Verhältnis zum 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkrieges, zur „blinden Kriegseuphorie“ in den Hauptstädten des Kontinents. Der 20. Juli hingegen erinnere an Anderes: „Mutig zu unseren Werten zu stehen. Uns nicht mitschuldig zu machen, wenn anderen Unrecht geschieht.“

          „Was kann ich tun?“

          Gauck versicherte, in der Bundesrepublik Deutschland werde dem gesamten Widerstand gegen das Nazi-Regime ein ehrendes Gedenken bewahrt. Den kommunistischen Widerstand schloss er namentlich ein. Gauck sagte: „Ob jemand als Christ, als Sozialist oder als Angehöriger des Militärs handelte, es war die Opposition gegen Hitler und ein mörderisches Regime, die den Kreisauer Kreis, die Weiße Rose, die Rote Kapelle, die bekennende Kirche, aber auch all die einzelnen, wie Georg Elser und die unbekannt Gebliebenen miteinander verband.“

          Gauck mahnte: „Wir, die heute Lebenden, sollten nicht beim Staunen über deren mutige Taten stehenbleiben.“ Nur mit einer Frage könnten sie geehrt werden: „Was kann ich tun, um fähig und bereit zu sein zu einem Leben in Verantwortung für dieses Land und seine Demokratie?“ Nach der Rede Gaucks gab es eine Kranzniederlegung auf dem Ehrenfriedhof des Bendler-Blocks, am Nachmittag eine Feierstunde in der Gedenkstätte Plötzensee und am Abend dann ein feierliches Gelöbnis von Bundeswehrsoldaten.

          Quelle: F.A.Z.

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