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Bundeskriminalamt warnt „Phishing ist der Bankraub des digitalen Zeitalters“

08.10.2009 ·  Nachlässige Nutzer und kompetente Kriminelle: Nach Einschätzung von BKA-Präsident Ziercke nimmt die Kriminalität im Internet zu. Mehr Sicherheit verspricht man sich von der Einführung des elektronischen Personalausweises.

Von Peter Carstens, Berlin
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Die Kriminalität im Internet nimmt nach Einschätzung von BKA-Präsident Ziercke zu. Gründe dafür seien die Nachlässigkeit der Nutzer und das wachsende Interesse von Kriminellen am Internet. Ziercke sagte in Berlin, seit 2004 sei die Zahl der Fälle, in denen das Internet als „Tatmittel“ genutzt werde, um dreihundert Prozent auf 167.000 angezeigte Fälle im vergangenen Jahr gestiegen. In den meisten Fällen handelt es sich um Warenbetrug.

In Amerika und Ägypten wurden am Donnerstag achtzig Verdächtige festgenommen, die an einem großen Phishing-Ring beteiligt gewesen sein sollen. Beim so genannten „Phishing“ werden Bankkonten und -depots mit Hilfe von gestohlenen Daten geplündert. Das FBI bezeichnete die zwei Jahre dauernden Ermittlungen als den bislang größten Einsatz gegen Internet-Kriminalität in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Den Angaben zufolge erschlichen sich Personen in Ägypten persönliche Zugangsdaten für die Bankkonten von tausenden amerikanischen Computer-Nutzern und veranlassten mithilfe von amerikanischen Komplizen Überweisungen auf die eigenen Konten.

Phishing ist der Bankraub des digitalen Zeitalters

Ziercke sagte, das von den Banken eingeführte I-Tan-Verfahren (bei dem der Nutzer aufgefordert wird, vor einer Banktransaktion eine Zahlenkombination einzugeben) habe zu einer Abnahme der Phishing-Fälle geführt, das so genannte M-Tan-Verfahren (bei dem eine Tan-Nummer auf das Handy geschickt wird) biete noch größere, aber keine absolute Sicherheit. Ziercke bezeichnete das „Phishing“ als den Bankraub des digitalen Zeitalters. Lediglich ein Drittel der Abschöpfung relevanter Daten finde noch per E-Mail statt, viel häufiger nutzten die Kriminellen „Drive-by-affection“, also die „Ansteckung im Vorüberfahren“.

Dabei wird die Phishing-Software, mit der die persönlichen Daten eines Internetnutzers gestohlen werden, an ganz unverdächtige, aber manipulierte Internetseiten angeschlossen. Auch würden riesige kriminelle Netzwerke mit Hilfe von ahnungslosen Computernutzern errichtet. Das größte aufgedeckte „Bad Net“ dieser Art sei vor einiger Zeit in der Ukraine entdeckt worden. Die Kriminellen hätten dabei über 1,4 Millionen Computer in siebenundsiebzig Ländern manipuliert und für kriminelle Aktivitäten genutzt.

Nach wie vor hätte ein Fünftel der Computernutzer eine „nahezu kindliche Unbekümmertheit“ im Umgang mit dem Internet, sagte der Präsident des Informationswirtschaftsverbandes (Bitkom) Kempf bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Ziercke. Andererseits gebe es auch viele „Internet-Hypochonder“, die es ganz ablehnten, Bankgeschäfte, Buchungen, Einkäufe per Internet zu tätigen.

Elektronischer Personalausweis

Mehr Sicherheit versprechen sich Bundeskriminalamt und Internetwirtschaft von der Einführung des elektronischen Personalausweises, der allerdings von Teilen der SPD und auch der FDP als Teil staatlicher Überwachung abgelehnt wird. Mit Hilfe dieses Ausweises könnte eine verlässliche Anmeldung und Identifizierung eines Internetnutzers dazu führen, dass Transaktionen sicherer werden.

Am Donnerstag begann zudem die Erprobungsphase für ein neues Versendesystem für Dokumente per Mail. Das System, „De-Mail“ genannt, beruht auf Anbietern, die durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) akkreditiert und zertifiziert worden sind. Das bedeutet, sie müssen vorab definierte Anforderungen an die Sicherheit im Rahmen einer sorgfältigen Überprüfung durch das BSI nachweisen. Auf diese Weise könne der Versand und Empfang von Mails rechtsverbindlich werden. De-Mail werde, so Innenstaatssekretär Beus, „so einfach wie die E-Mail und so sicher wie die Papierpost“.

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent in Berlin.

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