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Bundeskanzlerin : Die Mehrheit will, dass Merkel weitermacht

  • Aktualisiert am

Kanzlerin Angela Merkel Bild: Reuters

Will Angela Merkel eine vierte Amtszeit als Kanzlerin? Eine Entscheidung dürfte an diesem Sonntag fallen. Einer Umfrage zufolge steht mehr als jeder Zweite hinter der CDU-Politikerin. Gleichzeitig gewinnt die AfD an Zustimmung.

          Nach Monaten des Abwartens wird sich Bundeskanzlerin Angela Merkel an diesem Sonntag voraussichtlich zur Frage einer Kandidatur für eine weitere Amtszeit erklären. Die Mehrheit der Deutschen wünscht sich einer Umfrage zufolge, dass Merkel im Amt bleibt. 55 Prozent der Befragten hätten sich entsprechend geäußert, berichtete „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf eine Emnid-Umfrage. 39 Prozent würden sich allerdings nicht wünschen, dass Merkel nach der Wahl 2017 Kanzlerin bleibe. Gegenüber August habe sich die Zustimmung für die CDU-Chefin damit deutlich verbessert. Damals seien noch 50 Prozent gegen eine weitere Amtszeit gewesen und nur 42 Prozent dafür.

          Der CDU-Vorstand kommt am Sonntag in Berlin zusammen, um sich auf die Bundestagswahl 2017 vorzubereiten. Bei dem bis Montag dauernden Treffen soll es um erste inhaltliche Festlegungen für den Wahlkampf gehen. Merkel hat für den Abend eine Pressekonferenz angekündigt. Es wird erwartet, dass die CDU-Vorsitzende dabei darüber Auskunft geben wird, ob sie sich zum vierten Mal um die Kanzlerschaft bewerben wird. In der Union wird inzwischen damit gerechnet, dass die 62-Jährige eine abermalige Kandidatur anstrebt. Merkel selbst hat Fragen dazu bislang mit den Worten abgewehrt, sie werde ihre Entscheidung zu einem „geeigneten Zeitpunkt“ bekanntgeben.

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          Könnte der Bundeskanzler direkt gewählt werden, würden sich laut Emnid-Umfrage 51 Prozent für Angela Merkel und 21 Prozent für SPD-Chef Sigmar Gabriel entscheiden. Während die Unionswähler eindeutig für Merkel votieren – 90 Prozent sind für sie –, ist das Ergebnis bei den SPD-Anhängern relativ knapp: Nur jeder zweite spricht sich für Gabriel aus.

          Laut der Sonntagsfrage von Emnid konnte die SPD in der Wählergunst ebenso wie die Grünen und die AfD zulegen. Die Sozialdemokraten kämen aktuell auf 24 Prozent und damit einen Punkt mehr als in der Vorwoche. Auch die Grünen legten einen Punkt auf zwölf Prozent zu, ebenso die AfD, die damit bei 13 Prozent stehe. CDU/CSU verlieren hingegen einen Punkt auf 33 Prozent, ebenso die Linke, die damit auf neun Prozent komme. Die FDP verharre bei fünf Prozent.

          Merkel ist seit April 2000 CDU-Vorsitzende und seit November 2005 Kanzlerin. Würde ihre Amtszeit nach dieser Wahlperiode 2017 enden, wäre sie zwölf Jahre Kanzlerin gewesen. Bei einer weiteren Amtszeit wäre sie so lange im Amt wie Helmut Kohl.

          Gabriel erwartet Kandidatur Merkels

          Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach sagte der „Welt am Sonntag“, mit keiner anderen Kandidatin und keinem anderen Kandidaten wären die Chancen der Union bei der Bundestagswahl 2017 besser als mit Merkel. Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner lobte Merkel in der Zeitung als Garant für Stabilität und Verlässlichkeit in turbulenten Zeiten, weil sie die Gesellschaft zusammenhalte und den Vereinfachern entgegentrete. „Sie steht für Maß und Mitte statt schneller Schlagzeilen.“ „Es weiß inzwischen jeder, dass sie wieder kandidieren wird“, sagte der CDU-Europapolitiker Elmar Brok der „Rhein-Neckar-Zeitung“. „Es gibt keinen anderen Kandidaten und keine andere
          Kandidatin.“

          SPD-Chef Sigmar Gabriel äußerte sich ähnlich: „Wir erwarten, dass Merkel am Sonntag das sagt, was jeder weiß: Dass sie die CDU in den nächsten Wahlkampf führt“, sagte er am Samstag bei einem Parteitag der Thüringer SPD in Erfurt. „Wir freuen uns auf eine demokratische Auseinandersetzung.“ Gabriel hat sich noch nicht erklärt, ob er für die SPD Kanzlerkandidat werden will.

          In einer früheren Version dieses Textes hieß es, die SPD käme bei der Sonntagsfrage auf 33 Prozent, richtig sind 24 Prozent.

          Quelle: peer./Reuters/dpa

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