20.08.2006 · Der Bund der Vertriebenen will seine Geschichte untersuchen lassen. Laut Präsidentin Erika Steinbach soll geklärt werden, „in welchem Ausmaß es in BdV-Führungsämtern schuldhaft belastete frühere Nationalsozialisten gab“.
Der Bund der Vertriebenen (BdV) will seine Geschichte untersuchen lassen. So soll, wie BdV-Präsidentin Erika Steinbach (CDU) der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagte, geklärt werden, „in welchem Ausmaß es in BdV-Führungsämtern schuldhaft belastete frühere Nationalsozialisten gab und welchen Einfluß diese auf die Verbandspolitik hatten“.
Steinbach reagiert damit auf Vorwürfe, der Verband sei nicht dazu bereit, sich der Tatsache zu stellen, daß er früher NS-Belastete in seinen Reihen hatte. Vielmehr wolle der BdV mit der wissenschaftlichen Anstrengung Publikationen entgegentreten, die „sich häufig in allgemeinen Verdächtigungen, Halbwahrheiten und Vermutungen erschöpfen“.
Viele Verdächtigungen im Umlauf
Frau Steinbach sagte, sie habe „ein elementares Interesse daran, daß alle Fakten der Geschichte des BdV offengelegt werden“. In seiner Frühgeschichte sei der Verband in seiner politischen Zusammensetzung ein Spiegelbild der Gesellschaft gewesen - wie in dieser habe es auch im BdV Belastete und Mitläufer gegeben. Man müsse aber differenzieren. Wenn etwa von der NSDAP-Mitgliedschaft von Rudolf von Wistinghausen, von 1973 bis 1980 Vorsitzender der deutschbaltischen Landsmannschaft, die Rede sei, dürfe nicht unterschlagen werden, „daß dieser Mann zum Widerstand gegen Hitler gehörte“.
Die BdV-Vorsitzende will zugleich einen zweiten Forschungsschwerpunkt veranlassen. Da viele haltlose Verdächtigungen im Umlauf seien, solle auch untersucht werden, „in welchem Ausmaß die DDR und andere östliche Dienste den BdV ausgespäht und durch Desinformation die westdeutsche Haltung zu den Vertriebenen beeinflußt haben“.
„Eindeutig ins Unrecht gesetzt“
Unterdessen äußerten mehrere Politiker Kritik an den offiziellen polnischen Stellen, die Exponate aus der Ausstellung „Erzwungene Wege“ zurückgeholt haben. Hans-Joachim Otto (FDP), Vorsitzender des Kulturausschusses des Bundestages, nannte dieses Verhalten „peinlich“. Das habe ihn in der Überzeugung bestätigt, daß es nötig sei, „den Ausstellungsmachern politischen Flankenschutz zu geben“, sagte Otto der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Monika Grütters, CDU-Obfrau im Kulturausschuß, nannte die polnische Haltung „ein kleinliches und durchschaubares Manöver“. Es gebe offensichtlich Differenzen zwischen den polnischen Museumsfachleuten und dem politischen Polen, das sich hier „eindeutig ins Unrecht setzt“.
zweimal vertrieben
Heinz Dieter Chiba (hadeze)
- 20.08.2006, 19:51 Uhr
Polen sollte seine "unbewältigte Vergangenheit" erforschen
Gottfried Strobel, Ing.i.R. (icc)
- 20.08.2006, 22:07 Uhr