Home
http://www.faz.net/-gpf-76cgx
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Bruno Bleckmann im Porträt Akribischer Dekan

Dekan Bruno Bleckmann hatte zu verkünden, dass Annette Schavan der Doktorgrad entzogen werde. Eines steht bei dem Historiker außer Frage: die Sorgfalt im Umgang mit Texten.

© dpa Vergrößern Bruno Bleckmann

Unter den vielen Leserkommentaren im Internet zum Ausgang des Plagiat-Verfahrens gegen Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) war ein besonders trockener: „Wusste gar nicht, dass Düsseldorf ’ne Uni hat.“ Jetzt spätestens wissen es alle, auch wenn sich die Heinrich-Heine-Universität, die 1965 aus der „Medizinischen Akademie in Düsseldorf“ hervorgegangen ist, das lieber anders ins allgemeine Bewusstsein gehoben hätte.

Jürgen Kaube Folgen:    

Als Bruno Bleckmann, Dekan der Philosophischen Fakultät, am Dienstagabend vor die Mikrofone trat, um die Entscheidung des Fakultätsrats mitzuteilen, waren dem Monate der Kritik am Verfahren, gut und besonders gut gemeinter Einlassungen sowie zahlloser Urteile in der Sache vorhergegangen. Selten dürfte eine deutsche Universität so viele Ratgeber gehabt haben.

In Person von Bruno Bleckmann hatte den Beschluss, Annette Schavan den Doktorgrad zu entziehen, ein Wissenschaftler zu verkünden, bei dem eines völlig außer Frage steht: die Sorgfalt im Umgang mit Texten. Der einundfünfzigjährige Bleckmann lehrt Alte Geschichte und wurde selbst mit einer Arbeit über die Zeit der römischen Soldatenkaiser (235 bis 285 n. Chr.) promoviert. Aus Heidelberg stammend, kam Bleckmann nach dem Studium von Geschichte, Latein und Romanistik in Würzburg, Münster und Köln über Stationen an den Universitäten von Straßburg und Bern im Jahr 2003 nach Düsseldorf.

Empfindlich gegen Mythen

Seine 1998 publizierte Göttinger Habilitationsschrift galt der Quellenkritik von Berichten über das Ende des Peleponnesischen Krieges (411 bis 404 v.Chr.) und von Belegen für seine Chronologie. Wer einen Blick in diese Rekonstruktionen und Materialprüfungen wirft, dem begegnet ein Muster an detektivischer Akribie in der vergleichenden Auseinandersetzung mit Textdetails von Schlachtbeschreibungen. Von Debatten um die „Konstruktion von Vergangenheit“, urteilte ein Rezensent, zeige sich Bleckmann beim Unterscheiden von Tatsachen und Verfälschungen unberührt. Er führt, mit einem weiteren seiner Buchtitel einen gelehrten Kampf gegen „Fiktion als Geschichte“. Auch in anderen Werken, beispielsweise seiner Monographie über Konstantin den Großen und seiner großen Geschichte der Germanen von Caesars Gegner Ariovist bis zu den Wikingern, arbeitet Bleckmann quellennah und empfindlich gegen Mythen.

Vor diesem Hintergrund versteht sich auch Bleckmanns lakonischer Hinweis darauf, dass die geisteswissenschaftlichen Zitierstandards seit 1980 immer dieselben gewesen seien, weshalb der Düsseldorfer Fakultätsrat die Annahme einer besonderen „Promotionskultur“ in den Erziehungswissenschaften jener Zeit ablehne. Er mag sich während des Verfahrens ohnehin an das hier sinngemäß - also nicht aus der Primärquelle - zitierte Wort Theodor Mommsens erinnert haben, dass man zur Geschichtsforschung vor allem Jurisprudenz und Philologie brauche, alles andere ergebe sich dann von selbst.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Plagiate an Hochschulen Fälschen ohne Folgen

Die Plagiatsforscherin Debora Weber-Wulff geht mit den deutschen Hochschulen hart ins Gericht: Abkupfern werde dickfellig hingenommen, Solidarität sei wichtiger als saubere Wissenschaft. Sie hat Recht. Mehr Von Theodor Ebert

19.04.2015, 08:00 Uhr | Beruf-Chance
Frankfurter Anthologie Heinrich Heine: Ich seh im Stundenglase schon

Ich seh im Stundenglase schon von Heinrich Heine, gelesen von Thomas Huber. Mehr

12.12.2014, 17:00 Uhr | Feuilleton
Studenteninitiative Wer glaubt heute noch an Mythen?

Die Gießener Studenteninitiative Ignis fragt, ob nicht am Ende auch der Mythos nur ein Mythos ist. Nebenbei wollen die Studenten in Eigenregie interdisziplinäre Schlüsselqualifikationen erwerben. Gelingt das? Mehr Von Uwe Ebbinghaus

02.05.2015, 22:08 Uhr | Feuilleton
Auftakt Prozess in der Türkei nach Minenunglück von Soma

In der Türkei beginnt der Prozess zur Katastrophe im Bergwerk von Soma, bei dem im vergangenen Mai 301 Bergleute ums Leben kamen. In dem Verfahren geht es um die Verantwortung für das schlimmste Industrieunglück der Geschichte des Landes. Mehr

13.04.2015, 16:48 Uhr | Gesellschaft
Streit ums Alte Testament Hiobs Botschaft

Kann man das Alte Testament einfach herauskürzen aus der christlichen Lehre, wie ein Berliner Theologe vorschlägt? Oder zeugt dieser Vorschlag von Antisemitismus und Ahnungslosigkeit? Mehr Von Friedrich Wilhelm Graf

27.04.2015, 20:40 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.02.2013, 16:26 Uhr

Deutschland braucht fähige Nachrichtendienste

Von Volker Zastrow

Die Festnahme mutmaßlicher Attentäter in Frankfurt zeigt: Die Bedrohung durch islamistische Fanatiker ist real. Sie planen, entscheiden und handeln mit nachrichtendienstlichen Methoden und Mitteln. Wir brauchen präventive Überwachung, um gegen diese Gefahr gewinnen zu können. Mehr 86 47