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Bruno Bleckmann im Porträt Akribischer Dekan

Dekan Bruno Bleckmann hatte zu verkünden, dass Annette Schavan der Doktorgrad entzogen werde. Eines steht bei dem Historiker außer Frage: die Sorgfalt im Umgang mit Texten.

© dpa Vergrößern Bruno Bleckmann

Unter den vielen Leserkommentaren im Internet zum Ausgang des Plagiat-Verfahrens gegen Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) war ein besonders trockener: „Wusste gar nicht, dass Düsseldorf ’ne Uni hat.“ Jetzt spätestens wissen es alle, auch wenn sich die Heinrich-Heine-Universität, die 1965 aus der „Medizinischen Akademie in Düsseldorf“ hervorgegangen ist, das lieber anders ins allgemeine Bewusstsein gehoben hätte.

Als Bruno Bleckmann, Dekan der Philosophischen Fakultät, am Dienstagabend vor die Mikrofone trat, um die Entscheidung des Fakultätsrats mitzuteilen, waren dem Monate der Kritik am Verfahren, gut und besonders gut gemeinter Einlassungen sowie zahlloser Urteile in der Sache vorhergegangen. Selten dürfte eine deutsche Universität so viele Ratgeber gehabt haben.

In Person von Bruno Bleckmann hatte den Beschluss, Annette Schavan den Doktorgrad zu entziehen, ein Wissenschaftler zu verkünden, bei dem eines völlig außer Frage steht: die Sorgfalt im Umgang mit Texten. Der einundfünfzigjährige Bleckmann lehrt Alte Geschichte und wurde selbst mit einer Arbeit über die Zeit der römischen Soldatenkaiser (235 bis 285 n. Chr.) promoviert. Aus Heidelberg stammend, kam Bleckmann nach dem Studium von Geschichte, Latein und Romanistik in Würzburg, Münster und Köln über Stationen an den Universitäten von Straßburg und Bern im Jahr 2003 nach Düsseldorf.

Empfindlich gegen Mythen

Seine 1998 publizierte Göttinger Habilitationsschrift galt der Quellenkritik von Berichten über das Ende des Peleponnesischen Krieges (411 bis 404 v.Chr.) und von Belegen für seine Chronologie. Wer einen Blick in diese Rekonstruktionen und Materialprüfungen wirft, dem begegnet ein Muster an detektivischer Akribie in der vergleichenden Auseinandersetzung mit Textdetails von Schlachtbeschreibungen. Von Debatten um die „Konstruktion von Vergangenheit“, urteilte ein Rezensent, zeige sich Bleckmann beim Unterscheiden von Tatsachen und Verfälschungen unberührt. Er führt, mit einem weiteren seiner Buchtitel einen gelehrten Kampf gegen „Fiktion als Geschichte“. Auch in anderen Werken, beispielsweise seiner Monographie über Konstantin den Großen und seiner großen Geschichte der Germanen von Caesars Gegner Ariovist bis zu den Wikingern, arbeitet Bleckmann quellennah und empfindlich gegen Mythen.

Vor diesem Hintergrund versteht sich auch Bleckmanns lakonischer Hinweis darauf, dass die geisteswissenschaftlichen Zitierstandards seit 1980 immer dieselben gewesen seien, weshalb der Düsseldorfer Fakultätsrat die Annahme einer besonderen „Promotionskultur“ in den Erziehungswissenschaften jener Zeit ablehne. Er mag sich während des Verfahrens ohnehin an das hier sinngemäß - also nicht aus der Primärquelle - zitierte Wort Theodor Mommsens erinnert haben, dass man zur Geschichtsforschung vor allem Jurisprudenz und Philologie brauche, alles andere ergebe sich dann von selbst.

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Quelle: F.A.Z.

 
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