14.05.2009 · Drei Architektenentwürfe einer Brücke im Loreleytal zwischen St. Goar und St. Goarshausen sollen den Kriterien der UNESCO Genüge tun. Umweltschützer und Denkmalpfleger lehnen den Bau jedoch ab.
Von Thomas Holl, WiesbadenZuversichtlich sieht Joachim Hofmann-Göttig der Jahrestagung des Welterbe-Komitees der Unesco Ende Juni in Sevilla entgegen. „Für ganz unwahrscheinlich“ hält es der für Kulturpolitik in Rheinland-Pfalz zuständige SPD-Staatssekretär, dass sich die 21 Unesco-Mitgliedstaaten doch noch einer Brücke über den Rhein bei den gegenüberliegenden Orten St. Goarshausen und St. Goar verweigern und wie im Fall der Dresdener Waldschlößchenbrücke auch dem Oberen Mittelrheintal mit dem Entzug des Welterbeprädikats drohen könnten.
Schon bei ihrer Tagung in Quebec 2008 hatte das Welterbe-Komitee zur Freude der Landesregierung eine „feste Querung des Rheins“ nicht mehr generell abgelehnt. Ein „Bouquet“ von drei Brückenentwürfen für jeden Geschmack, die zudem alle Unesco-Ansprüche an das kulturell wertvolle Flusstal mit Loreley-Felsen und seinen Ritterburgen erfüllen sollen, hat Hofmann-Göttig nun für seine Dienstreise nach Sevilla als Lobbyist im Gepäck. In dem europaweit ausgeschriebenen Architektenwettbewerb für die Brücke hatte die Jury Ende April drei Entwürfe ausgewählt, die sich - auf architektonisch unterschiedliche Weise - nach Ansicht des Preisgerichts „harmonisch“ in das Rheintal einfügen. Schon in der Ausschreibung hatte sich das Land bei der Standortwahl für St. Goarshausen-Wellmich entschieden, um eines der entscheidenden Kriterien der Unesco zu erfüllen. Eine Brücke an dieser Stelle wäre von dem Aussichtspunkt des Loreleyfelsens 13 Kilometer weiter stromaufwärts nicht zu sehen. Allerdings liegt das moderne Bauwerk in der Sichtachse von Burg Maus. Deshalb sei in der Ausschreibung von den Architekten die „schlankeste Lösung“ gefordert worden.
„Dann kommt doch ein Tunnel in Frage“
Nur eine zweispurige Brücke für Autos und ein integrierter Fuß- und Radfahrweg sei in Frage gekommen, um den im Panoramablick gewünschten optischen Eindruck eines nur schmalen Streifens über den Fluss zu erzeugen. Den Siegerentwurf einer Dubliner Planungsgemeinschaft aus Architekten, Landschaftsplanern und Bauingenieuren und die beiden anderen Modelle stellte Hofmann-Göttig am Mittwochabend in Berlin auch Denkmalschützern vor. In „eleganten Schwüngen in Grundriss und Ansicht“ füge sich diese Brücke in das „Landschaftsbild“ ein, lobte Hofmann-Göttig dabei den Wettbewerbssieger. Die leichte „S-förmige Grundrissform“ fördere die „Erlebbarkeit der Landschaft“.
Nicht überzeugen wird der Kulturstaatssekretär wohl die deutsche Sektion des Internationalen Rats für Denkmalpflege (Icomos), der die Unesco berät. Icomos lehnt den Bau der 40 Millionen teuren Brücke in diesem rund 66 Kilometer langen Abschnitt des Rheintals zwischen Koblenz und Wiesbaden ab, weil dadurch der „Charakter“ dieser Kulturlandschaft zerstört werde. Auch Umweltschützer sind wie in Dresden aus ökologischen Gründen gegen den Bau der Brücke, die angesichts möglicher Klagen wohl erst im Jahr 2019 fertiggestellt wäre.
Die Wirtschaftsverbände sowie etliche Kommunalpolitiker in den betroffenen beiden Landkreisen links und rechts dieses Flussabschnitts fordern indes schon seit Jahren eine Brücke, um die von Bevölkerungsschwund und Firmenschließungen gebeutelte Region zu stärken. Auch SPD und CDU im Mainzer Landtag unterstützen das Vorhaben aus wirtschaftspolitischen Gründen. „Wir werden in Sevilla hart am Mann fechten. In der Region erwartet man jetzt eine Entscheidung“, sagt Hofmann-Göttig. Sollte das Welterbe-Komitee doch nein zu den Brückenentwürfen sagen, wird wohl Plan B präsentiert: „Dann kommt doch ein Tunnel in Frage.“
Thomas Holl Jahrgang 1960, politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.
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