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Trumps Internettruppe : Wie Breitbart News in Deutschland Stimmung macht

  • -Aktualisiert am

Steve Bannon lässt grüßen: der Chefstratege des designierten amerikanischen Präsidenten Trump und frühere Chef von „Breitbart News“ Bild: AP

Das rechtspopulistische Internetportal Breitbart berichtet über islamistische Unruhen in der Dortmunder Silvesternacht – auf Grundlage falscher Darstellungen. Ein Vorgeschmack.

          Rund 1000 junge Männer hätten zum Jahresbeginn in Dortmund eine Kirche angegriffen und „Allahu Akbar“ skandiert. Als die Situation eskalierte, hätten sie Feuerwerkskörper in eine Menge mit Frauen und Kindern geworfen, die Raketen auf die Polizei gerichtet und die Dortmunder Reinoldikirche angezündet. Das berichtet das amerikanische Internetportal „Breitbart News“. Die „Mainstream“-Medien hätten diese Vorfälle in der Silvesternacht wohl weitgehend übersehen – wenn sie denn stimmten. Doch „Breitbart News“ stellt vielmehr die Ereignisse überzogen, teils falsch dar und zeichnet ein Bild chaotischer bürgerkriegsähnlicher Zustände in Deutschland, herbeigeführt von islamistischen Gewalttätern.

          Zwar ist nicht alles unzutreffend in dieser Darstellung, denn ruhig war die Silvesternacht in Dortmund nicht. Tatsächlich berichtete die Regionalzeitung „Ruhr Nachrichten“: „Zwischen etwa 18.45 und 23.30 Uhr zogen überwiegend junge ausländische Männer in großen und kleinen Gruppen durch die Innenstadt. Am Platz von Leeds bildeten sie eine große Gruppe, bestehend aus mindestens 1000 Menschen. Pyrotechnik wurde in die Menschenmenge und auf Polizisten geworfen. Am Hauptbahnhof feuerte ein Unbekannter eine Silvesterrakete auf einen Obdachlosen ab und verletzte ihn schwer. Von der Kleppingstraße aus musste die Feuerwehr ein brennendes Bauzaun-Fangnetz an der Reinoldikirche löschen. Sexuelle Übergriffe wie vor einem Jahr in Köln gab es nicht.“

          Die Polizei gab sich in ihrer Einsatzbewertung nach der Silvesternacht „vorläufig zufrieden“, wie der journalistische Fachdienst „Meedia“ schreibt. „Die deutliche Präsenz aller Sicherheitspartner hat offenbar Einfluss genommen auf den bislang ruhigen Verlauf dieses Einsatzes. An die schnell heranwachsende Menschenmenge haben wir umgehend Unterstützungskräfte herangeführt“, hieß es von Seiten der Sicherheitskräfte.

          Aus der Meldung der „Ruhr Nachrichten“ macht „Breitbart News“ aber viel mehr. Das Portal beschreibt die Lage mit dramatischen Formulierungen wie eingangs aufgeführt. Im englischen Original heißt es: „At midnight, the situation threatened to escalate. A livewire published by the Ruhr Nachrichten reported that a crowd of ‚at least 1,000 young men‘ began throwing fireworks into crowds of visitors, which also included families with children. Asked by officers to stop, the mob turned to pelt fireworks at police instead.“

          Entscheidende Details verstellt

          Die Ruhr Nachrichten hatten zwar berichtet, dass eine Gruppe von Syrern die Waffenruhe in Syrien mit Gesängen feierte. Ein Video eines „Breitbart-Reporters“ zeige aber vielmehr eine Gruppe von Männern, die „Allahu Akbar“ skandierten und um eine Flagge von „Al Qaida und Islamischer-Staat-Verbündeten“ tanzten, so „Breitbart News“. Gemeint ist die Flagge der „Freien Syrischen Armee“. Diese gelten außerhalb rechtsextremer oder „Fake News“-Seiten als relativ moderate Rebellen im syrischen Bürgerkrieg und keineswegs eine von Islamisten dominierte militärisch agierende Oppositionsgruppe gegen das Assad-Regime.

          Es genügte für „Breitbart News“, entscheidende Details der Dortmunder Silvesternacht zu verstellen,um einen völlig anderen Eindruck der Lage zu vermitteln. Genau darin sind die Autoren von „Breitbart News“ in den Vereinigten Staaten besonders geübt. Breitbart gilt in Amerika als Hauptmedium der rechtsextremen „Alt-Right“-Bewegung, die maßgeblichen Anteil an dem Sieg Donald Trumps bei den Präsidentenwahlen hatte. Das Internetportal liegt auf Platz 34 der meistgelesenen amerikanischen Medien. Es wurde bis Sommer 2016 von Steve Bannon geleitet - dem späteren Chefstrategen der Wahlkampagne und künftigen ranghöchsten Berater des designierten amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Außerhalb der Vereinigten Staaten hat Breitbart Seiten für das Vereinigte Königreich („Breitbart London“) und Israel  („Breitbart Jerusalem“).

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