14.07.2005 · Brandenburg hat zum zweiten Mal in diesem Jahr eine rechtsextremistische Kameradschaft verboten. Innenminister Schönbohm wirft der „ANSDAPO“-Vereinigung „Wesensverwandtschaft zum Nationalsozialismus“ vor.
Brandenburgs Innenministerium hat eine Neonazi-Kameradschaft verboten, die der rechtsextremen DVU nahe stehen soll. Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) wirft der Gruppe „ANSDAPO“ Wesensverwandtschaft zum Nationalsozialismus vor. Die Mitglieder seien immer wieder durch Straftaten aufgefallen.
Die Verbotsverfügung sei den 18 Mitgliedern der Gruppe bei einer Razzia am Donnerstag zugestellt worden. Mehr als 100 Beamte hätten am frühen Morgen insgesamt 21 Wohnungen vor allem in und um Strausberg sowie in Berlin durchsucht. Dabei seien illegale Waffen, scharfe Munition, Propagandamaterial und verbotene rechte Musik-CDs sichergestellt worden. Bei der Razzia habe es keinen Widerstand gegeben.
„Deutliches Signal“
Der Verein soll Kontakte zur rechtsextremen DVU unterhalten haben, die seit 1999 im Brandenburger Landtag vertreten ist. Es ist das vierte Verbot einer rechtsextremistischen Organisation in Brandenburg. Erst im April war die Kameradschaft „Hauptvolk“ mit 60 Mitgliedern sowie deren Untergruppe „Sturm 27“ verboten worden. „Mit diesem Verbot setzen wir ein deutliches Signal im Kampf gegen den organisierten Rechtsextremismus in unserem Land“, betonte Schönbohm.
Der Verein „ANSDAPO“ und seine Mitglieder, alle zweischen 20 und 25 Jahren, hätten durch Straftaten von sich reden gemacht. Sie sollen rechtsextreme Konzerte in Berlin und Brandenburg organisiert und Schlägereien mit Jugendlichen provoziert haben. Der 2004 gegründete Verein trug die Tarnbezeichnung „Alternative Nationale Strausberger Dart Piercing und Tattoo Offensive“, doch verweise die Abkürzung auf die NSDAP und ihre Auslandsorganisation, die den Zusatz (AO) trug.
Das Innenministerium bestätigte, daß von der Razzia auch die Räume eines jungen Mannes betroffen waren, der in „verwandtschaftlicher Beziehung“ zu einer Landtagsabgeordneten der DVU steht. Medienberichten zufolge handelt es sich dabei um den Sohn der Frau. Das Ministerium wollte dazu keine Angaben machen.