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Bonner Bombenfall Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen

Die Bombe im Bonner Hauptbahnhof ist durch die Täter gezündet worden, aber nicht detoniert. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Es gebe „belastbare Hinweise“ auf einen Anschlagsversuch einer terroristischen Vereinigung islamistischer Prägung.

© dpa Vergrößern Ein am Freitag von der Polizei veröffentlichtes Foto zeigt die Tasche auf dem Bonner Hauptbahnhof, in der sich der Sprengsatz befand.

Die Bundesanwaltschaft hat am Freitag die Ermittlungen wegen des Bombenfundes am Bonner Hauptbahnhof vom 10. Dezember 2012 übernommen. Zugleich hat sie das Bundeskriminalamt beauftragt, unter ihrer Leitung die Ermittlungen zu führen. Es liegen nunmehr aus Sicht der Karlsruher Behörde „zureichende tatsächliche Anhaltspunkte dafür vor, dass es sich bei dem Geschehen um einen versuchten Sprengstoffanschlag einer terroristischen Vereinigung radikalislamistischer Prägung handelt“.

Demnach habe am 10. Dezember gegen 13 Uhr ein Mann eine Sporttasche mit einer zündfähigen Sprengvorrichtung auf dem Bahnsteig eins des Bonner Hauptbahnhofs abgestellt. Die Bombe bestand nach bisherigen Erkenntnissen aus einem ungefähr 40 Zentimeter langen Metallrohr, das zündfähiges Ammoniumnitrat enthielt und mit vier Druckgaspatronen umwickelt war, sowie einem Wecker und verschiedenen Batterien, die als Zündvorrichtung dienen sollten. Noch sei unklar, warum der Sprengsatz nicht detonierte. Es gebe „belastbare Hinweise“ dafür, so die Bundesanwaltschaft, dass die verdächtige Person über Verbindungen in islamistische Kreise verfüge. Deshalb bestehe der Anfangsverdacht, dass sie als Mitglied einer terroristischen Vereinigung einen Sprengstoffanschlag verüben wollte.

Wie diese Zeitung aus Sicherheitskreisen erfuhr, wurde die Bombe, die von der Bundesanwaltschaft als „höchst gefährlich“ eingestuft wurde, offenbar gezündet, ohne danach zu detonieren. Offiziell teilte die zuständige Kölner Polizei allerdings mit, es handle sich dabei lediglich um eine von mehreren Ermittlungsthesen, „die zur Verifizierung weiterer Untersuchung der Spezialisten des Landeskriminalamts bedarf“. Unterdessen berichtete der WDR, der Sprengsatz sei offenbar fehlerhaft konstruiert gewesen.

Die Bombe sei aus sicherer Entfernung gezündet worden, berichtete der WDR. Dass sie dann nicht explodiert sei, habe möglicherweise daran gelegen, dass die Täter eine Glühbirne statt eines sogenannten Boosters zum Zünden verwendet hätten. Diese Zeitung erfuhr aus Sicherheitskreisen dagegen, dass die Bombe keinesfalls aus der Ferne gezündet worden ist. Der Sprengsatz habe einen Zündmechanismus mit der Glühbirne eines Weckers gehabt und keinen Fernzündemechanismus. Es habe sich um einen Zeitzünder gehandelt. Derzeit sprächen Indizien wie der niedrige Ladestand der Batterien und Schmauchspuren dafür, dass gezündet wurde. Doch wird der verwendete Mechanismus als „nicht professionell“ eingeschätzt. Hätte der Sprengsatz einen professionellen Zündmechanismus gehabt, wäre der Sprengsatz nach Einschätzung aus Sicherheitskreisen auch detoniert. Es hätte demnach zu einer verheerenden Explosion kommen können. Die Zeitung „Tagesspiegel“ berichtete, der Sprengsatz passe von seiner Machart zu einer Bombenbauanleitung der Terrororganisation Al Qaida.

Polizei sucht zweiten Tatverdaechtigen nach Bonner Bombenfund Die Videosequenz aus der Überwachungskamera eines Schnellrestaurants im Bonner Hauptbahnhof. © dapd Bilderstrecke 

Videosequenz bisher einzige heiße Spur

Einen Bericht des WDR, wonach die Ermittler mittlerweile nach mindestens drei Tatverdächtigen suchen, wies die Kölner Polizei zurück. Man suche zwar nach einem dritten Mann. Bei ihm handele es sich aber um einen wichtigen Zeugen, der eine Bahn-Mitarbeiterin am Montag kurz vor 13 Uhr auf eine herrenlose blaue Tasche aufmerksam machte. Die Tasche, in der sich die Bombe befand, war nach bisherigen Erkenntnissen auf Bahnsteig Eins des Bonner Bahnhofs zwei Jugendlichen von einem dunkelhäutigen Mann abrupt vor die Füße geschoben worden.

Die bisher einzige heiße Spur der Ermittler in dem Fall ist nach wie vor eine Videosequenz aus der Überwachungskamera eines Schnellrestaurants im Bonner Hauptbahnhof. Auf den Bildern ist um 12.48 Uhr ein hellhäutiger Mann mit der blauen Tasche zu sehen. „Ob die beiden, der Dunkelhäutige und der Hellhäutige, in irgendeiner Beziehung zueinander stehen, ist ebenso noch völlig offen wie die Frage, ob eine Übergabe der Tasche stattfand“, sagte ein Polizeisprecher dieser Zeitung. Bei der Polizei seien mehr als 300 Hinweise eingegangen. Darüber hinaus werteten mehr als 20 Ermittler rund 50 Terabyte Videomaterial aus.

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Quelle: F.A.Z.

 
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