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Bologna-Reform „Die Studierenden sind furchtbar ungeduldig“

24.11.2009 ·  Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat die Bologna-Reform als unumkehrbar bezeichnet. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigte die Übernahme europäischer Bachelor- und Master-Abschlüsse in Deutschland. Tausende Studenten begleiten die HRK-Konferenz in Leipzig mit Protesten.

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Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen bei ihrer Tagung in Leipzig als unumkehrbar bezeichnet. Es sei den Hochschulen gelungen, nahezu alle Studiengänge aus eigener Kraft auf eine neue, international verständliche Struktur „umzustellen“, ohne dafür zusätzliche Mittel erhalten zu haben. Die Bilanz zeige Erfolge wie die Verkürzung der realen Studiendauer und eine wachsende Akzeptanz der Bachelorabsolventen am Arbeitsmarkt.

Im Rahmen der von den Hochschulen entwickelten Qualitätssicherung würden Studiengänge ständig unter Beteiligung der Studenten überprüft und, wenn notwendig, weiterentwickelt. Dies geschehe derzeit auch mit den in die Kritik geratenen Studiengängen. Die HRK-Vorsitzende, Margret Wintermantel, sagte im Deutschlandradio Kultur: „Es bewegt sich schon etwas, aber die Studierenden sind furchtbar ungeduldig.“ Sie wies die pauschale Kritik an mangelhaften Studienbedingungen als „Unfug“ zurück. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verteidigte die Übernahme europäischer Bachelor- und Master-Abschlüsse in Deutschland. Man müsse allerdings darüber reden, ob beim sogenannten Bologna-Prozess jedes Detail richtig bedacht worden sei.

Protest in Leipzig

Darüberhinaus macht die HRK, deren Zusammenkunft von Protesten tausender Studenten begleitet waren, die Länder dafür verantwortlich, den Hochschulen wesentliche Rahmenbedingungen für ein optimale Fortsetzung der Reform vorenthalten zu haben. Die Länder vernachlässigten die Hochschulfinanzierung, setzten Restriktionen und trügen durch falsche Anreize zu gedrängten Curricula bei. Sie versäumten es an wesentlichen Punkten, Rechtssicherheit und Verlässlichkeit für Hochschulen zu schaffen. Sie vernachlässigten wesentliche Koordinierungsaufgaben zwischen den Ländern und belasteten das Hochschul- und Akkreditierungssystem mit Detailregulierungen.

Die HRK begrüße das Angebot der Kultusministerkonferenz, in einen Dialog einzutreten. Nur ein koordiniertes und entschlossenes Handlungsprogramm der Länder könne die Verwirklichung der Reform beschleunigen. Bei den Studentenprotesten mischten sich vernünftige Forderungen mit anderen, die mehr mit einer allgemeinen Unzufriedenheit zu tun hätten, dazu gehöre der Vorwurf der Ökonomisierung.

Seit Wochen protestieren Zehntausende Studenten in Deutschland gegen die ihrer Ansicht nach schlechten Studienbedingungen, den missglückten Angleich an europäische Hochschulabschlüsse Bachelor und Master sowie gegen die Unterfinanzierung der Hochschulen. Frau Wintermantel sagte, weder stimme der Vorwurf einer Ökonomisierung der Wissenschaft noch der einer mangelnden Mitbestimmung der Studierenden. An allen Hochschulen seien die Studenten an der Konzeption der Studiengänge beteiligt.

„Es bewegt sich schon etwas“

Eine solche „Riesenreform“ gehe nicht ohne Probleme ab, von einer Misere könne man jedoch nicht sprechen, sagte sie mit Blick auf die 1999 in Bologna verabredete europäische Vereinheitlichung. Lediglich in einzelnen Studiengängen sei versucht worden, zu viel Stoff in sechs Semestern unterzubringen. Die Hochschulen seien jedoch dabei, diese Probleme zu beheben. Die Hochschulrektorenkonferenz fordere zudem seit langem, die Unterfinanzierung der Universitäten zu beheben, sagte die Vorsitzende weiter. Aus der Politik gebe es hierfür positive Signale.

Kanzlerin Merkel sagte, ein Teil der Unzufriedenheit der Studenten rühre von den Zeitvorgaben her und von der Frage, ob ausreichend Räumlichkeiten zur Verfügung stehen. Sie verwies hierbei auf den Beitrag des Bundes für den Hochschulausbau und warnte zugleich davor, dass die Bundesrepublik in der Bildung international in Rückstand gerät. Deutschland habe hier nicht mehr den Stand, den es mal hatte.

Derweil dauerte bundesweit die Besetzung von Hörsälen an. In Bochum ließ die Polizei in der Nacht das Audimax der Ruhr-Universität räumen. 28 Studenten mussten aus dem Hörsaal getragen werden, sagte ein Sprecher der Polizei. Drei Besetzer hätten so starken Widerstand geleistet, dass sie festgenommen wurden. In Leipzig hielten rund 40 Studenten weiter das Rektoratsgebäude der Uni besetzt.

Quelle: FAZ.NET mit oll. sowie ddp
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