12.03.2010 · Erstmals haben die europäischen Bildungsminister die Probleme bei der Einführung der Bologna-Studiengänge benannt. Offensichtlich sei die Implementierung noch längst nicht gelungen. Studenten und Hochschullehrer müssten vermehrt einbezogen werden.
Von Heike Schmoll, BerlinZum ersten Mal haben die europäischen Bildungsminister bei ihren Konferenzen in Budapest und Wien die Probleme bei der Einführung der Bologna-Studiengänge benannt, jedoch noch keine Lösungen gefunden. Die kritischen Stimmen seien sehr ernst zu nehmen. Offensichtlich sei die Implementierung des Bologna-Prozesses noch längst nicht gelungen und auch nicht ausreichend in der Öffentlichkeit erklärt worden, heißt es in der Erklärung der Bildungsminister.
Sie stimmen darin überein, dass Studenten und Hochschullehrer in weitere Verbesserungen einbezogen werden müssen. Um das in der Bologna-Erklärung aus dem Jahre 1999 beabsichtigte Ziel eines europäischen Hochschulraums zu erreichen, haben die Minister der 46 Unterzeichnerländer (Kasachstan ist als 47. beigetreten) darauf hingewiesen, dass Gleichwertigkeit von Modulen und Studienabschlüssen nicht mit Gleichartigkeit verwechselt werden dürfe.
Arbeitsgruppe für konkrete Verbesserungsvorschläge
Studenten müssten mit einer fairen Anerkennung ihrer Leistungsnachweise rechnen können, die Lehr- und Lernsituation müsse verbessert werden, heißt es in der Schlussdeklaration, die ausdrücklich noch einmal die Berücksichtigung landestypischer und kultureller Unterschiede hervorhebt. Außerdem bekennen sich die Minister zu den Grundprinzipien der akademischen Freiheit und Autonomie der Universitäten und deren gesellschaftlichen Bildungsauftrag im Sinne von Persönlichkeitsbildung und im demokratisch-staatsbürgerlichen Sinne.
Die Bildungsminister haben eine Arbeitsgruppe beauftragt, bis zur nächsten Konferenz auf europäischer Ebene in zwei Jahren in Bukarest, konkrete Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten und dabei das sogenannte „peer learning“ (Studenten lernen von Studenten) Studienaufenthalte, sowie Anerkennungs- und Mobilitätsfragen zu berücksichtigen.
Der Vertreter der Kultusministerkonferenz, Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos), hat im Gespräch mit dieser Zeitung darauf hingewiesen, dass es nicht nur um eine Mängelbeseitigung gehen dürfe, sondern auch die Ansprüche einer modernen Universitäts- und Wissenschaftsidee diskutiert werden müssten. Schließlich seien die neuen Studiengänge nicht eingeführt worden, um Erwartungen der Wirtschaft direkt zu erfüllen. Ebensowenig dürfe die Verlängerung der Bachelor-Studiengänge auf vier Jahre dazu führen, einfach alte Diplomstudiengänge in neue Strukturen zu pressen.
Deutschland habe bei der Einführung der Bologna-Studiengänge zu sehr auf Überregulierung und Vereinheitlichung gesetzt. Aus dieser Perfektionismusfalle müsse es baldmöglichst herauskommen. Die Balance zwischen nationaler Vielfalt und einem europäischen Hochschulraum müsse gefunden werden. Bundesbildungsministerin Schavan (CDU) verwies darauf, dass Mobilität innerhalb Deutschlands und Europas erst möglich werde, wenn die Bachelor-Studiengänge 15 Prozent allgemeine Inhalte vermittelten und nicht auf Gleichheit, sondern Vergleichbarkeit setzten.
Heike Schmoll Jahrgang 1962, politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.
Jüngste Beiträge