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Schadenersatz : Vatikan ist jetzt bei Tebartz-van Elst am Zug

Vor Millionenforderung?: Franz-Peter Tebartz-van Elst, damals noch Bischof von Limburg, Ende 2012 in der Kapelle des Bischofshauses Bild: dpa

Das Bistum Limburg dringt gegenüber Tebartz-van Elst auf Schadenersatz. Noch hat der Vatikan nicht beschlossen, ob das Verfahren eröffnet wird. Bislang konnte sich der ehemalige Bischof auf seine Unterstützer in Rom verlassen.

          Das Bistum Limburg dringt gegenüber dem vormaligen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst auf Schadenersatz. Zu diesem Zweck hat der von Papst Franziskus eingesetzte Apostolische Administrator des Bistums, der frühere Paderborner Weihbischof Manfred Grothe, eine Klageschrift bei dem zuständigen Gerichtshof der römisch-katholischen Kirche eingereicht, der Römischen Rota. Über eine Eröffnung des Verfahrens ist nach Informationen dieser Zeitung noch nicht entschieden. Wegen der Tragweite dieser Entscheidung ist jedoch damit zu rechnen, dass sich der Dekan der Rota, der italienische Kirchenrechtler Pio Vito Pinto, mit der für Tebartz zuständigen Bischofskongregation ins Benehmen setzt. Auf deren Unterstützung konnte sich der vormalige Limburger Bischof bislang verlassen.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Tebartz-van Elst, vormals Weihbischof im Bistum Münster, hatte das Amts des Bischofs von Limburg nach nur sechs Jahren im März 2014 aufgegeben. Damals wie heute fühlt er sich als Opfer von Kirchenintrigen und Medienkampagnen, obwohl eine vom Vatikan und der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzte Kommission zu dem Ergebnis gekommen war, dass der Bischof bei der Finanzierung eines neuen Bischofshauses auf dem Limburger Domberg im Zusammenwirken mit engen Mitarbeitern massiv gegen Normen des Kirchenrechts für die Vermögensverwaltung verstoßen hatte.

          Nach der Emeritierung von Bischof Franz Kamphaus im Winter 2007 hatte das Domkapitel auf den Neubau eines Bischofshauses gedrungen, auf dass der Nachfolger nicht mehr im Priesterseminar lebe. Erste Kostenschätzungen für den Neubau eines Bischofshauses in unmittelbarer Nachbarschaft der Kathedrale veranlassten das Domkapitel im Februar 2008 dazu, „nach intensiver Rücksprache mit unserem Bischof den Kostenrahmen für das bisher nicht existierende Wohnhaus des Limburger Bischofs und die zwingend gebotene Sanierung des danebenstehenden historischen und denkmalgeschützten Fachwerkbaus als Diensträume auf zwei Millionen Euro“ zu deckeln. Wenig später wurden allerdings Rücklagen in Höhe von 2,5 Millionen Euro gebildet, um Kostensteigerungen auffangen zu können.

          Frei erfundene Bausumme für die Öffentlichkeit

          Als das Bischofshaus Ende Juni 2013 offiziell seiner Bestimmung übergeben wurde, ließ Tebartz-van Elst mitteilen, die Baukosten hätten 9,85 Millionen Euro betragen. Es fehlte jedoch nicht nur an entsprechenden Beschlüssen des sogenannten Vermögensverwaltungsrats des Bischöflichen Stuhles. Die Summe selbst erwies sich schon bald als frei erfunden. Den für den Bau verantwortlichen Mitarbeitern, die zum Teil noch heute in ihren Ämtern sind, war längst bewusst, dass die Kosten für Planung und Bauausführung sich mindestens um den Faktor zwei, wenn nicht drei vor der öffentlich bekannt gemachten Summe unterschieden. Im Laufe des Sommers brach das Lügengebäude, das Tebartz-van Elst um den Bau errichtet hatte, unter dem Druck vieler Medien zusammen. Anfang September 2013 veranlasste der vormalige päpstliche Botschafter in Deutschland Giovanni Kardinal Lajolo, dass eine Kommission unter Leitung Grothes, eines Finanzfachmannes, das Gebaren des Bischofs und seiner Mitarbeiter überprüfen solle.

          Nach mehrmonatigen Untersuchungen kam die Kommission im Februar 2014 zu dem Ergebnis, das Tebartz-van Elst 31,5 Millionen Euro für den Bau des Bischofshauses ausgegeben hatte – und das weitgehend widerrechtlich. Die handelsrechtliche Abwertung des Gebäudes wurde in den vergangenen Jahren in einem Umfang von etwa 3,9 Millionen Euro vorgenommen. Nicht beziffert ist der Schaden, der dem Vermögen des Bischöflichen Stuhls durch viele extravagante und extrem kostspieligen Gewerke erwachsen ist.

          Tebartz-van Elst lebt in Rom

          Die Staatsanwaltschaft Limburg hatte sich im vergangenen Jahr geweigert, gegen den vormaligen Bischof ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue einzuleiten. Dabei berief sich die Staatsanwaltschaft auf das kirchliche Selbstbestimmungsrecht und folgte damit der Argumentation eines juristischen Gutachtens, das die Limburger Bistumsleitung auf Drängen Roms in Auftrag gegeben hatte. Unumstritten ist die Entscheidung der Limburger Staatsanwaltschaft nicht. Dem Hessischen Generalstaatsanwalt liegt mindestens eine Beschwerde vor.

          Tebartz-van Elst lebt seit einigen Monaten in Rom, ausgestattet mit dem höchstmöglichen Ruhestandsgehalt des Bistums Limburg und dem Titel eines „Delegaten“ innerhalb des „Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung“. Zu seinen Unterstützern zählen nach wie vor die Präfekten der Glaubens- und der Bischofskongregation, die Kardinäle Gerhard Ludwig Müller und Marc Ouellet, sowie der Präfekt des Päpstlichen Hauses und Sekretär Papst Benedikts XVI., Erzbischof Georg Gänswein. Widersprüchliche Angaben gibt es darüber, inwieweit Papst Franziskus mit den Einzelheiten des Falles Tebartz-van Elst vertraut ist.

          Limburger Zahlenwerk

          Das Bistum Limburg hat Berichten zufolge durch das Bauprojekt 3,9 Millionen Euro verloren. Diese Summe musste der Bischöfliche Stuhl, der den größten Teil der Baukosten von rund 31 Millionen Euro schulterte, wegen nachträglicher Umbauten, vergeblicher Planungen oder zu hoher Honorare abschreiben. Allerdings ist diese Summe nicht mit der Höhe des Schadens gleichzusetzen.

          Nach den Zahlen von 2014 verfügt das Bistum über ein Vermögen von 967 Millionen Euro. Der Bischöfliche Stuhl besitzt demnach (Stand 2013) zwar rund 92,5 Millionen Euro. Allerdings belastet der neue Bischofssitz dessen Haushalt: Das Bistum weist ein Defizit von 1,4 Millionen Euro aus.

          Quelle: KNA

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