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Bis zu 30 Prozent : Anteil der Migranten bei der Polizei steigt

  • Aktualisiert am

Kommissaranwärter posiert mit Werbemarterial Bild: dpa

Die Polizei sucht seit Jahren nach Anwärtern mit Migrationshintergrund: Sie verfügen über Sprachkenntnisse und kulturelles Wissen. Ihr Anteil steigt in manchen Ländern deutlich – doch Wissenschaftler warnen vor zu hohen Erwartungen.

          Die Polizeibehörden in Deutschland bemühen sich um mehr Bewerber mit Migrationshintergrund – mit unterschiedlicher Intensität und Erfolg. Die Berliner Polizei hat nach einer bundesweiten Umfrage bei den Länderbehörden den höchsten Anteil von Migranten unter ihrem Nachwuchs. Von allen Bewerbern hatten im vergangenen Jahr 32,1 Prozent einen Migrationshintergrund, bei den Neueinstellungen betrug der Anteil 29,2 Prozent, wie der Mediendienst Integration am Dienstag in Hamburg mitteilte. Im Jahr 2015 waren 23,6 Prozent der Beamtenanwärter in Berlin Einwanderer oder Kinder von Einwanderern.

          Einen ebenfalls hohen Migranten-Anteil bei den Neueinstellungen der Polizei hatten im selben Jahr Baden-Württemberg (20,8 Prozent), Hessen (17,1) und Hamburg (17,0). Etwas niedriger waren die Anteile in Bremen (16,4), Rheinland-Pfalz (13,5), Niedersachsen (13,1) und Nordrhein-Westfalen (11,7). Prozentual weit weniger Polizeianwärter mit Migrationshintergrund stellte Schleswig-Holstein (3,1) ein.

          Weil die Angaben der jungen Polizisten freiwillig waren, verzichtete der Mediendienst auf ein eigentliches Ranking. Zudem konnten die Behörden in Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen keine vergleichbaren Zahlen für 2015 vorlegen. Nach Definition des Statistischen Bundesamtes hat jemand einen Migrationshintergrund, wenn er selbst oder mindestens ein Elternteil bei Geburt nicht Deutscher war. Der Mediendienst Integration ist ein Projekt des Rates für Migration, in dem sich Migrationsforscher zusammengeschlossen haben.

          Kriminologin: Polizisten brauchen kulturelles Wissen

          Der Hamburger Polizeiwissenschaftler Rafael Behr warnte vor falschen Erwartungen. Zu glauben, ein Migrant an sich könne etwas, was andere nicht könnten, sei naiv. Die Anforderungen für Bewerber seien für alle gleich, es gebe keine Abstriche etwa bei Sprachkenntnissen. Nur wenige Bewerber bestünden die Einstellungstests. „Diejenigen, die von sich denken, sie seien gute Polizisten, aber keinen Satz geradeaus schreiben können, werden (...) nicht zur Polizei kommen“, erklärte der Wissenschaftler und Migrationsforscher. Die erfolgreichen Bewerber lebten meist schon länger in Deutschland und seien „situiert“.

          Die Kriminologin Daniela Hunold von der Polizeiakademie Münster betonte, dass Polizisten bei ihrem Dienst in Wohnvierteln mit hohem Migrantenanteil kulturelles Wissen bräuchten. Es gehe darum, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen. Am wichtigsten sei, dass die Polizei fair und transparent agiere und alle gleich behandele. „Die Polizei in Deutschland ist im Vergleich zu anderen Polizeien international gesehen sehr gut aufgestellt“, sagte Hunold.

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