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Bioenergie : „Über das Ziel hinaus geschossen?“

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Rapsfeld bei Kemberg (Sachsen-Anhalt): Wildkräuterwiesen statt „Biomasse“ wie Mais und Raps? Bild: ZB

Biomasse spiele „eine wichtige Rolle für die zukünftige Energieversorgung unseres Landes“, sagt Bundesumweltminister Altmaier. Agrarpolitiker der Grünen sehen sich dagegen durch die Studie der Nationalakademie Leopoldina bestätigt, die davor warnt, Biosprit und Biogas in größerem Maßstab zu nutzen.

          Politiker von Regierung und Opposition wollen an der Nutzung von Bioenergie festhalten, obwohl die Nationalakademie Leopoldina in der vergangenen Woche in einer Studie davon abgeraten hatte, Biosprit und Biogas in größerem Maßstab zu nutzen. „Biomasse ist ein sehr vielseitiger und zuverlässiger Energieträger, der im Rahmen der Energiewende eine wichtige Rolle für die zukünftige Energieversorgung unseres Landes spielt“, sagte Bundesumweltminister Peter Altmaier der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auch der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir sagte, Biomasse könne „einen wichtigen Beitrag in der Energierevolution leisten“. Dafür müsse allerdings die Energieeffizienz der Biomasse massiv gesteigert werden. „Wir Grüne fordern dringend eine Klärung und deutliche Verbesserung der Öko-Kriterien“, sagte Özdemir der F.A.S. Die Studie hatte vor einem Ausbau der Bioenergie gewarnt. Sie weise eine schlechte Umweltbilanz auf, und der Anbau von Energiepflanzen wie Mais konkurriere mit anderen Nahrungsmitteln.

          Altmaier bezeichnete die Studie als „wertvollen Diskussionbeitrag“. Einig waren sich der Bundesumweltminister und die Grünen, dass die Erzeugung von Nahrungsmitteln Vorrang vor der Erzeugung von Bioenergie haben solle. Özdemir forderte, dass „dringend etwas gegen die Vermaisung unserer Landschaften“ getan werden müsse.

          Höhn: „Blumenwiesen statt Mais“

          Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn, plädierte gegenüber der F.A.S. Zeitung für „Änderungen im Fördersystem“ der Bioenergie. Sie schlug vor, die Gewinnung von Biomasse aus Wildkräuterwiesen stärker zu fördern. „Die Zukunft der Bioenergie heißt Blumenwiesen statt Mais“, sagte Höhn.

          Biogasanlage in Fellbach (Baden-Württemberg)

          Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert, die Pflicht aufzuheben, an Tankstellen Biosprit beizumischen. „Pflanzenkraftstoff ist ineffizient, frisst Fläche und wird in südlichen Ländern angebaut, selbst wenn dort Menschen Hunger leiden“, sagte Reinhild Benning vom BUND. Derzeit seien Biokraftstoffe im Auto sinnlos, sagte Dietmar Oeliger vom Naturschutzbund (Nabu). „Weder die Ökobilanz noch die energetische Ausbeute sind positiv. Die Biokraftstoffquote sollte eingefroren werden“, sagte Oeliger.

          Die Bundesregierung will die Quote für Bioenergie bis 2050 auf 23 Prozent anheben. Der Deutsche Bauernverband sieht das skeptisch. „Der Biomasse-Anteil von 8,2 Prozent ist ein sehr guter Anteil. Er wird sich aber nicht dramatisch erhöhen“, prognostizierte Helmut Born, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes.

          „Wir müssen auf unsere Böden aufpassen“

          Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck warnte indes vor übermäßigem Maisanbau zur Energieerzeugung: „Wir müssen auf unsere Böden aufpassen. Die starke Nutzung von Mais sorgt dafür, dass zu viel Nitrat in Böden und ins Grundwasser gerät.“ Dem widersprach Born: „Von Vermaisung kann keine Rede sein.“ Mais sei nur eine Feldfrucht unter vielen. „Er wird heute auf den Flächen angebaut, die früher stillgelegt wurden“, sagte Born.

          Unterdessen wird bei den Grünen gestritten ob man „über das Ziel hinaus geschossen“ sei, wie Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, sagte. „Genau das zeigt die Leopoldina-Untersuchung nämlich. Ich bin nicht bereit, als Grüner jetzt den Vorwurf hinzunehmen: Das wolltet ihr so.“ Biogaserzeugung habe mit „bio“ nichts zu tun. „Es handelt sich dabei vielmehr um hochintensiven Maisanbau, das genaue Gegenteil des biologischen Landbaus.“ Der Maisanbau müsse begrenzt werden, sagte Ostendorff der F.A.S.

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