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Details zum Fall Sief H. : Polizei findet noch mehr Rizinus-Samen

  • Aktualisiert am

Einsatzkräfte der Polizei stehen vor dem Gebäude, in dem der Verdächtige wohnt. Bild: AFP

Eine Islamismus-Hotline spielte bei der Festnahme des mutmaßlichen Bombenbauers Sief H. in Köln eine Rolle. Der hatte tausende Rizinus-Samen geordert und schon mehr als 80 Milligramm hoch giftiges Rizin produziert.

          Für die Festnahme des mutmaßlichen islamistischen Extremisten Sief H., der in Köln anscheinend eine Bio-Bombe bauen wollte, waren auch Hinweise aus der Bevölkerung entscheidend. Das teilte der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, in Berlin mit. Erst das Zusammenspiel aufmerksamer Bürger und der Nachrichtendienste habe dazu geführt, die Gefährdung zu konkretisieren, sagte Maaßen. Über das „Hinweistelefon Islamistischer Terrorismus“ soll der Verfassungsschutz Informationen über den Tunesier bekommen haben, die klar machten, dass Sief H. einen Anschlag planen könnte.

          Am Donnerstag gab auch die Generalbundesanwaltschaft weitere Details zu dem Fall bekannt. Demnach wurden in der vergangenen Woche insgesamt 3150 Rizinus-Samen in der Wohnung des Beschuldigten in Köln-Chorweiler gefunden – drei Mal mehr als bislang bekannt. Überdies wurden 84,3 mg Rizin sichergestellt. Rizin unterfällt als biologische Waffe dem Kriegswaffenkontrollgesetz. Handel und Umgang mit der Reinsubstanz sind nach dem Chemiewaffen-Übereinkommen von 1997 beschränkt. Schon in geringer Konzentration kann Rizin tödlich sein.

          Nach den bisherigen Ermittlungen bestellte der Beschuldigte sämtliche Rizinussamen in mehreren Vorgängen über den Internetversandhandel. Ein amerikanischer Geheimdienst war auf die Webaktivitäten des Tunesiers aufmerksam geworden und meldete sie dem Bundesamt für Verfassungsschutz.

          Außerdem stellten die Polizisten in dessen Wohnung unter anderem 250 Metallkugeln, zwei Flaschen acetonhaltiger Nagellackentferner sowie Drähte mit aufgelöteten Glühbirnen sowie 950 Gramm eines grauen Pulvers sicher. Bei dem Pulver handelt es sich um eine Mischung aus Aluminiumpulver und aus Feuerwerkskörpern stammenden pyrotechnischen Substanzen. Sein Verwendungszweck ist noch nicht abschließend geklärt.

          Die bisherigen Erkenntnisse legen nahe, dass H. erwogen hat, aus den Materialien einen Sprengsatz herzustellen. Wie weit er mit der Umsetzung seines Vorhabens gekommen ist, wird derzeit ermittelt. Der Bundesgerichtshof erließ bereits Haftbefehl. Die Ermittlungen haben bislang jedoch keinerlei Anhaltspunkte für konkrete Anschlagsplanungen ergeben.

          Nach Einschätzung des Bundeskriminalamtes (BKA) war das sichergestellte
          hochgiftige Rizin eindeutig für einen Anschlag neuer Dimension mit einem biologischen Sprengsatz geplant. „Hier gab es schon ganz konkrete Vorbereitungen zu einer solchen Tat, mit einer, wenn Sie so wollen, Biobombe. Und das ist schon ein in Deutschland einmaliger Vorgang“ sagte BKA-Präsident Holger Münch am Mittwoch dem RBB-Inforadio.

          Es liegen bislang jedoch keine ausreichenden Anhaltspunkte dafür vor, dass der Beschuldigte Mitglied einer terroristischen Vereinigung war. Allerdings versuchte H. 2017 laut der Generalbundesanwaltschaft zweimal vergeblich, über die Türkei nach Syrien auszureisen, mutmaßlich zur Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS). Nach den bisherigen Erkenntnissen stand der Beschuldigte in Kontakt mit Personen aus dem radikal-islamistischen Spektrum. Der Inhalt ihrer Kommunikation ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

          Der IS hat nach Angaben des Verfassungsschutzes schon mehrmals Rizin hergestellt. So seien 2016 in drei Fällen Rizin im Irak und in einem Fall an der irakisch-syrischen Grenze gefunden worden. Zudem biete der IS in einem Handbuch eine detaillierte Anleitung zur Herstellung von Rizin an. Nach Ansicht des Verfassungsschutzes sind terroristische Anschläge durch islamistische Extremisten mit Bio-Giften in Deutschland daher jederzeit möglich.

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