Sachsen hat seinen Spitzenplatz in der Bildungsstudie der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft verteidigt. Im Vergleich zum Vorjahr verbesserte sich das Land weiterhin und behauptete seinen ersten Platz vor Thüringen und Baden-Württemberg. Besonders positiv hebt die Studie, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde, das in Sachsen durch demographisch bedingten Schülerrückgang erreichte Betreuungsverhältnis von Lehrern und Schülern hervor.
Auch gewürdigt werden die vielen Ganztagsangebote und die hohe Qualifikation der Lehrer und Erzieher. Während noch im Jahr 2002 lediglich 1,4 Prozent der Erzieher in sächsischen Kitas einen Hochschulabschluss hatten, lag der Anteil im Jahre 2010 schon bei 6,1 Prozent. Grund für den Anstieg ist, dass Leitungspositionen in Kindertagsstätten inzwischen nur noch von Hochschulabsolventen eingenommen werden können.
In Sachsen, das so gut wie keine Schüler mit ausländischen Wurzeln aufzuweisen hat, sei die soziale Herkunft weniger entscheidend für den Bildungsverlauf, sagte der sächsische Kultusminister Wöller (CDU) dieser Zeitung. Allerdings sei die Schulabbrecherquote noch deutlich zu hoch, sie liege bei 8,6 Prozent. In Baden-Württemberg ist sie von 8,0 auf 5,4 Prozent gesunken. Zu den sächsischen Schwächen zählt Wöller den Übergang von den allgemeinbildenden Schulen zur Berufsausbildung. Außerdem sei bedenklich, dass nur 25 Prozent der ausbildungsfähigen Betriebe auch tatsächlich ausbildeten.
Da im kommenden Jahr allein in Sachsen 60.000 Beschäftigte altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausschieden und nur 23.000 junge Erwerbsfähige nachrückten, sei der Fachkräftemangel abzusehen. Für den Erfolgsgaranten hält der Minister Verlässlichkeit und Kontinuität im Schulsystem. Nur wer nicht ständig die Struktur wechsle und dabei Kräfte und Mittel binde, könne sich auf die Qualitätsentwicklung konzentrieren, so Wöller. Schließlich habe Sachsen die sogenannte demographische Rendite, die auch als „pädagogisches Plus“ bezeichnet wird, wieder in das Bildungssystem investiert und nicht zur Sanierung des Landeshaushalts missbraucht.
Berlin auf dem letzten Platz
Die beste Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr hat Mecklenburg-Vorpommern aufzuweisen, das sich vom 15. auf den 10. Platz vorarbeitete, auch Berlin machte Fortschritte, kam aber insgesamt doch nur auf den letzten Platz. Der Bildungsmonitor nimmt eine ökonomische Perspektive ein und analysiert, welche Voraussetzungen zur Verbesserung des wirtschaftlichen Wachstums erreicht wurden. Thüringen und Sachsen sind die Kaderschmieden für den Nachwuchs in Mathematik, Naturwissenschaften und technischen Fächern. Sachsen hat für Mathematik und Naturwissenschaften einen Stundenanteil von 30 Prozent an der gesamten Stundentafel vorgesehen.
In der Oberstufe des Gymnasiums müssen Biologie, Chemie, Physik und Mathematik bis zum Abitur belegt werden. Die Studienabbrecherquoten in den sogenannten Mint-Fächern sind auf diese Weise deutlich geringer als anderswo. In den Fremdsprachen haben sowohl Sachsen als auch Thüringen Nachholbedarf. Das gilt weniger für die schriftlichen Leistungen der Schüler als für die Sprechfähigkeit. 85 Prozent der sächsischen Lehrer sind in der DDR ausgebildet worden und haben deshalb wenig Sprechroutine in Französisch und Englisch. Ein gezielter Lehreraustausch mit Kanada und England soll die Kommunikationsfähigkeit der Lehrer verbessern.
Im Süden bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt
Baden-Württemberg und Bayern bieten den Jugendlichen die besten Startchancen für einen Übergang in den Arbeitsmarkt, Baden-Württemberg steht bei der Akademisierung an der Spitze, auch bei den bestandenen Prüfungen in der dualen Ausbildung. Im Südwesten wurden 95 Prozent der Abschlussprüfungen in der dualen Ausbildung bestanden, in Bayern waren es im Jahr 2009 insgesamt 92,3 Prozent.
Die Stadtstaaten Berlin und Bremen seien als Hochschulstandort attraktiv, beide Länder weisen allerdings erhebliche Schwächen bei der Schulqualität und bei der Bekämpfung der Bildungsarmut auf. Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und das Saarland hätten deutlichen Verbesserungsbedarf bei der beruflichen Bildung, heißt es im Bildungsmonitor, wobei die Ausbildungsleistung im Mint-Bereich und die Betreuungsbedingungen an den Schulen recht gut seien.
Insgesamt bleibe die Reduzierung der Bildungsarmut die zentrale Aufgabe der Politik. Die Förderung jedes einzelnen Talents sei entscheidend, um die Probleme des demographischen Wandels zu meistern. Außerdem müsse der Anteil der Hochschulabsolventen in Mint-Fächern erhöht und der Rückstand der Migranten in Sachen Bildungserfolg reduziert werden, heißt es im Bildungsmonitor.
Wird schon stimmen
Christian Naubert (chutes_niagara)
- 18.08.2011, 15:45 Uhr
Ergebnis der Studie und Wirklichkeit liegen auseinander ....
bernd ullrich (demokrat2)
- 18.08.2011, 11:55 Uhr
@Zunker: Ahnungslosigkeit
Adrian Hoos (AHoos)
- 18.08.2011, 01:28 Uhr
Bildung kommt und fällt mit den Naturwissenschaften:
Alex Zunker (zunker)
- 17.08.2011, 12:27 Uhr
Sachsen verteidigt Spitzenplatz, so so
Siegfried Bauer (Siggi40)
- 16.08.2011, 20:53 Uhr