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Bildungspolitik Offensive für das differenzierte Schulsystem

 ·  Das differenzierte Schulsystem sei „anschlussfähig und zukunftsfähig“, heißt es in einem schulpolitischen Grundsatzpapier der unionsgeführten Länder. Bildungsgerechtigkeit sei nicht „Gleichheit in Ergebnis und Struktur“.

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Mit einer Offensive für das differenzierte Schulsystem sind die unionsgeführten Länder am Freitag in Berlin an die Öffentlichkeit getreten. Das differenzierte Schulsystem sei anschlussfähig und zukunftsfähig, heißt es in dem schulpolitischen Grundsatzpapier mit zwölf Thesen unter dem Titel „Individuelle Förderung statt Einheitsschule“.

Vorgestellt wurde es von der baden-württembergischen Kultusministerin Schick (CDU), dem bayerischen Kultusminister Spaenle (CSU) und dem sächsischen Kultusminister Wöller (CDU). Die unionsregierten Länder setzten darauf, bei jedem Kind die jeweils eigenen Talente und Begabungen zu entdecken und sie möglichst gut zu entwickeln, das sei Bildungsgerechtigkeit, sagte Spaenle. Jeder Schüler zähle in einem gerechten Schulsystem, ergänzte Wöller.

„Verlässlichkeit, Berechenbarkeit, Kontinuität“

Bildungsgerechtigkeit sei jedoch nicht mit Gleichheit im Ergebnis und der Struktur gleichzusetzen. Die Glaubwürdigkeit der Schulpolitik bei allen am Bildungsprozess Beteiligten sei nur mit Verlässlichkeit, Berechenbarkeit, sowie Kontinuität zu erreichen. „Weder bundeseinheitlicher Zentralismus noch das neue rot-grüne Allheilmittel einer vermeintlichen Kommunalisierung der Bildung“ lösten die Zukunftsaufgaben, vor denen wir stünden, sagte Frau Schick. Und der der Begriff der Dreigliedrigkeit sei klassenkämpferisch, ergänzte Spaenle.

Anstatt die Struktur des Schulsystems ständig zu ändern, wollen die unionsregierten Länder auf Kontinuität und stetige Qualitätsverbesserungen im Unterricht setzen. Statt einer Zuständigkeitsdiskussion werde eine Qualitätsdiskussion gebraucht, sagte Wöller. Wenn die Schülerzahlen wegen des demographischen Wandels sinken, werden die Minister die Chance nutzen, freigewordene Mittel für Qualitätsverbesserungen einzusetzen. Zugleich sei es nötig, die Qualität über all so zu verbessern, dass ein Wechsel von einem Bundesland ins andere wieder möglich sei.

„Durchlässigkeit erhöhen“

Zentrale Prüfungen müssten deshalb für Vergleichbarkeit sorgen. Um Kinder mit Migrationshintergrund, Kinder unterschiedlicher sozialer Herkunft, sowie behinderte Kinder zu fördern, wollen die unionsregierten Länder die Durchlässigkeit des differenzierten Schulsystems erhöhen. Die sonderpädagogische Förderung müsse weiterentwickelt und im Regelschulsystem verankert werden.

Wegen der Vielfalt der differenzierten Angebote könnten behinderte Kinder entweder im Regelschulsystem oder an einer Förderschule lernen - das sei im Einzelfall zu entscheiden. In Baden-Württemberg lernten bereits 30 Prozent der Schüler mit Förderbedarf im Regelschulsystem, sagte Frau Schick. Für keinen Schüler dürfe es Sackgassen im Schulsystem geben, individuelle Bildungswege müssten unterschiedlich verlaufen können, ohne dass Abschlüsse oder Anschlüsse verloren gingen. Gemeinsam mit den Schülern und ihren Eltern wollen die Länder dafür sorgen, dass jeder seinen individuellen Weg findet.

Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung

Viele begabte Schüler gingen nach der Hauptschule oder dem mittleren Bildungsabschluss auf die beruflichen Gymnasien und gelangten bis zur Hochschulreife, sagte Frau Schick. Die Angebote der allgemeinen und beruflichen Bildung seien zwar nicht gleichartig, aber gleichwertig, heißt es in den Thesen. Die Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung im breiten gesellschaftlichen Bewusstsein zu verankern, machen sich die unionsregierten Länder zur Aufgabe.

Ihrer Wahrnehmung nach ist die Gesellschaft gleichermaßen auf Fachkräfte aus dem akademischen und dem berufspraktischen Bereich angewiesen, eine Diskriminierung der beruflichen Bildung gegenüber der Allgemeinbildung wollen sie daher nicht zulassen. Der Überspezialisierung bei allen Ausbildungsberufen durch ständig neu geschaffene Berufsgruppen wollen sie Einhalt gebieten.

Die Minister bekräftigen, dass Bildung immer auch ein aktiver Prozess ist. Für den Bildungserfolg jedes einzelnen sei seine Bereitschaft sich anzustrengen entscheidend. Bildung lasse sich nicht planmäßig produzieren, vielmehr müsse der einzelne seine Chancen auch ergreifen. Hier seien sozialstaatlicher Fürsorge deutliche Grenzen gesetzt. Natürlich müsse der Staat dafür sorgen, dass jedes Kind unabhängig von seiner sozialen Herkunft ermutigt werde, seine Potentiale auszuschöpfen.

Denselben Förderanspruch wie leistungsschwache Schüler hätten aber auch hochbegabte Schüler. Die systematische und kontinuierliche Begabtenförderung sei entscheidend für die künftigen Leistungs- und Verantwortungseliten, die Deutschland brauche. Für alle Schüler, ob leistungsstark oder schwach, müsse es bedarfsgerechte ganztagsschulische Förderangebote - allerdings nicht als „Zwangsbeglückung“, sondern in Abstimmung mit den Beteiligten vor Ort, mit Vereinen und außerschulischen Partnern. Eltern und alle Akteure vor Ort müssten zusammenwirken.

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Jahrgang 1962, politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

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