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Bildungspolitik Milliarden für Elite-Hochschulen

07.06.2004 ·  Wissenschaftsminister von Bund und Ländern haben sich überraschend darauf geeinigt, fast zwei Milliarden Euro in ein Förderprogramm für zehn Elite-Universitäten sowie den Ausbau internationaler Spitzenforschung zu investieren.

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Bund und Länder werden sich den Aufbau von Spitzen-Unis, herausragenden Forschergruppen und Ausbildungsstätten für Nachwuchswissenschaftler von 2006 bis 2010 fast zwei Milliarden Euro kosten lassen. Mit einer Einigung über die Finanzierung und die Aufteilung der Kosten haben Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) und die Wissenschaftsminister der Länder am Montag in Berlin grünes Licht gegeben für den Wettbewerb der rund 350 deutschen Hochschulen um Anerkennung und Förderung als Spitzen-Universität.

Laut Bulmahn wird das Gesamtprogramm einen Umfang von jährlich 380 Millionen Euro über fünf Jahre haben. Finanziert wird es zu 75 Prozent vom Bund und zu 25 Prozent von den Ländern nach dem Sitzlandprinzip: der Länderanteil für die Einzelmaßnahme wird von dem Land getragen, in dem die jeweilige Institution oder Forschergruppe ihren Sitz hat.

Zehn Spitzenuniversitäten

Rund 250 Millionen Euro sollen für die Förderung von Spitzen-Unis vorgesehen werden. Gedacht ist an zehn Universitäten, die durchschnittlich 25 Millionen Euro pro Jahr erhalten. Um als Spitzen-Uni anerkannt zu werden, muß die Hochschule mindestens ein wissenschaftliches Exzellenz-Zentrum von internationalem Ruf und mindestens ein Graduierten-Kolleg sowie ein schlüssiges Konzept für die künftige Entwicklung zu einem weltweit anerkannten „Leuchtturm der Wissenschaft“ vorweisen können.

„Pakt für Forschung und Innovation“

Zugleich sollen in einem „Pakt für Forschung und Innovation“ die Etats der großen Forschungsorganisationen bis 2010 jährlich um mindestens drei Prozent steigen. Dies führt beim Bund allein im nächsten Jahr zu Mehrausgaben von über 100 Millionen Euro. Bulmahn und die Wissenschaftsminister der Länder haben damit ihren wochenlangen Streit über Elite-Unis und Leistungszentren für die Spitzenforschung (Cluster) beigelegt.

Neben den von der SPD zu Jahresbeginn vorgeschlagenen Aufbau von Spitzen-Hochschulen nach amerikanischem Vorbild sollen gleichzeitig auf Wunsch der Länder auch Forschungsverbünde an verschiedenen Hochschulen mit internationalem Renommee gefördert werden. Geplant sind rund 30 solcher Verbünde mit einem Fördervolumen von durchschnittlich acht Millionen Euro sowie etwa 40 Graduiertenschulen zur besseren Nachwuchsförderung.

Bulmahn versicherte, es handele sich um zusätzliches Geld für die Forschung. Beim Hochschulbau werde es keine Abstriche geben. Um die zusätzliche Förderung sollen Hochschulen und Fächer im Wettbewerb konkurrieren. Eine Jury mit international anerkannten Fachleuten soll über die Kriterien wie über die Vergabe entscheiden.

Goppel: Detailfragen offen

Bulmahn und ihr Länder-Kollege, der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Jürgen Zöllner (SPD), zeigten sich nach dem Treffen zuversichtlich, daß die Absprache bei der nächsten Sitzung der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung am 5. Juli in Bonn auch offiziell besiegelt wird. Nach Aussagen von Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) sind bis dahin aber noch Detailfragen zu klären.

Um als Spitzen-Universität anerkannt zu werden und in den Genuß der Zusatzförderung zu kommen, muß die Hochschule mindestens ein wissenschaftliches Exzellenz-Zentrum von internationalem Ruf, ein Graduiertenkolleg sowie ein eigenes schlüssiges Entwicklungskonzept zu einem weltweit anerkannten „Leuchtturm der Wissenschaft“ vorweisen. Eine ausgewählte Elite-Hochschule kann nach Bulmahns Angaben mit durchschnittlich 25 Millionen Zusatzförderung rechnen.

„Gefahr der Verzettelung“

Die Vorsitzende des Bundestags-Forschungsausschusses, die FDP- Politikern Ulrike Flach, begrüßte die Einigung. Doch durch das Eingehen auf die Länder-Forderungen bestehe nun „die Gefahr der Verzettelung“. Aus den geplanten fünf Elite-Hochschulen mit je 50 Millionen Euro Förderung seien jetzt „viele kleine Bonbons entstanden“.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, AP, ddp
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