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Bildung Wie die Bologna-Studiengänge zu verbessern wären

12.02.2010 ·  Zwei Stiftungen haben durch einen gemeinsam ausgeschriebenen Wettbewerb versucht, im starren System der Bologna-Studiengänge neue Modelle für Studium und Lehre zu finden. Erleichtert werden sollen die Wahlmöglichkeiten, die Mobilität und der Zugang zur Forschung.

Von Heike Schmoll
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Studenten innerhalb eines Bachelor-Studiengangs haben längst erfahren müssen, dass ein Wechsel zwischen zwei deutschen Universitäten, auch im gleichen Bundesland, nicht möglich ist. Sie haben deshalb gegen die Mobilitätshindernisse im Inland – vom Ausland ganz zu schweigen – protestiert. Nun haben die Volkswagen-Stiftung und die Stiftung Mercator in einem gemeinsam ausgeschriebenen Wettbewerb unter dem Motto „Bologna – Zukunft der Lehre“ versucht, im starren System der Bologna-Studiengänge neue Modelle für das Studium und für die Lehre zu finden. Zehn Millionen Euro wollen die Stiftungen dafür zur Verfügung stellen.

Bewerben konnten sich Hochschulen und Fachhochschulen. 180 Bewerbungen waren eingegangen, 105 der mehr als 350 antragsberechtigten Hochschulen beteiligten sich am Wettbewerb. Eine Gutachterkommission hat davon 25 eingereicht, 16 für Bachelor-Studiengänge und neun für eine bessere Hochschuldidaktik und Lehre. Drei Tage lang hatte eine international besetzte Gutachterkommission, in der auch eine Studentin saß, sich alle 25 Anträge vorstellen lassen und entschieden, dass sechs Curricula von Bachelor-Studiengängen (FH Bielefeld, BTU Cottbus und Hochschule Lausitz, Uni Göttingen, Leuphana Lüneburg, TU München, Uni Ulm und FH Ulm) und drei Zentren zur Verbesserung von Hochschuldidaktik und Lehre (RWTH Aachen, Charité Berlin, Uni Paderborn und Kassel) gefördert werden.

Die Botschaft der Studentenproteste ist angekommen

Die Trends für die „Reparatur“ der Bologna-Studiengänge waren, die Wahlmöglichkeiten im obligatorischen Bereich des Bachelors zu erhöhen, die Struktur von sechs Semestern aufzuweichen und auf bis zu acht Semester zu verlängern. Das Leitbild des berufsqualifizierenden Bachelors wird nicht mehr durch reine Praxis, sondern durch Zugangsmöglichkeiten zur Forschung auch schon in den ersten Semestern zu erreichen versucht. Die Botschaft der Studierendenproteste, dass die Lehre verbessert werden muss, ist, wie sich in Hannover zeigte, bei den Hochschulleitungen angekommen.

Vor allem für kleine Fächer wie etwa die Klassische Archäologie, die meist in der altphilologischen oder philosophischen Fakultät angesiedelt ist und nur eine Professur hat, ist es dringend nötig, die Mobilitätsgrenzen zu überwinden. Die Studenten könnten sonst nur einen Forschungsansatz, meist auch nur eine Ausgrabungsstätte kennenlernen, denn Lehrbücher gibt es nicht. Neun der insgesamt 28 Institute für Klassische Archäologie haben sich deshalb zusammengeschlossen, um nach dem europäischen Modell der Erasmus-Studenten Kooperationsvereinbarungen der beteiligten Universitäten zu schließen und ihr Fach auf hohem akademischen Niveau zu vermitteln.

Die Studenten könnten von ihrer Heimatuniversität beurlaubt werden und erhielten bevorzugt Wohnheimplätze oder Wohnungen, die Anrechenbarkeit der Leistungspunkte für bestimmte Module wäre gesichert, weil es sich um abgestimmte Studieneinheiten handelt. Die Rechtsabteilungen der Universitäten hätten schon grünes Licht gegeben, berichtete der Göttinger Archäologe Johannes Bergemann; die Vereinbarungen auch wirklich zu schließen, dürfte allerdings schwierig werden. So müssen auch Regelungen für den Fall getroffen werden, dass ein Student von einem Land ohne Studiengebühren in ein Land mit Studiengebühren wechseln kann. Gefördert wird das „Pons“ (Brücke)-Konzept trotzdem, weil es versucht, die durch Bologna errichteten Mobilitätshürden abzubauen.

Um Abbrecherquoten zu senken, wird die TU München mit der Stiftungsförderung ein einjähriges „Studium naturale“, ein propädeutisch-grundlagenorientiertes Studium in ihrem Standort in Weihenstephan einrichten, das auch Absolventen humanistischer oder sprachlich orientierter Gymnasien ermöglichen soll, ein naturwissenschaftliches Studium zu beginnen. Leistungsnachweise, die in diesem Studium erworben wurden, können auf eine Zulassung zum Bachelor an der TU angerechnet werden.

„Nationales Referenzzentrum“ soll entstehen

Die TU reagiert damit auf die Verkürzung der Gymnasialzeit mit entsprechend geringeren Grundkenntnissen in den naturwissenschaftlichen Fächern und die schon immer existierende Schwierigkeit, von der Schul-Mathematik zur Hochschul-Mathematik zu gelangen. Eine verbesserte Hochschuldidaktik in Mathematik wollen die Hochschulen in Kassel und Paderborn aufbauen und ihre Modelle in einem Internetpool auch anderen Hochschulen zugänglich machen. Die Mathematik sei oft genug ein Türsteher, der eher rauswirft als einlässt, sagte einer Gutachter. In Paderborn gibt es allein in der Mathematik fünf Professuren für Fachdidaktik, in Kassel drei.

Die RWTH Aachen, die Universität Bochum und die TU Dortmund werden für die Verbesserung der Lehre in den Ingenieurwissenschaften gefördert und die Charité in Berlin für die medizinische Lehre. Die Leitidee des Zentrums für die Medizin von morgen ist, die Lehre systematisch zu professionalisieren, indem umfassende Qualifizierungs- und Fortbildungsmaßnahmen eingeführt werden. In den kommenden drei Jahren soll daraus ein „nationales Referenzzentrum“ entstehen, das Konzepte für Lehrpläne in den medizinischen Disziplinen entwickelt.

Um die Studenten für das Bauingenieurwesen im strukturschwachen Brandenburg zu halten, wird die Brandenburgische Technische Universität in Cottbus mit der Hochschule Lausitz eine Bauakademie gründen, um zwei aufeinander abgestimmte Bachelor-Studiengänge – einen eher forschungsorientierten und einen eher praktischen – einzurichten.

In Ulm wird der Ausweg in einer Zusammenarbeit mit Fachhochschule und Industrie- und Handelskammer gesucht, mit der die beiden Hochschulen schon bisher in der Forschung zusammenarbeiten. Klassische Prüfungen soll es im geplanten Bachelor-Studiengang „Computational Science and Engineering“ nur noch wenige geben, statt dessen Projektarbeiten in Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen, um die Berufsaussichten zu verbessern. Das bewilligte Ulmer Modell zielt genauso wie ein Vorschlag der Fachhochschule Bielefeld zur Entwicklung eines dualen Pflegestudiengangs auf bessere Chancen zur Beschäftigung.

Es hat sich in Hannover gezeigt, wie schwierig es ist, innerhalb des Korsetts der Bologna-Regeln Freiheitsräume zu nutzen. Wenn Hochschulen jetzt wagen, vierjährige Bachelor-Studiengänge zu entwickeln, müssen sie darum fürchten, dass während des einjährigen Master-Studiums nicht mehr die nötige wissenschaftliche Tiefe entwickelt wird. „Das Studium darf eben nur fünf Jahre dauern“, sagte eine Professorin in Hannover etwas entmutigt und erinnerte daran, dass Bologna von Anfang an ein Sparmodell nach den Vorstellungen der Finanzminister war.

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Jahrgang 1962, politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

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