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Bildung Unionspolitiker für bundesweites Zentralabitur

09.08.2007 ·  Der Vorschlag von Baden-Württembergs Ministerpräsident Oettinger, ein bundesweit einheitliches Zentralabitur einzuführen, findet Zustimmung in Bund und Ländern. Der Lehrerverband ist aber skeptisch und bezweifelt, dass das Vorhaben schnell umgesetzt werden kann.

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Der Vorschlag des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Oettinger (CDU), in allen Bundesländern ein einheitliches Zentralabitur einzuführen, findet weitere Unterstützung. So bekräftigte der niedersächsische Kultusminister Busemann (CDU), sein Land habe mit den zentralen Prüfungen in einigen Fächern gute Erfahrungen gemacht.

Die Qualität des vorangehenden Unterrichts sowie die Vergleichbarkeit der Ergebnisse hätten sich gesteigert, sagte Busemann am Mittwoch in Hannover. Dafür müsse die Kultusministerkonferenz (KMK) allerdings noch einige Vorarbeiten leisten, doch die vor kurzem beschlossene Überarbeitung der „Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung“ seien ein Schritt in die richtige Richtung. Darin wird festgeschrieben, dass Deutsch oder eine aus der Sekundarstufe I fortgeführte Fremdsprache zu den Prüfungsfächern zählen müsse und alle drei Aufgabenfelder (sprachlich, naturwissenschaftlich, gesellschaftswissenschaftlich) abzudecken seien. Die Prüfungsanforderungen enthalten auch Beispielaufgaben.

„Mehr Vergleichbarkeit für Hochschulen“

Die KMK müsste ein bundesweites Zentralabitur einstimmig beschließen. Oettinger meinte, auf diese Weise eine „zukunftsorientierte Wahrnehmung der Kultuskompetenz durch die Länder“ sowie den Wettbewerbsföderalismus stärken zu können. Sowohl Bundesbildungsministerin Schavan (CDU) als auch der bayerische Kultusminister Schneider (CSU) pflichteten ihm bei.

Schneider meinte, die Kultusminister könnten zuerst über vergleichbare Aufgaben und einen einheitlichen Bewertungsschlüssel in Mathematik und Deutsch beraten und damit den Hochschulen mehr Vergleichbarkeit ermöglichen. Bisher hat die KMK nur nationale Bildungsstandards für den Hauptschulabschluss, die mittlere Reife und den Abschluss der vierten Klasse erarbeitet. Bildungsstandards für das Abitur liegen bisher nicht vor und wären eine unbedingte Voraussetzung für ein Zentralabitur in Deutschland. Dabei müsste auch das Institut für Qualitätssicherung in Berlin einbezogen werden, das standardisierte Aufgaben für Vergleichsarbeiten entwickelt.

„Relativ homogenes Niveau“ bei Gymnasien

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Kraus, sagte, ein zentrales Abitur erfordere eine mindestens dreijährige Vorbereitungszeit. Das zeigten die Pannen in Niedersachsen, das im vergangenen Jahr zentrale Prüfungen in einigen Fächern eingeführt hatte, und in Nordrhein-Westfalen, das in diesem Jahr nachzog. Zunächst müsse es gemeinsame Lehrpläne für die Oberstufe geben, die nach einem Probedurchlauf in den beiden letzten Schuljahren überarbeitet und beschlossen werden könnten, erst dann sei an gemeinsame Prüfungen in einigen Fächern überhaupt zu denken.

Einheitliche Abiturprüfungen in ganz Deutschland hält Kraus deshalb für illusorisch, wie er im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bestätigte. Er verwies außerdem darauf, dass das innerdeutsche Leistungsgefälle in den nichtgymnasialen Schulformen viel größer sei. So habe die Pisa-Studie gezeigt, dass der Leistungsrückstand zwischen den besten und den schlechtesten nichtgymnasialen Schulformen nahezu 2,5 Schuljahre betrage, bei den Gymnasien indessen ein Schuljahr.

Wichtiger sei deshalb eine zentrale Prüfung für die mittlere Reife. „Die Gymnasien scheinen sich ein relativ homogenes Niveau erhalten zu haben“, sagte Kraus. Er schlug vor, die einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung zunächst zu Bildungsstandards weiterzuentwickeln. Außerdem könnten sich zunächst benachbarte Bundesländer zu einem gemeinsamen Abitur zusammentun.

„Wirkt auf das Lernverhalten“

Schon in der dritten mathematisch-naturwissenschaftlichen Vergleichsstudie (TIMSS) hatten die Bildungsforscher im Blick auf die guten Ergebnisse Japans in Mathematik und Naturwissenschaften festgestellt, eine zentrale Prüfung „wirkt auf das Lernverhalten in der Sekundarstufe I regulierend zurück“, hebt also das Leistungsniveau. In vier Ländern wurde das Zentralabitur durch die französische oder amerikanische Besatzungsmacht unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt.

Dazu zählen das Saarland, Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Rheinland-Pfalz schaffte die zentrale Prüfung jedoch nach dem Ende der Besatzungszeit wieder ab und ist das einzige Land, das sich entschieden gegen das Zentralabitur sträubt. Die Mainzer Bildungsministerin Ahnen (SPD) verwies darauf, dass dann auch die derzeitige Ferienregelung nicht haltbar sei.

Von den neuen Bundesländern hatten nach der Wiedervereinigung bis auf Brandenburg alle vier das Zentralabitur eingeführt. Brandenburg orientiert sich an Nordrhein-Westfalen, das zentrale Prüfungen in diesem Jahr erstmals erprobte. Schleswig-Holstein wird Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen und Naturwissenschaften im kommenden Jahr zentral prüfen. Der Deutsche Philologenverband äußerte sich vorsichtig zurückhaltend zu Oettingers Vorschlag und hält präzise Bildungsstandards und dazugehörige Aufgabenpools zunächst für wichtiger. Die einheitlichen Prüfungsanforderungen seien zu schwammig, kritisierte der Philologenverband.

Quelle: oll. / Frankfurter Allgemeine Zeitung
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