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Bildung : Abitur ist nicht gleich Abitur

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Abitur muss nicht gleich Abitur sein: Schüler aus unterschiedlichen Bundesländern erzielen in Leistungstests unterschiedlich gute Leistungen. Bild: picture-alliance/ dpa

Deutliche Bewertungsunterschiede zwischen den Ländern ziehen die Aussagefähigkeit der Abiturnoten für die Zulassung zum Studium in Zweifel. In einem Vergleichstest lagen Abiturienten in Hamburg weit hinter denen aus Baden-Württemberg.

          Der Reformbedarf bei den neugeschaffenen Bachelor-Studiengängen an den deutschen Hochschulen hat in den vergangenen Monaten die Schlagzeilen der Zeitungen dominiert. Nicht aus dem Blickfeld des Interesses sollte geraten, dass Defizite im System schon auf einer früheren Stufe zu beobachten sind: bei der Qualität der Leistungen im Abitur, bei der Vergleichbarkeit des Abiturs über verschiedene Bundesländer und Schulen hinweg und bei der auf den Schulnoten fußenden Zulassung zum Studium durch die Hochschulen. In diesem Beitrag zeigen wir anhand von erstmalig vorliegenden Daten aus zwei Bundesländern auf, wie groß Bewertungsunterschiede in Abiturnoten ausfallen können und wie stark die Chancen auf einen attraktiven Studienplatz von der Art des gewählten Zulassungsverfahrens abhängen.

          Schüler aus unterschiedlichen Bundesländern erzielen in Leistungstests unterschiedlich gute Leistungen. Dies ist seit der Vergleichsstudie Pisa gut bekannt. Allerdings beschränkte sich Pisa auf die Sekundarstufe I, vergleichbare Studien aus der gymnasialen Oberstufe gibt es bislang nicht. Für zwei Bundesländer, Baden-Württemberg und Hamburg, liegen jedoch vergleichende Informationen vor, die in zwei Schulleistungsstudien mit größtenteils identischen Instrumenten gesammelt wurden und Aussagen über Leistungsunterschiede zwischen Abiturienten aus diesen Bundesländern erlauben.

          Das Projekt „Transformation des Sekundarschulsystems und akademische Karrieren“ (Tosca) des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung hat im Jahr 2002 eine repräsentative Stichprobe von rund 4700 Abiturienten in Baden-Württemberg untersucht, im Rahmen der von der Stadt Hamburg in Auftrag gegebenen Studie Lernausgangslagen und Lernentwicklung (LAU) konnten im Jahr 2005 rund 5000 Abiturienten, praktisch der gesamte damalige Abschlussjahrgang, getestet werden.

          Bild: F.A.Z.

          Wissensstand variiert erheblich

          Die Ergebnisse vergleichender Analysen der Fachleistungen der Abiturienten, die 2007 veröffentlicht wurden, waren ein Paukenschlag: Obwohl die Abiturienten in Hinblick auf ihre familiäre Herkunft und Begabung in beiden Ländern sehr ähnliche Voraussetzungen mitbrachten, fielen die Leistungen in dem eingesetzten standardisierten Mathematiktest sehr unterschiedlich aus. Der Wissensstand der Abiturienten in Hamburg lag um rund ein bis zwei Schuljahre hinter dem der Abiturienten in Baden-Württemberg; mehr als die Hälfte von ihnen verfehlte ein Leistungsniveau, das nach Bewertung von Fachexperten von Abiturienten eingefordert werden kann. Nur rund ein Fünftel der Leistungsunterschiede konnte dadurch erklärt werden, dass in Baden-Württemberg der Leistungskurs Mathematik deutlich häufiger belegt wurde als in Hamburg. Auch in den Naturwissenschaften fanden sich substantielle Bundeslandunterschiede.

          Die Botschaft war eindeutig: Am Gymnasium in Hamburg, dessen geplante Verkürzung für viele Hamburger Bürger offenbar seinem Untergang gleichkommt, gab es Schwierigkeiten bei der Qualitätssicherung. Allerdings, und dies war für die Bildungsforschung der vielleicht noch wichtigere Befund des Vergleichs, zeigten sich in den Englischleistungen der Abiturienten kaum Unterschiede zwischen den Ländern, in der Leistungsspitze hatten die Hamburger Abiturienten sogar geringe Vorteile: ein Beleg dafür, dass die Qualität der Beschulung nicht nur über die Bundesländer unterschiedlich ausfällt, sondern auch von Fach zu Fach innerhalb eines Bundeslands.

          In ergänzenden Analysen, die dieser Tage veröffentlicht werden (siehe Neumann, Nagy, Trautwein, Lüdtke, Vergleichbarkeit von Abiturleistungen, Leistungs- und Bewertungsunterschiede zwischen Hamburger und Baden-Württemberger Abiturienten und die Rolle zentraler Abiturprüfungen, in: „Zeitschrift für Erziehungswissenschaft“, Heft 4, 2009), wurde nun überprüft, welche Konsequenzen die Leistungsunterschiede für die Noten haben, die die Abiturienten an allgemeinbildenden Gymnasien in den beiden Bundesländern erhielten; berufliche Gymnasien und Gesamtschulen wurden nicht berücksichtigt.

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