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„Bil“-Schulen in Deutschland Gebildet, höflich, muslimisch

Anhänger der türkischen Gülen-Bewegung haben in Deutschland mehr als 20 Privatschulen gegründet. Die Jugendlichen wachsen dort in einem engen islamischen Milieu auf.

© Hermann, Rainer Vergrößern Der türkische Prediger Fethullah Gülen

Die geräumigen Klassenzimmer der „Bil“-Schule sind mit Eichenparkett ausgelegt, die großzügigen Flure und Freitreppen strahlen Eleganz und Weite aus. Vor jedem Raum hängt ein Schild mit dem Namen eines Großspenders, der mindestens 20.000 Euro zur Verfügung gestellt hat. In jedem Klassenzimmer gibt es einen Beamer, im ganzen Haus kabelloses Internet, modernste Chemie- und Physik-Räume, eine große Bibliothek, einen Theatersaal mit 450 Plätzen und Gästeappartements im Dachgeschoss. Weder staatliche Schulen noch kirchliche Privatschulen verfügen über eine solche Ausstattung.

Stolz steht Muammer Akin vor dem Neubau. Für den 43 Jahre alten Pädagogen ist das moderne Gebäude, in dem einst 850 Schüler Platz finden sollen, das Ergebnis von 17 Jahren Arbeit. Als junges Mitglied des Ausländerausschusses der Stadt Stuttgart gründete Akin einen Nachhilfeverein für türkische Kinder. Damals holte der Industriemechaniker noch sein Abitur nach. Nun steht weithin sichtbar und repräsentativ auf einem Berg oberhalb Bad Cannstatts die „Bil“-Schule, eine private Ganztagsschule mit Gymnasial- und Realschulzweig, getragen von türkischen Eltern und Unternehmern.

“Wir wollten nicht mehr warten, bis sich das staatliche Schulsystem zugunsten unserer Kinder ändert“, sagt Akin. Zu oft sah er, dass türkische Kinder dort schlechter abschnitten als deutsche. Viele Eltern könnten ihren Kindern nicht helfen, doch türkische Kinder würden auch diskriminiert, sagt Akin. Die Statistik spricht Bände: 56 Prozent der jungen Stuttgarter sind ausländischer Herkunft. Jahrelang lag ihr Anteil an den Gymnasiasten in der fünften Klasse bei 20 Prozent, bis zum Abitur schrumpfte er auf zehn Prozent. Manche erreichten über den zweiten Bildungsweg die Hochschulreife. „Diesen Umweg wollten wir unseren Kindern ersparen.“

Gülen will islamischen Staat

Die „Bil“-Schule steht nicht für sich. Sie ist Teil einer neuen türkischen Bildungsbewegung. Ihre Schüler haben nichts gemein mit der nicht integrierbaren türkischstämmigen Unterschicht, die der Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) und die frühere Jugendrichterin am Amtsgericht Tiergarten Kirstin Heisig (“Das Ende der Geduld“) in ihren Büchern beschrieben haben. Die Jugendlichen hier sind fleißig und aufstiegsorientiert; ihre Eltern sind gläubige Muslime. Die Familien sind von den Ideen des türkischen Predigers Fethullah Gülen inspiriert, einem konservativen Modernisierer des Islams, der seinen Anhängern vermittelt, dass ein Leben als Muslim auch in der westlichen Welt möglich sei. Um die Rückständigkeit muslimischer Gesellschaften zu überwinden, predigt er, Wissen und Qualifikationen zu erwerben. Erfolg und Einfluss im Diesseits seien Ausdruck von Gottes Wohlgefallen, so der beinahe calvinistische Gedanke. Die Beschäftigung mit Naturwissenschaften und Technik sei dabei eben so gottgefällig wie der Dienst am Menschen. Mehr als 20 der Gülen-Bewegung nahe stehende Schulen gibt es in Deutschland, die meisten von ihnen Gymnasien, und etwa 300 Nachhilfe-Institute. Vereine, die interreligiösen Dialog organisieren, gehören auch zum Portfolio.

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