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Besuch von Obama : Neue Traditionen in Berlin

Das nicht noch einmal: 2008 durfte Obama „nur“ vor der Siegessäule reden Bild: dpa

In früheren Zeiten waren Amerikaner für die West-Berliner Retter und heißgeliebte Freunde. Inzwischen hat sich das Verhältnis normalisiert: Erdnussbutter ist keine Besonderheit mehr.

          Die Zeiten des berühmten Berliner „Togo-Kaffees“ - so eignete sich die Berliner Bevölkerung seinerzeit den „Coffee to go“ an - sind vorbei. Wer heute regelmäßig die Straßenbahnen M1 oder 12 zwischen Mitte und Prenzlauer Berg benutzt, wäre oft ganz froh, der englischen Sprache nicht mächtig zu sein: Was ist nerviger, jungen Deutschen mit stark überdrehtem amerikanischem Akzent lauschen zu müssen, oder den Angebereien einer jungen Amerikanerin, die ihrem Gesprächspartner per Taschentelefon erzählt, wie toll und interessant und überdies noch spottbillig doch ihr Leben in Berlin sei?

          Mechthild Küpper

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Wer die kleinste Portion Kaffee partout nicht „tall“ nennen mag, bittet in der nächstgelegenen Starbucks-Filiale eben um die kleinste Tasse - und wird auch verstanden. Vorbei also die Zeiten der unerhörten kulturellen Differenz, in denen Berliner zwar nach New York und nach Florida reisten, aber Berlin für Amerikaner nur dann in Frage kam, wenn sie bei der Army oder im diplomatischen Dienst einen Posten bekamen? Ob man Englisch versteht oder spricht und in welchem Akzent man das gar tut, ist inzwischen eine praktische Frage geworden und nicht mehr vornehmlich mit Prestige verbunden.

          Immer noch bessere Bagels in New York

          Eltern, die der Beteuerung des Bezirksbürgermeisters Christian Hanke (SPD) nicht trauen, aus seiner Tochter sei etwas geworden, obgleich sie in Berlin-Wedding Abitur gemacht habe, können ihren Nachwuchs in Berlin-Mitte in die „Berlin Metropolitan School“ und die „Berlin Cosmopolitan School“ schicken. Die traditionsreiche John F. Kennedy-Schule in Zehlendorf ist nicht mehr die einzige in Berlin, auf der die Kinder Englisch sprechen. Die Amerikanerin Cynthia Barcomi lockt seit 1994 Besucher in ihre Cafés mit Kaffeerösterei in Kreuzberg und Mitte, vor Weihnachten zeigte sie sogar im ARD-Mittagsmagazin, wie man Plätzchen backt. Bestimmt gibt es in New York immer noch die besten Bagels, doch selbst im Einkaufszentrum am Potsdamer Platz nutzt ein Restaurant die runden Brötchen mit Loch in der Mitte erfolgreich als Grundlage für einen Imbiss. Und die Ladenöffnungszeiten, die sind inzwischen so großzügig bemessen, dass Berliner sich in New York nicht mehr wie die Vettern aus Dingsda fühlen.

          Berlin und Amerika, das heißt West-Berlin und Amerika, das war zwischen Kriegsende und Mauerfall eine unerhörte Erfolgs- und Liebesgeschichte, wenn auch, wie die Dinge lagen, eine etwas einseitige. Aus der Besatzungsmacht wurde, spätestens seit der Luftbrücke 1948/49, eine Schutzmacht. Jeder, der jemanden kannte, der Zugang zu einem der PX-Läden der Armee hatte, genoss es, seinen Freunden echte Pancakes (aus einer Backmischung) zum Frühstück anbieten zu können. Die anderen stockten beim sommerlichen deutsch-amerikanischen Volksfest im feinen Dahlem, wo „die Amis“ wohnten, ihren Jahresvorrat an Skippy-Erdnussbutter und Ahornsirup auf. Doch sosehr die Zeitläufte sich auch wandeln: Die Gedenkstunde zur Blockade auf dem Platz der Luftbrücke vor dem alten Flughafen Tempelhof bleibt für jeden Regierenden Bürgermeister ein Pflichttermin.

          Die (West-)Berliner verdanken den Amerikanern derartig viel - das Leben in Freiheit mitten in der DDR und ihrer Mauer vorneweg -, dass der damalige Botschafter der Vereinigten Staaten, Richard Holbrooke, ihnen beim Abzug aller alliierten Truppen die Gründung von „New Traditions“ versprach. An erster Stelle ist gewiss die American Academy am Wannsee zu nennen, die ein offenes Haus führt, so dass alle, die mögen, die „Fellows“ bei den Vorlesungen und Diskussionen erleben können.

          So gern alle Berliner die Rote Armee ziehen sahen, so wehmütig sahen die West-Berliner die GIs verschwinden. Was haben die Amerikaner nicht alles hinterlassen! Das alte Universitätsklinikum Steglitz der Freien Universität, das sich, als es in der Konkurrenz mit der Charité um die Fortexistenz ging, erfolgreich unter den Namen Benjamin Franklin flüchtete. Das Amerika-Haus am Bahnhof Zoo, wo man Bücher auslieh und Filme sah, vor dem die Achtundsechziger-Studenten gegen den Vietnam-Krieg demonstrierten. Im September zieht dort die erfolgreiche Fotogalerie „c/o Berlin“ ein. Die Amerika-Gedenkbibliothek in Kreuzberg, die längst aus allen Nähten platzt. Aus dem Offiziersclub im Dahlemer Harnack-Haus ist schon lange eine Tagungsstätte der Max-Planck-Gesellschaft geworden.

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