http://www.faz.net/-gpf-74j77

Beschneidungen : Bundestag einig über Gesetzentwurf zu Beschneidungen

  • Aktualisiert am

Beschneidungsbesteck eines Rabbiners in Deutschland Bild: dapd

Die Regierungsvorlage der Regelung zur Beschneidung ist in erster Lesung von allen Fraktionen gelobt worden. Einzelne Abgeordnete äußerten Änderungswünsche.

          Der Entwurf einer gesetzlichen Regelung zur Beschneidung von Jungen ist im Bundestag von Abgeordneten aller Fraktionen gutgeheißen worden. Der Entwurf sieht die Möglichkeit vor, Jungen in den ersten sechs Monaten nach der Geburt von religiösen Amtsträgern beschneiden zu lassen, sofern sie medizinisch dafür ausgebildet sind.

          Die für Kinderrechte in ihren Fraktionen zuständigen Abgeordneten Diana Golze (Linkspartei) und Katja Dörner (Grüne) brachten einen Gegenentwurf in den Bundestag ein, der vorsieht, dass die Beschneidung aus nicht-medizinischen Gründen erst vom 14. Lebensjahr der Jungen an möglich sein solle. Auch die Unterstützer der Regierungsvorlage brachten einzelne Änderungswünsche an. Der Grünen-Abgeordnete Jerzy Montag sagte, er hoffe das die Frist zur religiös motivierten Beschneidung auf 14 Tage nach der Geburt verkürzt werde.

          Schröder: keineswegs harmlos

          Die Befürworter einer Regelung, die vor einer Beschneidung das Einverständnis heranwachsender Jungen vom 14. Lebensjahr an verlangt, beklagten vor allem, dass die Bundesregierung nicht mehr Zeit für eine gesellschaftliche Debatte gelassen habe, bevor sie ihren Gesetzentwurf vorlegte. Sie hoben das Recht der Kinder auf körperliche Unverletztheit hervor. Der FDP-Abgeordnete Stephan Thomae sagte, manchmal handele es sich bei der vorgeblichen Sorge um das Kindeswohl bloß um „getarnte Religionsfeindlichkeit“.

          Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hob bei der Einbringung des Gesetzentwurfes hervor, Eltern seien „grundsätzlich frei“ in Ziel, Inhalt und Methoden der Erziehung. Ihre Stellung, die ihnen die Personensorge über ihre Nachkommen verleihe, berechtige sie auch, die Entscheidung zugunsten der Beschneidung ihrer Kinder zu treffen. Sie nannte ein weiteres Ziel des Entwurfs: Die Bundesregierung wolle auch zum Ausdruck bringen, „dass jüdisches und muslimisches Leben in Deutschland ausdrücklich erwünscht ist“.

          Bundesjugendministerin Kristina Schröder (CDU) sagte, als Mutter eines kleinen Jungen tue sie sich persönlich schwer damit, aus religiösen Grünen einen „keineswegs harmlosen“ Eingriff zu akzeptieren. Aber wenn man Beschneidung als religiös konstitutiv für die Zugehörigkeit zum Judentum begreife, dann verwirkliche sich eben gerade darin das Kindeswohl jüdischer Nachkommen.

          Quelle: F.A.Z./Lt.

          Weitere Themen

          Ein fast normaler Tag im Plenum

          Bundestag nach Jamaika-Aus : Ein fast normaler Tag im Plenum

          Von einer Staatskrise ist im Bundestag keine Rede – die Kontrahenten grüßen einander freundlich und denken sogar über Gesetzentwürfe nach. Und Kanzlerin Merkel lobt eine Partei.

          Bundestag nimmt Arbeit auf Video-Seite öffnen

          Trotz schwieriger Regierungsbildung : Bundestag nimmt Arbeit auf

          Unabhängig von der politischen Hängepartie nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen hat der Bundestag seine Arbeit aufgenommen. Bei der Debatte über die Verlängerung von Bundeswehr-Mandaten lösten die Linken-Angeordnete Dagdelen sowie der AfD-Fraktionschef Gauland Empörung aus.

          Topmeldungen

          F.A.Z. exklusiv : Lindner: Wir fühlten uns gedemütigt

          Im Interview mit der F.A.Z. spricht der FDP-Vorsitzende über die Gründe für den Ausstieg aus den Jamaika-Sondierungen. Vor allem einer Partei wirft Christian Lindner fehlende Kompromissbereitschaft vor.
          Die Runde von Sandra Maischberger

          Talk-Kritiken : Im Beichtstuhl des Bundespräsidenten

          Nach dem vorläufigen Scheitern von Jamaika ist der Bundespräsident Herr des Verfahrens. Die Debatten in Talkshows zeigen: Auf das Staatsoberhaupt wartet keine leichte Aufgabe.
          Keine Zeit für Grokodilstränen: Sigmar Gabriel und Martin Schulz am Dienstag im Bundestag

          SPD nach Jamaika-Aus : Einmal Opposition und zurück

          Nach dem Paukenschlag wird in der SPD noch einmal neu nachgedacht. Es gelte, Neuwahlen zu vermeiden – heißt es hinter vorgehaltener Hand. Behutsam müsse man die Partei auf eine Regierungsbeteiligung vorbereiten. Nur wie?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.