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Berliner Großlughafen : Wowereits Problem-BER

Verzögerungen im Betriebsablauf: Luftaufnahme des neuen Flughafens Berlin-Schönefeld aus dem Juni Bild: dapd

Endlich gute Nachrichten vom Berliner Großflughafen: Kinder können bei einer „Ferienaktion“ ihre Sommerzeit auf dem Gelände verbringen. Interessant dürfte allerdings auch sein, dass das Projekt über eine Milliarde Euro mehr kostet als gedacht und der Flugbetrieb noch lange nicht beginnt.

          Der im Mai angekündigten zweiten Verschiebung der Flughafeneröffnung könnte im kommenden Monat ein noch größeres Debakel für die Bauherrn folgen: Dann entscheidet sich, ob der neue Großflughafen Willy Brandt (BER) in Berlin-Schönefeld auch am neuen Termin März 2013 überhaupt in Betrieb gehen kann. Berlin und Brandenburg halten je 37 Prozent, der Bund 26 Prozent der Anteile an der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB). Die Kosten für BER, das kam nach der Verschiebung heraus, steigen von 3,4 auf 4,6 Milliarden Euro. Allein für den Lärmschutz müssen fast 600 Millionen Euro ausgegeben; viel mehr als geplant.

          Mechthild Küpper

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          An dem Fortgang der Sache könnte sich in diesem Sommer das politische Schicksal von Klaus Wowereit (SPD) entscheiden, dem Regierenden Bürgermeister von Berlin und Aufsichtsratsvorsitzenden der Flughafengesellschaft. Was in Schönefeld schiefgeht, wird in der Öffentlichkeit mittlerweile ihm persönlich als Versagen zugeschrieben. Wowereit, der Berlin seit elf Jahren regiert und lange Zeit über robuste Umfragewerte verfügte, bezahlte bereits die Verschiebung der Flughafeneröffnung mit einem Einbruch seiner Popularitätswerte. Lag er vorher ganz vorn in der Liste, fand er sich Anfang Juni abgeschlagen auf Platz neun der Beliebtheitsliste wieder, hinter der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Ramona Pop und dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Raed Saleh.

          „Extrem knapp und absolut ambitioniert“

          Bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung im August soll der neubestellte Geschäftsführer für Bau, Horst Amann - er wurde von der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport abgeworben und genießt einen sehr guten Ruf - feststellen, ob der Eröffnungstermin 17. März 2013 zu halten ist. Vorsichtig äußerte sich Amann, der noch in Frankfurt arbeitet, nach einem Rundgang mit der CDU-Fraktion des Potsdamer Landtags Anfang der Woche: „Der Zeitplan ist extrem knapp und absolut ambitioniert.“ Eine Formulierungen, die so oder so ähnlich auch vor dem 3. Juni 2011 immer wieder zu hören war - mit bekanntem Ausgang. „Es wirkte unaufgeräumt und war schmutzig“, sagte der Brandenburger CDU-Abgeordnete Dieter Dombrowski nach einer Besichtigung der Baustelle. Im Moment wird nicht im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet, dafür muss erst Amann die Fäden in der Hand halten und die Arbeit koordinieren.

          In der verfahrenen Situation flammt nun auch noch alter Unfriede neu auf. Die wildesten Behauptungen finden ihren Weg in die Öffentlichkeit. Eine Bürgerinitiative berichtet von Informationen, die ihr „von qualifizierten Personen“ von der Baustelle zugetragen wurden: Am BER steige trotz Tag und Nacht arbeitender Pumpen der Grundwasserspiegel, das Terminal habe sich „unnatürlich, weil einseitig“ gesenkt. Vor dem Bundesverwaltungsgericht behaupteten Anwohner, sie seien von den beteiligten Behörden und Politikern absichtlich über die Flugrouten und den zu erwartenden Lärm getäuscht worden. Man hört Fachleute, die darlegen, der neue Geschäftsführer Amann könne allenfalls den Bau von Landebahnen überwachen, während die Hauptschwierigkeit beim BER das „zu kleine“ Terminal sei. Jeder kennt jemanden, der jemanden kennt, der auf der Baustelle schon früh gesehen hat, dass der Flughafen nie und nimmer am 3. Juni 2012 in Betrieb gehen konnte. Man hört, Wowereit und die Geschäftsführung hätten das Projekt nicht im Griff - man hört aber auch, Wowereit sei im Aufsichtsrat bestens vorbereitet und stelle die richtigen Fragen.

          Das Catering läuft schon: Imbisswagen für Arbeiter auf der Baustelle
          Das Catering läuft schon: Imbisswagen für Arbeiter auf der Baustelle : Bild: dapd

          Lang ist die Liste der Verfahren um den Bau des Großflughafens vor den verschiedenen Gerichten. Es kommen immer neue hinzu. Die Flughafengesellschaft FBB hat beim Landgericht Potsdam eine Feststellungsklage gegen die Planungsgemeinschaft PG BBI eingereicht, die bis zu ihrer Entlassung der Generalplaner für den neuen Flughafen war und an der das Architektenbüro beteiligt ist, das den Flughafen entwarf. Die Flughafengesellschaft klagt auch gegen den Beschluss des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Berlin-Brandenburg zum Lärmschutz und gegen die Anweisung der Genehmigungsbehörde zur sofortigen Umsetzung des OVG-Beschlusses. Dagegen klagen nun wieder Bürger, die wollen, dass Lärmschutzeinrichtungen rasch besorgt werden.

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