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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Berliner Debakel Platzeck-Wowereit-Airport

Nach der russischen Rochade ist es höchste Zeit für die Umbenennung des Berliner Fluchhafens. Und für ein neues Motto der rot-schwarzen Koalition.

Das kann man eine russische Rochade nennen. Wowereit tritt von seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender des Berliner „Fluchhafens“ zurück, um diese seinem Stellvertreter Platzeck zu überlassen, der dem Desaster schon ebenso lange zugesehen hat wie er selbst. Überzeugender haben auch Putin und Medwedjew den Rest der Menschheit nicht veräppelt.

Berthold  Kohler Folgen:  

Der lupenreine Aufsichtsrat Platzeck lässt sich jetzt noch von seiner Koalition als Ministerpräsident und als „neuer“ Besen im Kontrollgremium der ewigen Baustelle bestätigen, für die, man lernt aus den Fehlern, sicherheitshalber erst einmal kein Fertigstellungstermin mehr genannt wird. Diese Nummer schreit nun endgültig danach, den Flughafen in „Platzeck-Wowereit-Airport“ umzubenennen. Willy Brandt jedenfalls hat es nicht verdient, dass sein Name mit dieser Endlosblamage verbunden bleibt.

Mit Ruhm bekleckerte sich bei diesem sogenannten Prestigeprojekt noch keiner der sachlich und politisch Verantwortlichen. Wowereits und Platzecks genossenschaftliche Chuzpe („Ich koppele mein Schicksal eng an diesen Flughafen“) aber ragt aus dem Massenversagen einsam heraus. Sie können sie sich leisten, weil ihre Partei, die SPD, und ihre jeweiligen Koalitionspartner hinter ihnen stehen, wenngleich auch in Teilen mit knirschenden Zähnen. Die Konstellation, dass die CDU in Potsdam den neuen Flughafen-Powerbroker Platzeck stürzen will, die CDU in Berlin aber an ihm und am abgehalfterten Wowereit festhält, zeigt, dass es auch im Streit um „BER“ nicht zuerst um die Sache geht, sondern um Personen, Positionen, Koalitionen. Sogar die CSU weiß genau, warum sie nicht Wowereits und Platzecks Köpfe fordert: Dann säße auch der von Ramsauer locker.

Die politische Landschaft in Berlin ist derart fragmentiert, die CDU dort noch immer so schwach, dass sich Diepgens Nachfolger nichts von einem Bruch der Koalition mit der SPD versprechen. Lieber folgen sie „fassungslos“ und „stinksauer“ dem sinkenden Stern Wowereits, als womöglich schon jetzt wieder dort zu landen, wo die Parteifreunde aus Potsdam mit ihrem Schicksal hadern, seit Platzeck dem alten Partner die Linkspartei vorzog: in der Kälte der Opposition. Denn die Berliner CDU hat es gerne warm. Und fliegt dann mit den Kollegen von der SPD eben noch ein paar Jahre von Tegel aus in den Süden, das fröhliche Lied auf den Lippen: Wir können alles außer Flughafen!

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 08.01.2013, 16:49 Uhr