05.11.2003 · Das Chemieunternehmen Degussa, dem der Auftrag zur Lieferung eines Graffiti-Schutzmittels für das Holocaust-Mahnmal entzogen wurde, ist bereits über eine weitere Tochterfirma an dem Projekt beteiligt.
Das Chemieunternehmen Degussa, dem der Auftrag zur Lieferung eines Graffiti-Schutzmittels für das Berliner Holocaust-Mahnmal entzogen wurde, ist über eine weitere Tochterfirma an dem Projekt beteiligt. Ein Sprecher des Stiftungskuratoriums für das Mahnmal sagte am Mittwoch, bei der Überprüfung des Konzepts im Zusammenhang mit dem Imprägniermittel sei aufgedeckt worden, daß auch ein Betonverflüssiger einer anderen Degussa-Tochter verwendet worden sei.
Ein Teil der Stelen-Fundamente sei mit einem Betonverflüssiger der Degussa-Tochter Woermann Bauchemie GmbH gegossen, hatte die „Rheinische Post“ unter Berufung auf das Düsseldorfer Unternehmen gemeldet. Vor zwei Wochen hatte das Stiftungskuratorium seine Entscheidung, die Verwendung des Degussa-Grafittischutzes zu stoppen, damit begründet, daß eine Tochtergesellschaft des Chemieunternehmens in der NS-Zeit das Gift Zyklon B zur Tötung von Juden und anderen Verfolgten produziert hatte.
Kuratorium will entscheiden
Stiftungssprecher Uwe Neumärker sagte am Mittwoch, über das weitere Vorgehen werde auf einer außerplanmäßigen Kuratoriumssitzung Anfang nächster Woche entschieden. Innerhalb des Kuratoriums seien die Fronten gespalten. Die „Rheinische Post“ berichtete, aus dem Umfeld des Kuratoriums habe es geheißen, letztlich müßte das Mahnmal „abgerissen werden“, wenn Degussa wegen ihrer Vergangenheit unerwünscht sei.
Nach Informationen der Zeitung sind bereits mehrere hundert der 2.700 Stelen mit dem Degussa-Graffitischutz imprägniert. Ein anderes Produkt wäre klar an der Farbe zu erkennen. Dem zufolge könnten die Degussa-Stelen zu einem „Mahnmal im Mahnmal“ werden. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse wollte sich zu der neuen Enthüllung nicht äußern.